Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Bayernkaserne

B
Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 16.7.2022

Kasernen zu Wohnbauten. 48 Hektar, 5500 Wohnungen für 15.000 Bewohner, dazu die soziale Infrastruktur, Bauzeit 2019 bis 2028: Das Areal der ehemaligen Bayernkaserne wird verplant. „Noch 2021 will die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG mit dem Bau von Wohnhäusern im Südteil des Areals beginnen. Zudem hat der Stadtrat im Juni 2021 die Ausschreibung von weiteren 700 Miet- und Genossenschaftswohnungen beschlossen – mit strengen Auflagen für die Miethöhe.“ [1]

Namenlos. Die Bayernkaserne in Freimann ist schon abgerissen, die Bauarbeiten für das spätere Stadtquartier mit 15.000 Bewohnern haben längst begonnen. Nun wird ein neuer Name gesucht. Die Vorschläge des BA Schwabing-Freimann sind „Europaviertel“ oder „Freimanner Stern“. [2]
Nachtrag August 2021: BA-Vorsitzender Patric Wolf (CSU) stellte eine Urne für die Namensvorschläge an der Karl-Köglsperger-Straße 13 auf, in der bis 31.7.2021 die Vorschläge gesammelt werden. Am 2.8.2021 soll die Urne geöffnet werden; fünf BA-Mitglieder und vier Stadträte sind bei der Vorauswahl anwesend. [3]

Neues Stadtviertel. Bis 2030 sollen auf dem 48 Hektar großen Areal 5500 Wohnungen für 15.000 Bewohner gebaut werden. 60 Prozent sollen geförderte Mietwohnungen, 40 Prozent preisgedämpfte Wohnungen werden. Das Bundesbauministerium hat den neuen Stadtteil als „Nationales Projekt des Städtebaus“ ausgezeichnet und mit fast 1,5 Millionen Euro unterstützt. [4]
Von 2021 bis 2026 sollen im südlichen Bereich die ersten 1450 Wohnungen entstehen. Vier von acht Baufeldern übernehmen GWG und Gewofag, Genossenschaften fast 35 Prozent (das entspricht 3493 Wohnungen). Bauträger für preisgedämpften Mietwohnungsbau errichten 208 Wohnungen. Im Nordteil entsteht der zweite Bauabschnitt mit 1560 Wohnungen, im Westteil 1030 Wohnungen. Investoren bauen im Ostteil 1100 Wohnungen. [5][4]

BA Schwabing-Freimann befürchtet Probleme. Trotz der Auszeichnung der Bayernkaserne als „Nationales Projekt des Städtebaus“ fordert der BA eine Überprüfung der Straßenpläne und fordert deshalb einen Musterentwurf für einen 150 Meter langen Straßenzug und liefert dazu einen Katalog mit 18 Punkten. Der BA bezieht sich auf negative Erfahrungen mit dem Domagk-Gelände (ehemals Funkkaserne), wo zum Beispiel die Begrünung weitgehend nur in den Plänen existierte. Auch der Domagkpark bekam damals einen Preis: den „ULI Germany Award for Excellence 2017“. [6] Auf dem Bebauungsplan war alle 13 Meter ein Baum eingezeichnet, so Christian Hierneis (Grüne) und BN: Heute sind das versiegelte baumlose Flächen. Deshalb fordert die BI mehr Bäume. [7]

Quartiersmanagement soll es richten. Das für die 15.000 Bewohner zu installierende Quartiersmanagement für das „Großvorhaben Bayernkaserne“ soll die Akteure – von Bewohnern über Firmen, Vereinen, Schulen, Verwaltung, Bauträger etc. – vernetzen. Es soll aber nicht mehr wie bei Domagkpark und Prinz-Eugen-Park den Bauherren überlassen werden: Im Fall Bayernkaserne soll die Stadt die Koordination des Quartiersmanagements übernehmen. Vorgesehen für das „Management der Quartiersentwicklung“ sind die stattbau münchen GmbH, verantwortlich sind Natalie Schaller und Christian Stupka (GIMA). Die Projektleitung, Bürger in der Nachbarschaft und der Bezirksausschuss sollen eingebunden und die Kooperation koordiniert werden. Dazu soll es Workshops und ein Gewerbeflächen- und Mobilitätsmanagement geben. Bisher sind die städtischen Wohnbaugesellschaften Gewofag und GWG und vornehmlich Genossenschaften. [8]

