Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Müller, Christian

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 12.6.2022

Christian Müller ist Stadtrat (SPD), Fraktionsvorsitzender SPD/Volt, seit Mai 2014 2. stellvertretender Vorsitzender des BA 21 Pasing – Obermenzing, Mitglied im Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung.
Müller hat sich in vielen Gremien und in der Öffentlichkeit stets für ein möglichst hohes Bauvolumen beim Wohnbau stark gemacht. Eine Kritik an der Münchner Wachstumspolitik war von ihm nicht zu vernehmen. Aussagen von Müller finden sich in der Chronologie und im Lexikon.

https://www.muenchen-transparent.de/personen/183886_Christian+M%C3%BCller

Februar 2019: SPD pro SEM Nordost. Die SPD-Rathausfraktion bekannte sich im Februar 2019 klar zur SEM Nordost. Sie benannte die Einwohnerzahl von 30.000 und die Zahl der Arbeitsplätze von 2000; aktueller Stand: 10.000. SPD-Fraktionsvize Christian Müller warnte, falls jetzt nicht ausreichend gebaut werde, „müssten künftige Generationen den Preis bezahlen“. [1]
Das kann man auch umgekehrt sehen: Im Fall der hier Wohnenden würden diese den Preis für den Größenwahn der Münchner Stadtverwaltung bezahlen.

Fusion von Gewofag und GWG. Müller äußerte zur Fusion der beiden städtischen Wohnbaugesellschaften, man müsse „schneller und effektiver Geld ausgeben“, um die Zahl der in München gebauten Wohnungen zu erhöhen. [2]

Dezember 2021: Debatte im Stadtrat über die geplante Fusion von Gewofag und GWG. Brigitte Wolf (Die Linke) sagte dazu, dass durch die Fusion die Probleme im Wohnungsbau, die Beschaffung von Grundstücken und die Schaffung von Baurecht nicht weniger würden. Für SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Müller gab es zwei Fusions-Geschwindigkeiten bei Gewofag und GWG und lobte die Fusion als normalen Vorgang. Müller bedankte sich bei Brigitte Wolf „fürs Klugscheißen auf höchstem Niveau“. [3]

Bürgerbegehren gegen Büschl-Hochhäuser. Am 13.5.2022 startete die Initiative „HochhausSTOP“ das Bürgerbegehren gegen die Büschl-Hochhäuser. Im Unterschriftentext steht: „Sind Sie dafür, dass die Stadt München alle rechtlich zulässigen Maßnahmen ergreift, damit in Neuhausen im Umfeld der Paketposthalle KEIN Hochhaus gebaut wird, das über 60 Meter hoch ist?“ Begründet wird das Bürgerbegehren u. a. so: „München ist aus gutem Grund keine Hochhausstadt!“ Gezeit wird auch eine Visualisierung der Beschattung durch die geplanten zwei Türme mit Auswirkungen auf das Areal nördlich von den Türmen an einem 21. Dezember mit Sonnen-Tiefstand. Der langjährige SPD-Stadtrat Wolfgang Czisch erinnerte an das Bürgerbegehren des Alt-OB Georg Kronawitter, der 2003 äußerte: „München darf nicht Frankfurt an der Isar werden!“ CSU-MdL Robert Brannekämper äußerte: „Die Stadt lässt sich von Investoren vor sich hertreiben“ und kritisierte die Rolle des Planungsreferats. [4] Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Christian Müller, äußerte dagegen: „Gute Architektur und Klimaneutralität bemessen sich nicht an der Höhe.“
Diese Aussage von Müller ist grundfalsch!

Zwei Gutachten gegen die SEM Nord. Am 31.5.2022 kamen etwa 40 Zuhörer zum Symposium „Der Münchner Norden“ des Bündnisses München Nord, das von Dirk Höpner (München-Liste) moderiert wurde und auf dem zwei Gutachten vorgestellt wurden. Die BN-Kreisgruppe München und der Landesbund für Vogelschutz haben ein Gutachten erarbeitet mit dem Fazit, dass im Münchner Norden noch viele unzerschnittene Freiräume und Frischluftschneisen existierten, und der hohe Grundwasserspiegel mache die Landwirtschaft zukunftssicher. Eine Bebauung sei höchstens im Norden zur A 99 möglich. Beim Bayerischen Bauernverband hat die Stadt München ein Agrargutachten in Auftrag gegeben. Franz Stemmer vom BBV berichtete, dass Feldmoching – Hasenbergl mit 21 Bewohnern pro Hektar mit zu den geringstbesiedelten Stadtbezirken gehöre. Hier werden 1100 Hektar landwirtschaftlich genutzt (etwa 40 Prozent der Gesamtfläche), von denen 184 Hektar der Stadt gehörten, die diese an Bauern verpachtet hat. 440 Hektar landwirtschaftlicher Fläche liegen im Bereich des SEM Untersuchungsgebiets. Hier gibt es 25 Landwirte, 14 Gartenbaubetriebe und einen Imker: Von diesen 30 Betrieben sind sich 26 sicher, auch in fünf bis zehn Jahren noch zu existieren.
Fünf Stadträte waren bei der Veranstaltung anwesend. Der Vorsitzende der CSU-/Freie-Wähler-Fraktion, Manuel Pretzl, die Stadträte Richard Progl (Bayerrnpartei) und Tobias Ruff (ÖDP) lehnten die SEM Nord ab. Der Vorsitzende der SPD-/Volt-Fraktion, Christian Müller (SPD) und der grüne Stadtrat Florian Schönemann verteidigten sie. Als Besucher fragten, wie die anwesenden Stadträte auch angesichts des Ukraine-Kriegs zur regionalen Lebensmittelversorgung stehen, erfolgte eine allgemeine Zustimmung zur regionalen Landwirtschaft. Christian Müller brachte den Hinweis, dass ein Umbau zum ökologischen Landbau notwendig sei. [5]
Wie darf man das verstehen? Der SEM-Nord-Befürworter Müller fordert eine ökologische Landwirtschaft: Tritt er deshalb für die Überbauung von landwirtschaftlichem Grund in Feldmoching durch massenhaften Wohnungsbau und damit für die Vernichtung der regionalen Landwirtschaft durch die SEM Nord ein?

Vgl. auch: Fauststraße 90

Fußnoten und Quellen

  1. Effern, Heiner, „Klar pro SEM“, in SZ 2.2.2019
  2. Kastner, Bernd, Stadt fusioniert Wohnungsbaugesellschaften, in SZ 10.12.2020
  3. Hoben, Anna, Mehr Effizienz oder großes Fiasko?, in SZ 17.12.2021
  4. Ince Hüseyin, Keine Hochhäuser an der Paketposthalle: Bürger wollen die Turm-Pläne kippen, in Abendzeitung 13.5.2022
  5. Steinbacher, Ulrike, Blühende Landschaft statt Baugebiet, in SZ 2.6.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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