Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Beton

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

(Beton und Zement werden hier zusammen abgehandelt.)
Aktualisiert 13.5.2022

Aus Wikipedia: „Die Betonproduktion ist für etwa 6 bis 9 Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen verantwortlich. Dies hat zwei Hauptgründe: das Brennen des für die Betonherstellung benötigten Zements ist sehr energieaufwendig, der größere Teil des freigesetzten Kohlendioxids löst sich jedoch während des Brennvorganges als geogenes CO2 aus dem Kalkstein. Weltweit werden jährlich 4,1 Milliarden Tonnen Zement hergestellt, der im Mittel etwa 60 Prozent CaO enthält. Damit ergibt sich durch das Freisetzen des im Kalk gebundenen Kohlendioxids selbst bei optimaler Prozessführung ein Ausstoß von mindestens zwei Milliarden Tonnen CO2 oder 6 Prozent des weltweiten jährlichen CO2-Ausstoßes. In der Schweiz sind es sogar 9 Prozent aller menschengemachten Emissionen.“

Dazu kommen die anderen Beiprodukte für den Beton:
Stahl: „Je Tonne Rohstahl werden rund 1,7 Tonnen an CO2-Emissionen erzeugt.“ [1]
Sand: Sand ist neben Wasser, Kies und Zement ein Hauptbestanteil von Beton. Durch die globale Betonproduktion verknappt sich bereits der Rohstoffes Sand. Etwa 95 Prozent des weltweit vorhandenen Sandes ist nicht für die Betonherstellung geeignet, da wie beim Wüstensand die Körner zu rund und glatt sind. Der Sandabbau führt auch zur unkontrollierten Zerstörung von Landschaft, Boden und Ackerflächen. „Analog zu „Peak Oil“ wird im Zusammenhang mit der Begrenztheit der Ressource Bausand der Begriff „Peak Sand“ gebraucht.“ (Aus Wikipedia)

Der Pro-Kopf-Verbrauch. Sebastian Turner ist Mitinitiator der Falling Walls Conference: Er nannte die Zahl von einem Kubikmeter Beton pro Mensch und Jahr. [2]

2 Prozent und 8 Prozent. In Deutschland ist die Zementherstellung für zwei Prozent und global für acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. „Als günstige Energiequelle verbrennen fast alle deutschen Zementwerke Müll: Plastik aus der gelben Tonne.“ [3]

Globaler Verbrauch. Der Betonverbrauch liegt bei jährlich etwa 4,65 Milliarden Tonnen; der deutsche Verbrauch liegt bei 27,5 Millionen Tonnen – mit 193 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (2017). Global entstehen allein acht Prozent der globalen CO2-Emission bei der Herstellung von Zement. [4] Der Zement trägt zu 98 Prozent zum CO2-Ausstoß beim Beton bei. Nur bedingt trägt der sogenannte Recycling-Beton zur Einsparung bei: Zerkleinerter alter Beton benötigt dann die neuen Materialien Zement, Wasser und Sand. [5]

Globale Hersteller 2007. 1) Holcim Schweiz 198 Mill. to; 2. Lafarge Frankreich 175 Mill. to; 3. HeidelbergCement Deutschland 101 Mill. to; 4. Cemex Mexiko 97 Mill. to; 5. Italcementi Italien 64 Mill. to; 6. Anhui Conch Cement China 62 Mill. to; 7. Taiheiyo Cement Japan 46 Mill. to; 8. Buzzi Unicem Italien 42Mill. to; 9. Cimpor Portugal 33 Mill. to; 10. Votorantim Cimentos Brasilien 31 Mill. to. [6] Die weltweite Beton-Produktion lag im Jahr 2019 bei 4,1 Milliarden Tonnen. Chinas Anteil betrug 56,2 %. [7]

SZ-Interview mit Dominik von Achten. Von Achten ist seit 2007 im Vorstand von Heidelberg-Cement und seit 2020 Vorstandsvorsitzender. Auf die Interview-Angabe, dass Heidelberg-Cement den CO2-Ausstoß von ganz Österreich habe, antwortete von Achten, dass sechs Prozent der weltweiten CO2-Emissionen auf die Zement- und Betonindustrie entfallen: „Wenn man es positiv sehen will: „Wir können einen signifikanten Beitrag zur Dekarbonisierung leisten.“ Von Achten äußerte weiter, ein 150 Jahre altes Unternehmen wie Heidelberg-Cement könne sich nicht „über Nacht“ komplett ändern. Er fühle sich nicht als Klimasünder. Schließlich könne man Beton klimaneutral herstellen: „Die Zukunft des Betons ist grün.“ Zwei Drittel des CO2 entstünden durch chemische Prozesse und könne nicht vermieden werden. CO2-freier Beton müsse die Emissionen z. B. einfangen, speichern oder weiternutzen. Fossile Brennstoffe ersetzt Heidelberg-Cement sukzessive durch alternative Brennstoffe, die Elektrizität wird zunehmend aus erneuerbaren Energien hergestellt. Eine Pilotanlage in Norwegen kostete 300 Millionen Euro, davon trägt sein Konzern 50 Millionen Euro.
Beton ist laut von Achten recycelbar, wird lokal hergestellt, ist bei Verkehrswegen und Gebäuden weitgehend alternativlos. Einige Kunden wollen klimafreundlichen Beton: den kann sein Konzern mit 50 Prozent reduziertem CO2-Emission liefern. Von Achten hofft auf öffentliche Unterstützung für die Transformation, auch von der EU. [8]

