Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Kies

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 9.6.2022

Kiesabbau im Forst Kasten. Als Beispiel wird eine perverse Kies-Situation in München geschildert. Die Heiliggeistspital-Stiftung wurde 1208 gegründet und ist die älteste Münchner Stiftung. Ihr gehören etwa 840 Hektar Wald: der Forst Kasten. Hier wurden und werden hektarweise Schutzwälder zum Kiesabbau von der Stadt freigegeben: Die Kiesgruben werden nachher teilweise mit Müll verfüllt und wieder aufgeforstet. Der Erlös soll dem Altenheim der Stiftung zugutekommen – um den Preis der Vernichtung von Bannwald.
[1]

Kiesanlagen in Feldkirchen. Die ungezügelte Bautätigkeit hat diverse Nebenwirkungen. Ein Kieswerk in Feldkirchen beantragte die Genehmigung einer Beton- und einer Humus-Recyclinganlage am westlichen Ortsrand, die längst in Betrieb war. Die Anlage steht noch auf Münchner Stadtgebiet. Anlieger aus Feldkirchen baten den Gemeinderat, den Bauantrag abzulehnen. Seit 2006 gab es Beschwerden über Lärmbelästigung und eine immense Staubentwicklung durch die Beton-Recyclinganlage. Außerdem forderten die Anlieger ein Betriebsverbot an Sonn- und Feiertagen und eine Befristung bis 2016. [2]
Der Feldkirchner Bauausschuss und der Gemeinderat lehnten die Anlagen ab: Sie sind aber längst in Betrieb und wurden von der LH München genehmigt: Die Anlage sei immissionsschutzrechtlich genehmigungsfrei. Es findet aber kein Kiesabbau mehr statt: Der Rohkies wird zur Weiterverarbeitung mit Lkws angefahren. Damit entfällt die Privilegierung im Außenbereich. [3]

Zur Erinnerung aus der Chronologie September 2008:
Heimliche Luxuswohnungen der Gewofag
. Das von der städtischen Münchenstift Altenheim Haus Heilig Geist am Dom-Pedro-Platz in Gern (im Besitz der Heiliggeistspital-Stiftung) aus dem Jahr 1907 musste saniert werden, laut dessen damaligen Geschäftsführer Gerd Peter für 28,4 Millionen Euro. Die sollten durch einen Immobiliendeals mit der städtischen Wohnbaugesellschaft Gewofag hereinkommen: Zur Finanzierung wurden Gebäude und Grund verkauft. Vor der Sanierung lebten 320 Senioren und Seniorinnen im Altenheim. Nach dem Umbau sind es nur noch 235.
Laut Bautafeln an der Taxis- und der Hanebergstraße hat die Bauwerk Capital GmbH & Co. KG aus München mit dem Projekt Gern 64 eine luxuriöse Eigentumswohnanlage mit insgesamt 196 Wohnungen geplant. Bauherrin der gesamten Wohnanlage war aber die städtische Gewofag, die sich mit dem Vertriebspartner Bauwerk Capital mehr Image für die Luxus-Immobilie versprach. „Gern 64“ hat vom Heiliggeist-Spital einen Teil des großen Grundstücks und Gebäude für Neubauten und Sanierung von Gebäuden erworben. Für Grundstück und Baukosten mussten 75 bis 80 Millionen Euro aufgebracht werden. Von der Gewofag wurden drei Bauabschnitte geplant: Der denkmalgeschützte Nordflügel des Altenheims („Freiraum“) wird bis Ende 2009 für 17 Eigentumswohnungen mit 174 bis 427 Quadratmeter (insgesamt 3664 Quadratmeter) umgebaut. Der Werbetext dazu: „Hochherrschaftliches Wohnen im Denkmal“. An der Taxis-/Hannebergstraße im Nordwesten werden auf dem freien Grundstück im zweiten Bauabschnitt bis Frühjahr 2010 neue mehrgeschossige Häuser mit 125 Wohnungen gebaut mit 48 bis 205 Quadratmetern. Der dritte Bauabschnitt an der Braganzastraße und im Innenhof im Osten sieht u. a. den Neubau von 54 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen vor. „Lebensraum“: 125 Wohnungen mit 9736 qm; „Individualraum“ mit 3664 qm; „Freiraum“ (Altbau) mit 3664 qm [4] Die Preise pro Quadratmeter lagen 2010 (!) zwischen 3774 und 6423 Euro. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 53 qm wurde für rund 200.000 Euro angeboten, eine mit 210 qm kostete fast 1,4 Millionen Euro.
Der BA 9 Neuhausen – Nymphenburg wurde völlig überrascht: Dort dachte man, die Gewofag würde Sozialwohnungen errichten. Wie die BA-Vorsitzende Ingeborg Staudenmeyer (SPD) berichtete, waren nur zehn Prozent für untere Einkommensschichten eingeplant. Beim Wohnungsschlüssel der 196 neuen Wohngebäude wurde getrickst. Eigentlich waren 30 Prozent Sozialwohnungen vorgeschrieben: Es wurden aber nur zehn Prozent – die fehlenden 20 Prozent wurden mit den Betten im Spital verrechnet. Begründung der damaligen Gewofag-Chefin Gordona Sommer für das Grundstückgeschäft: „Es entstehen Wohnungen für alle Käuferschichten.“ Und schließlich diene der Bau der Luxuswohnungen zur Querfinanzierung der gemeinnützigen Zwecke der Gewofag. [5]
Aus einem Brief von Sozialreferentin Dorothee Schiwy vom 14.2.2021 zur Heiliggeistspital-Stiftung: „Das Vermögen der Stiftung und das der Landeshauptstadt sind aufgrund der gesetzlichen Vorgaben streng getrennt.“ [6]

