Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Öffentlicher Personen-Nahverkehr München

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert am 26.9.2022

Der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) kommt in München seit Langem durch die zuziehende Bevölkerung an seine Grenzen. Aber auch die Beförderungszahlen vom Umland zu den Arbeitsplätzen in München steigen permanent: Die sündteure Zweite S-Bahn-Stammstrecke begann mit 2 Mrd. Euro und liegt derzeit bei 7,2 Mrd. Euro. Dabei hat sie nicht mehr als einen Placebo-Effekt zu bieten. Die neu geplanten Stadtviertel Freiham, SEM Nord, SEM Nordost sowie große Wohngebiete wie das Areal der Bayernkaserne überfordern zunehmend den ÖPNV.

U-Bahn-Historie. Am 29.1.1964 wurde im Stadtrat die U-Bahn-Strecke Freimann-Sendling beschlossen; der erste Spatenstich hierzu war am 1.2.1965. Am 19.10.1971 fuhr der erste U-Bahn-Zug zwischen Goetheplatz und Kieferngarten. Die Bauzeit betrug sechs Jahre und acht Monate. 1996 befördert die U-Bahn täglich über 900.000 Fahrgäste. [1]

Oktober 2016: Der Zweite-Stammstrecken-Wahn. Am 25.10.2016 wurde der Finanzierungsvertrag zwischen Freistaat und Bund unterschrieben. Am 5.4.2017 soll der offizielle Spatenstich erfolgen. Der nächste Milliarden-Auftrag für die Bauwirtschaft, die zweite S-Bahn-Stammstecke, ist sieben Kilometer lang und wird der S-Bahn keine große Entlastung bieten, Ab dem Halt Donnersberger Brücke verläuft die neue S-Bahn-Strecke parallel zu den neuen Bahnhöfen Hauptbahnhof , Karlsplatz/Stachus und Marienhof und dann ohne weiteren Halt bis zum Ostbahnhof. Bis Ende 2026 soll der zweite Tunnel in Betrieb genommen werden. Regionalzüge aus Augsburg oder Ingolstadt können den Tunnel nicht benutzen, da die Doppelstockwagen zu hoch oder die Bahnsteige für normale Bahnzüge zu hoch sind.
Die Kostensteigerungen sind beachtlich: Um 2005 wurden die Kosten auf rund 1,5 Milliarden geschätzt. 2011 war man bei über zwei Milliarden Euro angelangt. Die Kosten im Jahr 2016 lagen dann bei 3,2 Milliarden Euro.
Kritik gab es u. a. an den Kosten, am 15-Minuten-Takt auf der neuen Strecke, am fragwürdigen Brandschutz und an den endlosen Umsteigewegen. Die drei neuen Bahnhöfe liegen 40 Meter unter der Oberfläche, und am Hauptbahnhof müssen Fahrgäste von U 4 und U 5 erst einmal auf die obere Verteilerebene und dann wieder 40 Meter nach unten zur neuen Stammstrecke. [2]

130 Millionen Euro für einen Kilometer U-Bahn. Die Verlängerung der U 6 von Großhadern zum Campus Martinsried sollte zunächst 70, jetzt 130 Millionen Euro kosten. Der Spatenstich soll am 1.11.2020 erfolgen, die Fertigstellung ist für 2025/2026 geplant. [3]

Trambahnen sollen ÖPNV entlasten und neue Wohngebiete verbinden. SEM Nord und SEM Nordost, Bayernkaserne, Parkstadt Solln, Neuperlach Zentrum und Hadern sollen mit neuen Trambahnlinien an den Münchner ÖPNV angeschlossen werden. Grün-Rot will dies mit einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen. Die MVG könnte ab 2023 mit dem Bau beginnen. [4]
„München erstickt im Verkehr.“ So lautet eine gängige Beschreibung. Richtiger wäre: München erstickt sich selbst im Verkehr. Wer Arbeitsplätze sät, wird Verkehr ernten.