Radikale Reduzierung von Beton nötig. Architektin Elisabeth Broermann schrieb in einem Beitrag für das BBSR: „Bei der Materialwahl gilt es vor allem, den momentan inflationären Verbrauch von Beton radikal zu reduzieren. Bei der Zementherstellung wird durch den Prozess des Kalkbrennens über Jahrtausende gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt. Das Versprechen der Hersteller, die Kalkproduktion durch den Einsatz erneuerbarer Energien klimaneutral zu bekommen, ist momentan also Augenwischerei. Es ist der Brennprozess und nicht die dabei eingesetzte Energie, der den Vorgang so extrem klimaschädlich macht.“ [9]

Beton ist global. Der deutsche Kunstkritiker Kito Nedo hat in der SZ die Ausstellung „Beton“ im Schweizer Architekturmuseum besprochen (20.11.2021 – 24.04.2022). Nedo merkte an, dass die desaströse Klimabilanz des Baustoffs Beton nahezu unerwähnt bleibt. Nedo sieht Beton als „systemrelevant“ an: Beton ist z. B. zuständig für großflächige Versiegelung der Erdoberfläche sowie für die Begradigung, Kanalisierung und Stauung von Flussläufen. Durch den zunehmenden Einsatz von Haus- und Gewerbemüll in den Kraftwerken steigt auch die Emission von Luftschafstoffen bei der Herstellung. [10] Hauptsponsor der Ausstellung ist der Baustoffkonzern Holcim mit Sitz in Zug, Schweiz. Seine Unternehmen Holcim und Lafarge sind mit die größten globalen Baustoffproduzenten der Welt. Laut Geschäftsbericht 2020 hat Holcim über 67.000 Mitarbeiter und liegt bei rund 23 Mrd. CHF Umsatz (laut Geschäftsbericht 2020) Holcim liegt auf Platz 1 der globalen Produzenten mit 198 Mill. to, Lafarge liegt auf Platz 2 mit 175 Mill. to. (Siehe oben)

Nur noch für Autobahnbrücken? Durch die hohen Treibhausgasemissionen werden von der Zementindustrie diverse Möglichkeiten in Betracht gezogen. HeidelbergCement plant vor allem Carbon-Capture-Projekte (CCS). Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Johannes Kreißig, plädiert für einen reduzierten Einsatz von Beton und Zement: „Beton und Zement sollten in Zukunft nur noch dort eingesetzt werden, wo man ihn wirklich braucht, etwa beim Bau von Autobahnbrücken. Wohngebäude zu betonieren, ist der falsche Weg.“ [11]

Fußnoten und Quellen

  1. Brockmann, Bärbel, Saubere Stahlerzeugung, in faz.net/asv/zukunft-sztzahl-2018
  2. Turner, Sebastian, Über Ideen: Klimakiller Beton, in welt.de 21.7.2019
  3. Fuhrhop, Daniel, Verbietet das Bauen! München 2020, S. 45
  4. WWF, Klimaschutz in der Beton- und Zementindustrie, Hintergrund und Handlungsoptionen, Berlin 2019
  5. Urban, Karl, Die Suche nach der sanften Härte, in SZ 21.5.2021
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Zementhersteller#Produktionskapazit%C3%A4t_nach_Unternehmen. Eine neuere Statistik ist gebührenpflichtig.
  7. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153695/umfrage/produktion-von-zement-nach-laendern/
  8. Busse, Caspar, „Ich fühle mich nicht als Klimasünder“, in SZ 18.10.2021
  9. Broermann, Elisabeth, Der Bausektor ist der größte Klimakiller, in: Bauen von Morgen, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Bonn 2021, S. 101
  10. Nedo, Kito, Beton, mon amour, in SZ 3.1.2022
  11. Liebrich, Silvia, Auf sicherem Fundament, in SZ 4.5.2022
Synonym verwendet:
Zement
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