Rodung Münchner Bannwälder für Kies. Seit sechs Jahrzehnten kämpfen Anlieger und Naturschützer gegen den Kiesabbau im Forst Kasten: bis jetzt vergeblich. Im April 2021 sollte hier nun eine weitere Waldfläche mit 9,5 Hektar zum Kiesabbau gerodet werden, danach sogar noch 35 Hektar Bannwald, der im Landschaftsschutzgebiet liegt. 840 Hektar Wald gehören der Heiliggeistspital-Stiftung. Sie baute 1907 das Altenheim am Dom Pedro-Platz und finanziert es seither mit eben diesem Kiesabbau, also mit Naturzerstörung. „Das nötige Geld für den Betrieb des Altenheimes kommt zu einem beträchtlichen Teil aus den Erlösen des stiftungseigenen Forstes Kasten im Südwesten von München. In der Satzung der mit 800 Jahren ältesten Stiftung der Stadt München heißt es: ‚Die Heiliggeistspital-Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke durch den Betrieb und die Unterhaltung des Altenheimes Heiliggeist.‘ Verwaltet wird die Stiftung des öffentlichen Rechts von den Organen der Landeshauptstadt München: dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat.“ [7] In dieser verqueren Situation stimmt der Stadtrat bis 2021 fast kritiklos der weiteren Zerstörung des Forst Kasten zu. Die letzte Ausschreibung zum Kiesabbau gewann die Gebrüder Huber Bodenrecycling GmbH aus Neuried. Das Unternehmen hat erklärt, die Stiftung auf Schadensersatz zu verklagen, falls der Abbau nicht zustande käme. Die Münchner Stadträte wären dann angeblich persönlich haftbar.
Der Regionale Planungsverband hat den Forst Kasten als Vorranggebiet ausgewiesen: und damit den Kiesabbau sanktioniert, sofern der Bedarf vorhanden sei. Christian Hieneis vom Münchner BN äußerte dagegen: „Es gibt niemanden, der uns sagen kann, wie hoch der Bedarf an Kies in Bayern überhaupt ist.“ Der Kiesabbau bedeutet die Fällung von zehntausend alten Bäumen. Gleichzeitig rief der Stadtrat Münchens 2019 den Klimanotstand aus, und das Kommunalreferat will jährlich 100.000 Bäume pflanzen.
Die Stiftungsaufsicht hat die Regierung von Oberbayern und vertritt die Position, der Stadtrat könne nicht von den grundsätzlichen Beschlüssen zurücktreten. [8]

Kiesabbau „Hochbirket“. Der Ort Planegg wird weiter von schweren Kieslastern durchfahren werden. Das Gräfelfinger Kieswerk Glück baut im Abschnitt Hochbirket Kies ab. Zuletzt wurde dies vom Landratssamt 2019 genehmigt. Im Februar 2021 hat Glück einen Antrag für einen um vier Meter tieferen Abbau auf etwa 40.000 Quadratmetern eingereicht: Der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt. [9]