30 Jahre U-Bahn-Referat. 1964 wurde das U-Bahn-Referat als „Amt zur Förderung unterirdischer Massenverkehrsanlagen“ gegründet. Bis 1994 wurden sechs Milliarden DM investiert: Davon hat die Stadt 28 Prozent aufgebracht, der Rest stammte von Bund und Freistaat. Derzeit gibt es 73 Kilometer U-Bahn-Tunnels mit 76 Bahnhöfen; täglich werden 850.000 Fahrgäste befördert. 20 Kilometer U-Bahn mit 16 Bahnhöfen sind im Bau. [5]

Februar 2020: Die Belastungsstadt. Mindestens 25.000 Neubürger und 7500 Arbeitsplätze in Freiham fordern ihren Preis: Verkehrsprobleme ohne Ende. Die letzten Wohnungen sollen Ende 2035 fertiggestellt werden, die Verlängerung der U 5 frühestens auch. Eine S-Bahn-Station in Freiham und eine in Aubing gibt es. Die Straßenerschließung ist schlecht. Von den 25 Stadtbezirken hat Aubing-Lochhausen-Langwied mit 80 Prozent in den nächsten zwei Jahrzehnten das höchste Bevölkerungswachstum. [6]

Sechs neue Trambahn-Trassen? So viele will die grün-rote Rathauskoalition in Planung geben. Tram-Verbindungen vom Hauptbahnhof zur Bayernkaserne und der SEM Nord, vom Deutschen Museum nach Neuperlach bis vielleicht später nach Putzbrunn, eine Südtangente vom Waldfriedhof zum Ostbahnhof, eine Linie von der Kreillerstraße nach Haar, eine Verbindung in die Parkstadt Solln, eine Linie zur SEM Nordost. [4]
Wie schon oben: Wer Wohnungen und Arbeitsplätze sät, wird Verkehr ernten.

Ärger um neuen U-Bahn-Betriebshof. Am 10.6.2021 protestierten vor der Sitzung des BA 16 Ramersdorf-Perlach etwa 35 Anwohner gegen Pläne für einen neuen U-Bahn-Betriebshof in Neuperlach-Süd. Ein zweiter Betriebshof wird aufgrund der künftigen Stadtentwicklung nötig, um die Versorgung des ÖPNV durch die MVG bzw. die SWM zu ermöglichen. Dort soll auch zum Ärger der Anwohner ein 24-Stunden-Betrieb des Bremstest-Gleises ablaufen. 700 Unterschriften gegen den Neubau gibt es bereits, die von Anwohnern und der BI „Saubere Luft für Neubiberg und Waldperlach“ gesammelt und an die Stadträte weitergeleitet wurden. [7]

Moloch München überfordert das U-Bahn-Netz. Am 19.10.1971 wurde die Münchner U-Bahn offiziell mit den Linien U 3 und U 6 eröffnet. 1980 kam die zweite U-Bahn-Stammstrecke für U 1 und U 2 hinzu. Aktuell beträgt die Netzlänge 103 Kilometer mit 100 Bahnhöfen. 2029 soll die U 5 bis Pasing verlängert werden, später nach Freiham. Die U 6 soll bis 2026 nach Martinsried verlängert werden – für 130 Millionen Euro (davon kommen 95 Prozent vom Freistaat). Die U 4 soll nach 2035 bis Englschalking verlängert sein. Zur Erschließung der geplanten SEM Nord müsste die U 1 verlängert werden. Die Anbindung der SEM Nordost wäre ähnlich provisorisch wie derzeit die Freiham-Anbindung. [8]
2019 nutzten 439 Millionen Fahrgäste die U-Bahn. Gleichzeitig hinkt die technische Infrastruktur hinterher. In den 70er Jahren wurde der U-Bahn-Betriebshof Fröttmaning gebaut, in den 80ern erweitert. Nun wird ein zweiter Betriebshof mit 92.000 qm am Standort Neuperlach Süd an der Arnold-Sommerfeld-Straße geplant, den der Stadtrat im Juli 2021 gegen den Widerstand der dortigen Anwohner beschlossen hat. Die geplanten nächtlichen Bremsentests auf einer 900 Meter langen Strecke erhöhen nicht gerade die Akzeptanz. [9]
Wer hätte das gedacht: Die unbegrenzte Ansiedlung von Arbeitsplätzen erfordert den unbegrenzten Bau von Wohnungen. Der unbegrenzte Zuzug von Neubürgern überfördert die soziale, technische und finanzielle Infrastruktur der Stadt München. Alles vorhersehbar, alles bewusst in die Wege geleitet. Wie lautet der leider überaus wahre Titel einer Publikation des Referats für Stadtplanung und Bauordnung: München wie geplant.

