Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Neuperlach

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 18.6.2022

1960 beschloss der Münchner Stadtrat angesichts der großen Wohnungsnot den Bau von drei „Entlastungsstädten“: Oberschleißheim, Freiham und Neuperlach. Das Baureferat begann mit den Planungen für Neuperlach 1961. Die Planungen des neuen Stadtteils begannen 1967 mit zuerst 80.000, dann 70.000 Bewohnern und 30.000 Arbeitsplätzen auf etwa 1000 Hektar mit „Beinahe-Hochhäusern“. (Heute sind es etwa 55.000 Bewohner und 22.000 Arbeitsplätze.) Es gab fünf Bauabschnitte: Nord, Nordost, Ost, Zentrum und Süd. Die Grundsteinlegung war 1974. 1976 waren Nord- und Ostabschnitt fertiggestellt mit 14.300 Wohnungen, die Hälfte davon Sozialwohnungen. Der Südabschnitt wurde als letzter 1980 begonnen. Viele der ursprünglichen Sozialwohnungen wurden inzwischen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Das neue Viertel war ab 1973 zunächst nur über die Straßenbahn Linie 24 mit der Innenstadt verbunden: Erst 1980 fuhr die U2 bis Neuperlach Süd. (Aus Wikipedia)
Das erinnert frappant an die Anbindung des neuen Viertels Freiham mit geplanten 25.000 bis 30.000 Bewohnern, wo die Diskussion um eine rasche Verkehrsanbindung auch heute noch anhält.

25 Jahre Neuperlach. In einem Resümee stellte die Abendzeitung im Januar 1992 Schlagzeilen zusammen: „Grüne Witwen, „kriminelle Jugendliche“, „anonyme Nummern im Hochhaus“. Die „soziale Infrastruktur“ mit Cafés, Kinos und Begegnungsmöglichkeiten blieb unterentwickelt. „Neuperlach und künftige Großsiedlungen wie München-Riem werden ‚Schlafstädte‘ bleiben, wenn nicht mehr dafür getan wird, den Lebensraum außerhalb der Wohnungen – also das Geflecht der urbanen Zwischenräume – attraktiver und kommunikativer zu gestalten.“ [1]
2016 beschloss der Stadtrat die Sanierung von Neuperlach, die über die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung, eine Tochter der städtischen GWG, läuft. Die sogenannten Unterzentren führen ein marodes Dasein, sofern es sie überhaupt noch gibt. [2]

Neuperlach war keine Lösung. Bei einer CSU-Veranstaltung in Daglfing zum Thema SEM Nordost äußerte der Rechtsanwalt von Heimatboden, Benno Ziegler, dass die Stadt ihre Wohnungsnot auch nicht durch den Bau neuer Quartiere lösen werde und nannte das Beispiel der „Entlastungsstadt“ Neuperlach: Selbst Wohnungen für 70.000 Menschen konnten den Mangel an Wohnraum nicht beheben. [3]

Sanierungsfall. Am 11.5.1967 war die Grundsteinlegung des neuen Stadtteils Neuperlach: 2021 war Neuperlach er ein Sanierungsfall. Bereits im Februar 2020 organisierte das Planungsreferat ein erstes Zusammentreffen mit Bürgern: Die Corona-Pandemie beendete dann den Bürger-Dialog bis auf weiteres. Am 12.2.202 wurde der dritte von fünf Stadtspaziergängen organisiert und das Projekt „Neuperlach – Ein Stadtteil im Wandel“ vorgestellt. Das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ wird bis 2023 fertiggestellt: Die anschließende Sanierung soll etwa 15 Jahre dauern. [4]

Sanierung zum Jubiläum. 55 Jahre nach dem Baubeginn 1967 soll Neuperlach saniert werden. 2022 soll die Phase 1 beginnen (Nord und Zentrum), Phase 2 ab Mitte 2028 (Mitte) und Phase 3 ab 2035 (Süd). Bund und Land fördern die Sanierungen. BA-Vorsitzender Wolfgang Thalmeir (CSU) warnte davor, dass durch die Stadtsanierung auch mit Nachverdichtungen die von den Perlachern geschätzten Grün- und Freiflächen zugebaut werden könnten. [5]

Fußnoten und Quellen

  1. Thurn und Taxis, Lilli, Wohnen – eine Gewohnheitssache, in Abendzeitung 11.1.1992
  2. Grundner, Hubert, Frage der Zukunft, in SZ 25.8.2020
  3. Hutter, Dominik, Da geht noch weniger, in SZ 11.6.2018
  4. Neff, Berthold, Ein Stadtteil muss zu Check-up, in SZ 15.2.2021
  5. Stäbler, Patrik, Neues Perlach, in SZ 12.1.2022
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