Abstimmung im Stadtrat am 20.5.2021. Die SPD will dem weiteren Kies-Abbau mit entsprechender Waldabholzung von zehn Hektar zustimmen. Die Grünen Stadträte wollen dies nur unter Protest tun, was am Ergebnis nichts ändert. Die ÖDP kritisierte die vorab vereinbarte Zustimmung der grün-roten Koalition zum Kahlschlag. Die Verantwortlichen – die Regierung von Oberbayern (Stiftungs- und Rechtsaufsicht) und das Sozialreferat (zuständig für die Heiliggeistspital-Stiftung) -, haben beschlossen, dass der Stadtrat dem Vertrag mit dem Neurieder Unternehmen Gebrüder Huber Bodenrecycling GmbH zustimmen muss. Der Bund Naturschutz in München will gegen die Abholzung klagen und hat ein Gutachten der Fachanwälte Schönefelder Ziegler Lehners ausarbeiten lassen. Das Konkurrenzunternehmen Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH hat einen Gerichtsstreit gegen Huber laufen und will ebenfalls im Forst Kasten Kies abbauen. Wenn Glück vor Gericht gewinnt, aber die Stadt an Huber vergeben hat, wäre die Stadt schadensersatzpflichtig. Nun steht im Gutachten unter anderem, dass ein Schadensersatzanspruch ausscheidet, weil im Bannwald gar kein Kies abgebaut werden dürfe, da dies das Landschaftsbild schädige. [10]
Theoretisch kann die Heiliggeistspital-Stiftung mit Unterstützung der Regierung von Oberbayern und dem Sozialreferat also den ganzen Forst Kasten (840 Hektar) platt machen. Die Stiftung sollte sich schleunigst umbenennen: in Unheiliggeistspital-Stiftung.

Widerstand und Baumbesetzung. Am 18.5.2021 haben Aktivisten im Forst Kasten ein Camp organisiert und Bäume besetzt, um gegen die Abholzung von den nächsten zehn Hektar Wald zu protestieren. Am Nachmittag protestierten einige hundert Protestanten vor der Aufsichtsbehörde der Heiliggeistspital-Stiftung: der Regierung von Oberbayern. Diese wurde aufgefordert, den Stiftungszweck nicht ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszulegen, sondern auch Aspekte des Klimas und Umweltrechtes einzubeziehen. Die Regierung von Oberbayern hat die Stadträte verpflichtet, als Stiftungsräte und nicht als freie Stadträte abzustimmen. [11]

Die Abstimmung. Am 20.5.2021 soll im Sozialausschuss darüber abgestimmt werden. Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen und der SPD, Anna Hanusch und Christian Müller, haben in einem Appell an die Regierungspräsidentin von Oberbayern, Maria Els, gegen die freie Ausübung des Amtes protestiert, da die Regierung bei einem Nein den Straftatbestand der Untreue und individuellen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe angedroht hatte. Die Grünen im Landtag verlangten am 18.5.2021 von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Aufklärung zum Kiesabbau. [12]

Wald-Ende. Am 20.5.2011 hat der Sozialausschuss des Stadtrats den Zuschlag für die Firma Gebrüder Huber Recycling GmbH aus Neuried erteilt. Diese darf im Forst Kasten neuneinhalb Hektar Wald mit etwa 9000 Bäumen roden. Aus deren Webseite: „Sie möchten Ihr Vorhaben zügig umsetzen? Bei GH Bodenrecycling erhalten Sie alles aus einer Hand: Abbruch, Rückbau, Erdbau, Baufeldfreimachung, Bodensanierung und Bodenrecycling. Als Experten in diesen Feldern sind wir seit vielen Jahren erfolgreich etabliert! Wir schaffen Platz für Neues und sorgen für die umweltfreundliche Entsorgung von Reststoffen. Dank eigener Gruben und Baumaßnahmen können wir viele Materialien direkt verwerten.“ [13]
Da liegt der Gedanke nahe, dass es nicht nur um das Holz des Forstes auf und den Kies unter dem Forst Kasten geht:  sondern um eine spätere Müll-Deponie, mit der sich dort ein weiteres Mal Geld machen lässt.
Die Stadträte Tobias Ruff (ÖDP) und Thomas Lechner (Die Linke) hatten noch aufgerufen, gegen den Zuschlag zu stimmen. Regierungspräsidentin Maria Els hatte am Tag vor der Abstimmung an die Stadträte geschrieben, dass diese als Stiftungsräte 2014 beschlossen hatten, eine Verpachtung des Stiftungsgrundstückes zu planen. Der Pachtvertrag für die Rodungsfläche sei unterschrieben, der Stiftung würde bei einem Stopp ein wirtschaftlicher Schaden drohen – mit möglichen Regressansprüchen an die Stadträte. Ähnlich argumentierte die Münchner Sozialreferentin Dorothee Schiwy. Nachdem ein Antrag von Grünen und SPD von allen Parteien (außer der FDP angenommen worden war, weitere Auskiesungen zu beenden, hat die Regierung von Oberbayern dies dann bestätigt, da die Stiftung nicht zur maximalen Ertragserzielung verpflichtet sei.
Für die Stadtratsfraktion Die Linke/Partei war die Abstimmung am 20.5.2021zwiespältig, da Stadträte in ihrer Funktion als Stiftungsräte für die Heliggeistspital-Stiftung abstimmten und nicht als Träger eines politischen Mandats. [14][15]

