Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Juni 1991

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Juni 1991: Älteste Kunsthandlung musste schließen. Die älteste Kunsthandlung am Stachus musste im Mai 1991 schließen: Die Hypo-Bank hat die Miete zunächst auf 18.000 DM verdoppelt und eine weitere Erhöhung auf 27.000 M angekündigt. [1]

Juni 1991: Beamte müssen zweitem Beruf nachgehen. Im Münchner Stadtanzeiger wurde gemeldet, dass Tausende Beamte in München einem zweiten Beruf nachgehen müssen, da die Lebenshaltungskosten in der Stadt zu teuer geworden sind. Das ist eigentlich verboten, aber untere und mittlere Beamte im Öffentlichen Dienst oder Beschäftigte im Einzelhandel müssen oft die Hälfte des Nettogehalts für die Wohnungsmiete aufbringen. [1]

Juni 1991: Münchner Bodenpreise um 15 Prozent teurer. Soviel stiegen die Grundstückspreise im Jahr 1990; für gewerbliche Grundstücke waren es sogar 26 Prozent. Bei 11.400 notariellen Beurkundungen wechselten fast 400 Hektar Grund und Boden den Eigentümer, 1,3 Prozent des Stadtgebietes. Unter 750 DM pro Quadratmeter war im Stadtgebiet nichts mehr zu haben; einfachste Lagen am Stadtrand kosteten 750 bis 900 DM, für mittlere Lagen wurden 900 bis 1300 DM gefordert. Kommunalreferent Georg Welsch (Grüne) nennt als Grund den nicht vermehrbaren Boden und eine „massierte wirtschaftliche Entwicklung“ in München. Durch den neuen Flughafen werde sich die Situation noch verschärfen: Zwischen München und Landshut werden 150.000 bis 200.000 Menschen eine Wohnung brauchen, so Welsch. Die LH München versucht mit drei Mitteln zum Zug zu kommen: einem „Vorteilsausgleich“ über eine entschädigungslose Abtretung von bestimmten Flächen, der Regelung der „Umlegung“ und durch den „sozialen Mietwohnungsbau“: Hierdurch wird der Grundbesitzer verpflichtet, 40 Prozent der Nettofläche mit sozialen Mietwohnungen zu bebauen. [2]

Juni 1991: Ex-Flughafengelände umstritten. Das 308 Hektar große Flughafengelände in Neubiberg (mit 243 Hektar ohne den Universitätsanteil) wird schon umkämpft, u. a. von Bauunternehmern. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum erstellt im Auftrag der Gemeinden Ottobrunn, Unterhaching und Neubiberg ein Nutzungskonzept mit Erholungsflächen und maßvoller Bebauung. Die Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe Ottobrunn-Neubiberg, Dietrich Schwägerl, und Unterhaching, Christian Hertel, haben mit dem Kreisvorsitzenden Guido Banas Forderungen formuliert: Keine Bebauung auf dem Unterhachinger Flughafenteil und westlich von Kapuzinerhölzl (Ottobrunn) und äußerer Hauptstraße (Neubiberg). Die Westumgehung von Ottobrunn sollte durch eine Umweltverträglichkeitsprüfung verworfen werden. [3]

Fußnoten und Quellen

  1. Maier-Mannhart, Helmut, Wegen Reichtum geschlossen? in SZ 1.6.1991
  2. Fürstweger, Walter, Immer höhere Preise – immer weniger Verkäufe, in SZ 19.6.1991
  3. Baumstieger-Uhlig, Christine, Ist die Frischluftschneise noch zu retten? in SZ 20.6.1991
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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