Weiterer Ausbau des ÖPNV. Am 8.12.2021 stellten der Mobilitäts- und der Wirtschaftsausschuss die Weichen für den weiteren Ausbau des Münchner ÖPNV. In den folgenden Jahren sollen hier etwa 530 Millionen Euro investiert werden, davon 342 Millionen Euro in den Ausbau des Trambahn-Netzes sowie in einen neuen Trambahn-Betriebshof an der Ständlerstraße. Die MVG prüft eine Anbindung des Werksviertels mit einer neuen U-Bahn-Station: Der Takt der U 5 soll nach 2030 auf fünf Minuten verdichtet werden – dadurch wird ein Not-Halt mit Bahnsteig und Aufzügen nötig, sodass gleich ein neuer U-Bahnhof geplant werden kann. Bis 2026 sollen zwei neue Trambahnlinien fahren, u. a. eine Westtangente vom Romanplatz bis zur Aidenbachstraße. Die Trasse der Trambahn 23 von Schwabing Nord zur Domagkstraße soll einen Zweig bis zum U-Bahnhof Kieferngarten bekommen und einen Abzweig über die Heidemann- und Knorrstraße bis zum U-Bahnhof am Hart (Tram-West- und Nordtangente). Damit wäre auch das FIZ von BMW angebunden. [10]
Damit wird BMW aber mit Sicherheit weiter auf den Ausbau Schleißheimer Straße – A 99 drängen.
Nachtrag:
Am 15.12.2021 stimmte der Stadtrat dem „ÖPNV-Bauprogramm“ zu; ein Beschluss wird dann bei der Aufstellung des Haushaltes 2022 getroffen. Das Bauprogramm beinhaltet auch die oben angegebenen Ausbauten des Trambahn-Systems. [11]

Dezember 2021: U-Bahn nach Freiham. Zunächst wird die U 5 nach Pasing verlängert. Der Bund Naturschutz hatte protestiert, dass in der Gotthardstraße 530 Bäume mit einem Stammdurchmesser von über 80 Zentimeter gefällt werden müssten. Baureferentin Rosemarie Hingerl berichtete, es seien „nur“ 384 Bäume, die wegen der Deckelbauweise gefällt würden. Der Stadtrat hat am 15.12.2021 einstimmig für den Bau der Trasse votiert. Die Bauzeit wird auf sechs bis acht Jahre geschätzt. Danach soll die U 5 mit 4,7 Kilometer Länge weiter nach Freiham gebaut werden.
Die Strecke ist 3,2 Kilometer lang und soll (derzeit) eine knappe Milliarde Euro kosten. Der Bund soll nach Vorstellung der Stadtverwaltung 75 Prozent der Kosten übernehmen, der Freistaat weitere 15 Prozent: Zehn Prozent entfielen für die Stadt übrig. Bislang gab es aber nur eine Zusage des früheren Verkehrsministers Andreas Scheuer (CSU). Das Baureferat schätzte inzwischen die Zuschüsse auf maximal 150 bis 200 Millionen Euro. Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte deshalb vor einem „Milliardengrab“. [12] – Von der Gotthardstraße bis zur Von-der-Pfordten-Straße sollen auf 1,2 Kilometer 384 von etwa 530 Bäumen gefällt werden: Mitte Januar 2022 waren bereits 90 Prozent abgesägt. [13]
Ein Sachzwang zieht den nächsten nach sich. Der Moloch München fordert seinen Preis.