Landratsamt will prüfen. Das Landratsamt München hat am 21.5.2021 angekündigt, den Kiesabbau auch unter Umweltgesichtspunkten genau zu prüfen. Klimaaktivisten und Naturschützer wollen auch nach dem Zuschlag den Wald weiter besetzt halten. Eine Aktivistin sprach davon, bis zum Winter dort zu bleiben, um eine Rodung zu verhindern. [16]

Kritik vom Grünzug-Netzwerk Würmtal. Der Zuschlag an Gebrüder Huber Recycling GmbH aus Neuried sei eine „folgenschwere Fehlentscheidung“. Eine Vertagung der Entscheidung im Sozialausschuss wäre richtig gewesen. Das Netzwerk kritisierte auch die große Mehrheit von dessen Mitgliedern, die sich von den strittigen und aggressiv vorgebrachten Drohungen der Regierung von Oberbayern einschüchtern ließen. [17]
Kritische Informationen liefert die Webseite http://rettet-den-wuermtaler-wald.de/

Langer Kampf gegen den Kiesabbau im Forst Kasten. Die SPD-Bürgermeister von Planegg, Alfred Pfeiffer, und von Neuried, Otto Götz, hatten schon in den neunziger Jahren versucht, den Kiesabbau zu beenden. Was sie erreichten: dass keine Big Bags, das sind mit Asbest gefüllte Riesensäcke, zum Verfüllen der Kiesgruben verwendet werden durften. Der Regionale Planungsverband München (RPV) hatte seit Jahrzehnten als „Vorranggebiete für Kies und Sand“ das Gebiet Planegg/Neuried (VR 804) mit dem Forst Kasten ausgewiesen. [18] Und die LH München hat den Deal mitgetragen, dass der Bauschutt in die ausgebeuteten Kiesgruben und der Kies zu den Baustellen nach München gefahren wurden. Eine Kommune des RPV könnte die Änderung dieses Vorranggebietes VR 804 beantragen. Aktueller Vorsitzender des RPV ist seit 2014 Christoph Göbel (CSU), der Landrat von München-Land. [19]

Protestlager geräumt. Am 9.6.2021 hat das Landratsamt München verboten, auf Bäume zu klettern und dort Bauten zu errichten: Die Demonstranten sollten bis zum Abend ihr Lager räumen. Am 10.6.2021 hat die Polizei dann das Protestcamp der Klimaaktivisten geräumt. Die Protestaktion war bis Ende Juni angemeldet. [20] – Umweltschützer hatten danach erneut Plattformen auf Bäumen im Forst Kasten befestigt. Am 21.6.2021 wurden zehn Aktivisten von der Polizei von den Plattformen abgeseilt. [21]

Stellt sich der Landrat dagegen? Christoph Göbel (CSU) hat noch keinen Rodungsantrag erhalten; er signalisierte aber eine ablehnende Haltung: „Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass die Verträglichkeit vorhanden ist.“ Das Abbaugebiet sei nicht erschlossen und benötige Zufahrten, wofür weiterer Wald gerodet werden müsse. Der RPV will aber einen umweltverträglichen Kiesabbau ohne Zunahme des Lkw-Verkehrs. Göbel nannte als Vorbild die Firma Glück, die in Gräfelfing beim Kiestransport ein unterirdisches Förderband einsetzt. Glück hat inzwischen einen Antrag auf Kiesabbau im Lochhamer Schlag auf einer Fläche von 11,4 Hektar gestellt. [22]

Gräfelfing verweigert Zustimmung. Die Gräfelfinger Firma Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH will im Lochhamer Schlag in vier Abschnitten sieben Jahre lang jährlich etwa 250.000 Kubikmeter Kies abtransportieren und die Kiesgrube wieder verfüllen. Von der Fläche entfallen drei Hektar auf Ackerland und rund 8,6 Hektar auf Wald. Laut Glück-Geschäftsführer Markus Wahl ist dieser Wald „verbesserungswürdig“: Er sei urch Waldbrände geschädigt und voller Büsche und Gestrüpp. Nach der Rekultivierung sollen dort zehn Hektar Laub- und Mischwald entstehen. Der Gräfelfinger Bauausschuss hat am 17.6.2021 die Zustimmung verweigert und diese von verschiedenen Verbesserungen abhängig gemacht. Er will z. B. vor der Genehmigung geklärt haben, dass das Verfüllmaterial unbelastet ist. Der grüne Gemeinderat Martin Feldner gab zu bedenken, dass ein aufgeforsteter Wald etwa 70 Jahre benötige, um das Stadium vor der Abholzung zu erreichen. [15][23]
Vergleiche hierzu: http://rettet-den-wuermtaler-wald.de/lochhamer-schlag/
Die übliche Argumentation der Kies-Abbauer im Wald: Nachher wird der Wald viel schöner. Und beim Verfüllen mit Problemmaterial kann noch einmal Geld verdient werden.
Nachtrag Juli 2021:
Am 29.7.2021 hat der Gräfelfinger Gemeinderat die Genehmigung des Kiesabbaus im Bannwald Lochhamer Schlag durch die Firma Glück vorerst verweigert. [24]

Die Linke: Beschluss rückgängig machen. Adelheid Rupp, die Anwältin der Partei, bemängelte, dass die Stadt den stiftungsrechtlichen Vertrag nicht vorgelegt hätte. Damit hätte die Stadt ihre Kompetenzen überschritten, außerdem seien die Stadträte nicht persönlich haftbar zu machen. Die Linke will außerdem die Verträge zur Auftragsvergabe aussetzen lassen. Die Abstimmung im Sozialausschuss war am 20.5.2021, die Verträge zum Kiesabbau mit der Firma Huber Neuried sollen bereits am 11.6.2021 unterzeichnet worden sein. [25]

Brandanschlag auf Förderband. Die Gräfelfinger Firma Glück befördert den Kies vom Forst Kasten zum Teil unterirdisch über ein vier Kilometer langes Förderband in ihr Kieswerk. Anfang August 2021 wurde ein Brandanschlag auf die Fördereinrichtung verübt, die auf etwa 600 Meter zerstört wurde. Der Kies wird nun mit zehn Lkws transportiert. [26]

Juristischer Beistand. Das Grünzug-Netzwerk Würmtal hat die Anwältin Roda Verheyen von der Hamburger Kanzlei Günther engagiert, um den Kiesabbau zu untersuchen. Verheyen hatte im Frühjahr 2021 ein Urteil beim Bundesverfassungsgericht erreicht, dass das Bundesklimaschutzgesetz zum Teil mit dem Grundgesetz unvereinbar ist. Verheyen und ihr Kollege André Horenburg kamen in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass die Erlaubnis für die Rodung „ermessenshaft fehlerhaft und damit rechtswidrig“ sei. Im Bayerischen Waldgesetz wird ausdrücklich auf die „besondere Bedeutung für den Schutz von Klima, Wasser, Luft und Boden, Tieren und Pflanzen, für die Landschaft und den Naturhaushalt“ hingewiesen. Der Bannwald sei nicht in privater Hand, sondern im Eigentum einer Stiftung und besonders geschützt. Ein „zwingender Grund des öffentlichen Wohls“ für die Rodung liege nicht vor, vor allem nicht zum Kiesabbau. Im Regionalplan München sind etwa 3800 Hektar Vorranggebiete zum Abbau von Kies und Sand ausgewiesen. Damit könne das Dreifache des Planungszeitraums von 15 Jahren abgedeckt werden. Deshalb könne der Kiesabbau „in anderen, deutlich geringer geschützten Flächen“ erfolgen. Bei den Rodungsmaßnahmen im Forst Kasten verliere der Wald seine Klimaschutzfunktion dagegen über mehrere Jahrzehnte. Der Vorsitzende des Grünzug-Netzwerks, Herbert Stepp, rechnete damit, dass man juristisch gegen den Kiesabbau vorgehen müsse: „Es geht um viel Geld für den Ausschreibungsgewinner.“ [27]