Holzen für die U 6. Der Spatenstich zum Baubeginn der U 6 nach Martinsried im Sommer 2022 ist jetzt 2023. Die Kosten lagen vor 20 Jahren bei 70, jetzt bei 170 Millionen Euro. Zwischen den Stationen Klinikum Großhadern und dem Campus Martinsried wurden vor 15 Jahren 300 teure Baumschulenbäume und Sträucher gepflanzt: Jetzt wurden sie für den U-Bahn-Bau abgeholzt: Die offene Bauweise erfordert eine Grube von 980 Meter Länge und 15 Meter Breite. Ihr Holz wurde „entsorgt“. Der BN beklagte die Abholzung. Für die Gemeinde Planegg wäre das Umsetzen zu „unwirtschaftlich“ gewesen: Nicht einmal als Totholz hätten sie bleiben dürfen. Den nächsten Kahlschlag erwartet der Planegger Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour (FDP) auf der Verbindung Gotthardstraße zum Bahnhof Pasing. [14]
Das Wachstum des Molochs München kostet nicht nur Geld.
Nachtrag August 2022:
Inzwischen wurden alle Bäume gefällt und deren Wurzelstöcke entfernt. Die Kosten von etwa zwei Millionen Euro für den Bahnhof Martinsried muss die Gemeinde Planegg aufbringen. [15]

Lärmschutz beim Betriebshof. Die MVG lässt das Lärmschutzgutachten für den U-Bahn-Betriebshof in Neuperlach überarbeiten. Der BA Ramersdorf – Perlach hatte eine Einhausung gefordert. Die BI „U-Bahn-Betriebshof Süd“ forderte eine völliger Neubewertung des Standorts, da die Anforderungen an den Betriebshof inzwischen weit höher sind als zu der Zeit, in der der Standort Neuperlach Süd ausgewählt wurde. [16]
Nachtrag April 2022: Die SWM beharren „aus betrieblichen Gründen“ auf einen 24-Stunden-Betrieb, selbst an Sonn- und Feiertagen und verwies auf „schallschutztechnische Berechnungen“ im Vorfeld. Dieses Lärmschutzgutachten wird gerade überarbeitet und wird im 2. Quartal 2022 fertig sein. Dies hat eine Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion ergeben mit dem Titel: „Einhaltung der Zusagen der SWM zum geplanten U-Bahn-Betriebshof Neuperlach zum Schutz der Anwohner“. Inzwischen haben sich zwei Bürgerinitiativen gegen den Betriebshof gebildet. Die BI U-Bahn-Betriebshof unterstellte den SWM, sich die Genehmigung unter anderen Anfangsbedingungen „erschlichen“ zu haben und forderte eine neue Standortsuche, die auch den Landkreis München umfassen soll. Auch der BA Ramersdorf – Neuperlach kritisierte die Baupläne und forderte eine Einhausung des Abnahmegleises. [17]

Kein „Trambahn-Gipfel“. Den hatte das Mobilitätsreferat abgelehnt. Dann stellte der BA Ramersdorf – Perlach 33 Fragen an das Referat, um Fragen der Bürger zur Tram zwischen Ostbahnhof und Neuperlach beantworten zu können. Hierzu soll es eine Machbarkeitsstudie geben. Die Planung leidet unter Finanzierungsschwierigkeiten. BA-Vorsitzender Thomas Kauer (CSUZU) klagte: „In bald vierzehn Jahren Bezirksausschuss habe ich es noch nicht erlebt, dass ein Referat ein einstimmig erbetenes Informationsgespräch so hartnäckig ablehnt.“ Drei weitere Machbarkeitsstudien behandeln die Strecke Berg am Laim – Daglfing, Amalienburgstraße – Freiham und Moosach – Ludwigsfeld – Dachau. Ein Jahr später soll es sogar vier Machbarkeitsstudien geben. [18]