Gipfel-Treffen. Die Greenpeace-Gruppe München hat zu einem Spaziergang durch den Forst Kasten eingeladen, zu dem sich auch Malwina Andrassy von der BI Wald Neuried erhalten, die Waldführerin Ursula Hahn und Markus Wahl von der Kiesabbaufirma Glück einfanden. Andrassy zeigte auf den Waldkindergarten, der wegen dem geplanten Kiesabbau umziehen müsse. Wahl bestritt, dass in den ausgebeuteten Löchern Müll verklappt werde; es dürften nur Bodensteine und mineralische Abfälle verfüllt werden. Hahn verwies auf die Klimaschutzfunktion des Waldes, der aber einen Radius von 1000 Metern brauche, um diese erfüllen zu können. Bei der Aufforstung würden häufig Douglasien genommen, die besonders unter dem Borkenkäfer leiden. [28]

Firma Glück härt im Forst Kasten auf. Glück teilte am 27.10.2021 mit, das Berufungsverfahren vor dem OLG gegen die Heiliggeistspital-Stiftung nicht weitergeführt wird. Man werde dort noch vier Jahre Kies abbauen und danach Kies im 11,4 Hektar Lochhamer Schlag abbauen. [29]

Wind-Kies-Wald. Der Münchner Sozialausschuss und das Sozialreferat haben eine Superlösung gefunden: Nach dem Kiesabbau könnten mitten im Forst Kasten Windräder errichtet werden. Der Stiftungszweck der Heiliggeistspital-Stiftung wäre dann Kiesabbau – plus Windräder für den Klimaschutz. [30]
Da bräuchte man ja dann gar nicht mehr aufforsten …

Im SZ-Rückblick 2021: Der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats hatte 2014 und 2017 für die Rodung der fast zehn Hektar Wald gestimmt nach dem Motto: Kies mit Kies machen. 2019 rief man in München den Klimanotstand aus. 2021 urteilte das Bundesverfassungsgericht dass der deutsche Klimaschutz nicht ausreichend den Schutz künftiger Generationen berücksichtige. Im Sommer 2021 trauten sich nach Druck der Regierung von Oberbayern und dem Sozialreferat nur die Vertreter von ÖDP und der Linken im Sozialausschuss, gegen die Abholzung zu stimmen. Protestnoten, eine Große Anfrage der Grüne im Landtag und das Protestcamp im Forst Kasten blieben erfolglos. Die einzige Instanz, die eine Abholzung noch verhindern könnte, ist das Landratsamt München Land. [31]

Antrag auf Kies-Verzicht. Die Gemeinde Neuried, auf deren Grund der Wald Bannwaldstatus hat und im Landschaftsschutzgebiet liegt, hat am 31.3.2022 einen Antrag bei der Sitzung des RPV gestellt, „das Kiesabbaugebiet 804 zu streichen“. Sie versucht damit, die Vorrangfläche aus dem Regionalplan zu bekommen und den Kiesabbau im Forst Kasten zu beenden. Der Planungsverband hat einstimmig beschlossen, das Thema zu behandeln, ohne dass er rechtlich verpflichtet sei, das Vorranggebiet aufzuheben. Dieses ist keine Genehmigungsvoraussetzung, den Kies abzubauen, stelle aber auch keinen Zwang dar, den Kies tatsächlich abzubauen. Für den Neurieder Bürgermeister Harald Zipfel (SPD) ist das Thema Kiesabbau mit dem Thema Klimafolgen verbunden. Kies als Rohstoff für die Bauindustrie beinhaltet daher auch die Frage des Wachstums in den Gemeinden des RPV. [32]