Die Nordtangente. Im ersten Abschnitt der neu geplanten Trambahn-Nordtangente soll die 1,2 Kilometer lange Strecke Elisabethplatz, Franz-Joseph-Straße und Münchner Freiheit erschlossen werden. Die Abschnitte zwei und drei sollen durch den Englischen Garten bis Johanniskirchen führen. Eine Diskussionsveranstaltung zur Vorstellung des Projekts durch die BAs Schwabing – West und Schwabing – Freimann wurde von Tumulten begleitet. Die Nutzerzahlen des Mobilitätsreferats und der MVG wurden von Anwohnern als viel zu hoch angezweifelt. Zur Finanzierung des Projektes wurden seitens der Stadtverwaltung keine Angaben gemacht. Stadtrat Thomas Schmid (CSU) äußerte: „Wir fragen seit anderthalb Jahren nach den Kosten. Die CSU-Stadtratsfraktion ist gegen diese Tramtangente.“ MVG und Mobilitätsreferat äußerten sich dazu nicht. Am 13.5.2022 organisiert die MVG eine weitere Veranstaltung, bevor das Projekt im Stadtrat diskutiert wird. [19]
Endpunkt Johanneskirchen: Das deutet auf eine (ungenügende) verkehrliche Erschließung der SEM Nordost hin.
Nachtrag Mai 2022:
Der BA Schwabing – West verwies auf den für Radfahrer gefährlichen Gleisverlauf in der engen Nordendstraße. Der BA Schwabing – Freimann begrüßten grundsätzlich den Ausbau des ÖPNV; die Nordtangente mache aber nur Sinn, wenn damit die Trambahnnetze West, Nord und Ost verbunden würden. Außerdem müsse der Charakter der „Prachtmeile Leopoldstraße“ auch nach dem Umbau noch erkennbar sein. Kritisiert wurden auch der Wegfall von 78 Kurzzeitparkplätzen an der Leopoldstraße und die geplante Auflösung von 184 Stellplätzen an der Franz-Joseph-Straße. [20]Pro Bahn und der AK attraktiver Nahverkehr kritisierten den Trambahnverlauf auf der Straße zusammen mit dem Autoverkehr als Fehlplanung und demonstrierten am 30.5.2022 dagegen. Sie forderten z. B. ein Rasengleis in der Mitte der Leopoldstraße: Dadurch entfiele aber eine Auto-Fahrspur pro Richtung, was wiederum die Verwaltung ablehnt. [21]
Nachtrag Juni 2022: Trambahn-Salamitaktik. Das Mobilitätsreferat hat mit der MVG die Strecke vom Elisabethplatz bis nach Johanneskirchen in drei Planungsabschnitte aufgeteilt. Der erste bis zur Münchner Freiheit wurde am 1.6.2022 im Ausschuss debattiert. Der BA-Vorsitzende von Schwabing – Freimann, Patric Wolf (CSU), berichtete, dass sein Gremium eine Stellungnahme einstimmig abgelehnt hatte, da zuerst die Zustimmung des Freistaats zur Strecke durch den Englischen Garten abgewartet werden solle: „Eine Rumpf-Tangente hat keinen Sinn.“ [22] – Im Juni 2022 soll der Stadtrat über die Nordtangente entscheiden. Der BN begrüßte grundsätzlich den Ausbau des ÖPNV, protestierte aber gegen die Baumfällungen im Englischen Garten: Der ÖPNV dürfe kein „Baumkiller“ werden. [23]
Nachtrag Juli 2022: Die grün-rote Koalition will die Trambahn in der Leopoldstraße auf 700 Metern auf zwei eigenen Gleisen führen: Dies würde den Wegfall von zwei Fahrspuren bedeuten. Damit verschiebt sich die Planung um ein Jahr. Der Mobilitätsreferent Georg Dunkel wollte zusammen mit der MVG keine eigenen Trambahngleise. Dazu ist für die Trambahn-Planung durch den Englischen Garten die Einwilligung des Freistaats nötig, die nicht vorliegt. Nun bekommt das Mobilitätsreferat 40 neue Stellen, um die Verkehrswende durchzusetzen. [24]

Festakt mit Kostenausblick. Am 28.4.2022 luden S-Bahn München, MVG und MVV zum Festakt 50 Jahre A-Bahn München. Ingo Wortmann von der S-Bahn München (und Präsident des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen) nannte die Zahl von 40 Milliarden Euro, die bis 2040 im Raum München für den klimagerechten Ausbau des ÖPNV gebraucht würden OB Dieter Reiter (SPD) erwähnte die 270 Millionen Euro, mit der die Stadt München jährlich den MVV bezuschusst. [25]
Und der geplante Bevölkerungszuwachs bis 2035 auf dann über 1,8 Millionen Einwohner wird weitere kostspielige Ausbauten des ÖPNV dringend nötig machen.
Auch der Verkehrs-Moloch München wächst.

Neue Bahnhöfe. Die Sendlinger U-Bahnhöfe Poccistraße und Implerstraße werden aufgelöst, dafür gibt es nach 2030 einen neuen Bahnhof zwischen Implerstraße und der Gleisharfe für U 3 und U 6 und die neue Linie U 9. Für diesen neuen Bahnhof hat der Planungsausschuss am 4.5.2022 den geplanten Neubau eines Supermarkts an der Implerstraße 17 gestoppt. Die U 9 soll über den Esperantoplatz zum Hauptbahnhof und zu den Bahnhöfen Pinakotheken und Elisabethplatz bis zur Dietlindenstraße führen. Die U 9 könnte um 2040 in Betrieb gehen; ihre Kosten wurden 2019 bereits mit 3,5 Milliarden Euro beziffert. Mit der U 9 sollen die überlasteten Strecken von U 2, U 3 und U 6 in der Innenstadt entlastet werden. Stadtbaurätin Elisabeth Merk stellte den Zusammenhang zwischen der Entlastung der U 2 und der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme SEM Nord her: „Die zusätzlichen Kapazitäten auf der Linie U 2 sind Vorbedingung für eine Siedlungsentwicklung im Bereich Feldmoching und Ludwigsfeld“, stand in der Vorlage des Planungsreferats. [26]
Die neuen Siedlungen erfordern neue Verkehrswege, neue technische und soziale Infrastruktur usw.  Der Moloch München wächst weiter.

Anbindung der Großsiedlungen. Freiham: Die U 5 soll bis Pasing verlängert werden (3,2 km für geschätzte eine Milliarde Euro, 400 unter Baumschutz stehende Bäume an der Gotthardstraße werden gefällt), dann weiter um etwa 4,7 km Mitte der 30er Jahre nach Freiham. Ebenfalls nach Freiham: Trambahnlinie von der Amalienburgstraße nach Freiham. – SEM Nordost: Verlängerung der U 4 vom Arabellapark nach Englschalking; Verlängerung der Trambahnlinie 19 von Berg am Laim nach Daglfing. SEM Nord: Hier werden diverse Varianten beim U- und Trambahnausbau diskutiert. [27]
Der Moloch München wächst und damit auch der Verkehrsmoloch München.