Eil-Demo. Am 13.5.2022 riefen Bund Naturschutz Bayern und Greenpeace München zu einer „Eil-Demo GEGEN Kiesabbau und FÜR Walderhalt im Forst Kasten“ vor dem Rathaus Planegg auf. In der öffentlichen Sitzung des Planegger Haupt-, Finanz- und Kulturausschusses am 12.5.2022 wurde bekanntgegeben, dass das Landratsamt München im April 2022 den Kiesabbau östlich der Kompostieranlage auf einem 2,1 ha großen Grundstück („Am Wäldchen“ im Bannwald Forstenrieder Park) am Rand vom Forst Kasten genehmigt hat. Die Initiatoren kritisierten die Zerstörung der Natur durch den Kiesabbau auch angesichts von Klimakrise, Waldsterben, Grundwasserknappheit, Grünzugzerstörung. „Wir fordern eine Politik, die unsere Lebensgrundlagen auch für kommende Generationen schützt!“

Fußnoten und Quellen

  1. https://www.muenchen.info/soz/pub/pdf/254_LHM_800JahreHeiliggeistspitalStiftung.pdf und https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Stiftungsverwaltung/stiftungen/heiliggeistspital-stiftung.html
  2. Schmohl, Claudia, Feldkirchen fürchtet mehr Lärm und Staub, in SZ 8.8.2008
  3. Beschwerden häufen sich, in SZ 6.9.2008
  4. https://www.bauwerk.de/projekte/gern64.html. Vermutlich ist die von Bawerk zweimal angegebene Zahl von 3664 qm einmal falsch; Schmidt, Wally, Irritierendes Vertriebsmodell, in SZ 12.9.2008
  5. Aus Altenheim werden Luxus-Wohnungen, in tz.de 14.2.2010
  6. http://rettet-den-wuermtaler-wald.de/wp-content/uploads/2020/02/Antwort_Stiftung_StadtMue_kein-Flaechentausch_ForstKasten-1.pdf
  7. https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Stiftungsverwaltung/stiftungen/heiliggeistspital-stiftung.html
  8. Anlauf, Thomas, Jäger, Annette, Der Kies des Anstoßes, in SZ 1.4.2021
  9. Rutz, Rainer, Vier Meter tiefer, in SZ 19.4.2021
  10. Anlauf, Thomas, Kleinod in Gefahr, in SZ 14.5.2021
  11. Anlauf, Thomas, Protest im Baumhaus, in SZ 19.5.2021
  12. Anlauf, Thomas, Ein Wald zum Verzweifeln, in SZ 20.5.2021
  13. https://ghb.gebrueder-huber.de/ueber-uns/
  14. Anlauf, Thomas, Im Forst Kasten darf gerodet werden, in SZ 21.5.2021
  15. Anlauf, Thomas, Weitere zwölf Hektar Wald in Gefahr, in SZ 15.6.2021
  16. Forst Kasten: Demo dauert an, in SZ 22.5.2021
  17. Steinbacher, Ulrike, „Folgenschwere Fehlentscheidung“, in SZ 25.5.2021
  18. https://www.region-muenchen.com/aktuelles/sitzungen/2013/230pa-03dez13-erg
  19. Anlauf, Thomas, Abgrund am Wald, in SZ 2.6.2021
  20. Polizei räumt Forst Kasten, in 11.6.2021
  21. Aktivisten von Bäumen abgeseilt, in SU 22.6.2021
  22. Jäger, Annette, Mühlfenzl, Martin, Landrat will Kiesabbau nicht genehmigen, in SZ 17.6.2021
  23. Jäger, Annette, Das Baggern geht weiter, in SZ 19.6.2021
  24. Jäger, Annette, Kiesabbau aufgeschoben, in SZ 1.7.2021
  25. Anlauf, Thomas, Friedwald statt Kiesabbau, in SZ 21.7.2021
  26. Jäger, Annette, Gewaltiger Brandschaden, in SZ 11.8.2021
  27. Kalenda, Nicole, Klimaklagen-Anwältin: „Rodung rechtswidrig“, in merkur.de 13.8.2021
  28. Jäger, Annette, Waldspaziergang gerät hochpolitisch, in SZ 16.8.2021
  29. Jäger, Annette, Kiesunternehmen Glück gibt auf, in SZ 28.10.2021
  30. Anlauf, Thomas, Windkraft statt Kiesabbau, in SZ 12.11.2021
  31. Anlauf, Thomas, Ratlos im Wald, in SZ 28.12.2021
  32. Jäger, Annette, Wir müssen über Kies reden, in SZ 1.4.2022
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