S-Bahn-Ausbau abgesagt. Heiko Büttner ist Chef der S-Bahn München und verkündete jetzt, dass es keinen zweigleisigen Ausbau von Außenästen wie der S 7 von Ottobrunn bis Aying geben wird. Als Grund nannte er Bürgerproteste und lange Planungszeiten. [28]

Zusätzlicher Ausbau der Trambahnsystems. Die Trambahn befördert in München mit 13 Linien rund 70 Millionen Personen. Inzwischen ist der alte Trambahn-Betriebsbahnhof veraltet. Es muss ein neuer Trambahn-Betriebsbahnhof auf dem etwa 100 Hektar großen Gelände zwischen Ständlerstraße und Lauensteinstraße neu gebaut werden. Allein die Interimswerkstätten kosten 20 Millionen Euro, die für sechs bis acht Jahre überbrücken sollen. Als Folge muss das bisherige Vereinsgelände des SV Stadtwerke München aufgelassen und für den neuen Betriebsbahnhof verplant werden. [29]

Fußnoten und Quellen

  1. Müller-Jentsch, Ekkehard, Die Eroberung des Untergrundes, in SZ 18.10.1996
  2. SZ 26.10.2016
  3. Rutz, Rainer, Kosten für U6-Ausbau explodieren, in SZ 14.10.2020
  4. Schubert, Andreas, Die Tram soll’s richten, in SZ 28.11.2020
  5. Müller-Jentsch, Ekkehard, Wo Milliarden vergraben werden, in SZ 25.5.1994
  6. Krass, Sebastian, Wird die Entlastungsstadt zur Belastung? in SZ 12.2.2020; Freiham wächst, in SZ 23.12.2020
  7. Grundner, Hubert, Stopp-Signal nach dem Gewitter, in SZ 12.6.2021
  8. Schubert, Andreas, Unterirdische Träume, in SZ 22.10.2021
  9. Schubert, Andreas, Ein Fall für die Werkstatt in SZ 22.10.2021
  10. Schubert, Andreas, Hunderte Millionen Euro für die Tram, in SZ 9.12.2021
  11. Schubert, Andreas, Mehr Tempo für die Bahn, in SZ 16.12.2021
  12. Schubert, Andreas, Bahn frei für die U 5 nach Pasing, in SZ 16.12.2021
  13. Seipel, Christina, Hunderte Bäume für U-Bahn-Bau gefällt, in SZ 20.1.2022
  14. Rutz, Rainer, Die U-Bahn kommt später, in SZ 15.1.2022
  15. Rutz, Rainer, Eine Schneise durch den Wald, in SZ 13.8.2022
  16. Stäbler, Patrick, Quietschende Bremsen, in SZ 18.2.2022
  17. Stäbler, Patrik, Wartungsarbeiten rund um die Uhr, in SZ 13.4.2022
  18. Stäbler, Patrik, Fragenkatalog ersetzt den Tram-Gipfel, in SZ 22.2.2022
  19. Stolz, Benjamin, Neue Tram und alte Fragen, in SZ 28.4.2022
  20. Draxel, Ellen, Sorgen um die Prachtmeile, in SZ 24.5.2022
  21. Schubert, Andreas, Freie Fahrt durch Schwabing, in SZ 31.5.2022
  22. Neff, Berthold, Tram in Teilen, in SZ 2.6.2022
  23. Anlauf, Thomas, Proteste gegen Baumfällungen, in SZ 14.6.2022
  24. Effern, Heiner, Grün-Rot will separate Tramgleise auf der Leopoldstraße, in SZ 21.7.2022
  25. Schubert, Andreas, Mahnende Worte zum Jubiläum, in SZ 29.4.2022
  26. Steinbacher, Ulrike, Stadt stellt Weichen für neue Großprojekte, in SZ 5.5.2022
  27. Schubert, Andreas, So ein Bahnsinn, in SZ 10.6.2022
  28. Mühlfenzl, Martin, Von Empörung bis Achselzucken, in SZ 23.6.2022
  29. Stäbler, Patrik, Schrittmacher für Münchens Trambahnen, in SZ 19.9.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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