Noch kein Name. Die Bezeichnung Bayernkaserne soll nicht bleiben für die bis zu 15.000 Bewohner auf 58 Hektar bis 2031. Nun dürfen die Anwohner und Freimanner bis 10.11.2021 Vorschläge machen: wie z. B. „Freimanner Stern“ oder „Heidemann-Park“. [9]

BA kritisiert Monotonie. Über den Anteil der„Nichtwohnungsnutzung“ des östlichen Gebäudekomplexes an der Ringstraße auf dem Gelände der Bayernkaserne wird gestritten. Hier plant die Sedlmayr Grund und Immobilien AG auf 93.000 qm Grund etwa 1100 Mietwohnungen mit Büroflächen und Läden. Der BA Schwabing – Freimann möchte keine Wohnungen in den Erdgeschosszonen, um die Ringstraße als belebten und urbanen Bereich zu gestalten. Der Investor bestritt einen Bedarf für Ladengeschäfte. Er plant hier als Projekt „Heidepark“ vier Gebäudekomplexe. In einem Baufeld im Norden entstehen 300 geförderte Wohnungen und zwei Kitas. Zwei südliche Komplexe haben 303 Mietwohnungen (davon 166 geförderte) und 272 frei finanzierte Mietwohnungen. Hinzu kommen Hochhäuser mit 34, 60 und 46 Meter Höhe. Weiter südlich steht noch ein Komplex mit 255 frei finanzierten Wohnungen. BA-Mitglied Dagmar Föst-Reich (FDP) beklagte die „Monotonie der Gebäude“, die „Pi mal Daumen“ alle gleich aussähen. Sedlmayr-Chef Christoph Brandenburg wies dies zurück und rühmte die „hochwertigen Fassaden“. [10]

Schwierige Namensgebung. Nach 18 Monate Findungsprozess und 269 Vorschlägen hat der BA Schwabing – Freimann den Namen des neuen Quartier mit 15.000 Bewohnern bekanntgegeben: „Heidemannviertel“. Nun war Johann Nepomuk Heidemann ein Schießpulverfabrikant, was einigen BA-Mitgliedern unangenehm aufstieß, anderen aber unbekannt war. [11]
Nachtrag März 2022: Doch nicht Heidemannviertel. Das Wohnviertel Bayernkaserne trägt nun den originellen Namen Neufreimann. Das hat der BA 12 Schwabing – Freimann in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen. [12]

Überfüllte Bürgerversammlung. Am 5.7.2022 kamen um die 250 Besucher zur Bürgerversammlung. Freimann soll und wird bis 2030 um 20.000 Einwohner mehr haben. An der Freisinger Landstraße 40 – 60 werden 600 Wohnungen geplant, deren Bau 2024 beginnen soll. In „Neufreimann“, wie das Gelände der ehemaligen Bayernkaserne nun heißt, werden 15.000 Einwohner hinzu kommen. Das hat auch seinen verkehrlichen Preis. Die Trambahnlinie 23 von der Münchner Freiheit soll über die Heidemannstraße bis zum Kieferngarten (U 6) verlängert werden. Eine Linie 24 soll über die Heidemannstraße zur U 2 Am Hart geführt werden. Nachfragen von besorgten Anwohnern blockten die Vertreter der MVG ab: Der Stadtrat habe den klaren Auftrag erteilt, und nun plane die MVG. Insgesamt wurde von den Besuchern ein Informationsdefizit beklagt. Ein Vertreter der zuständigen Polizeiinspektion Milbertshofen gab zu bedenken, dass man jetzt schon für 110.000 Einwohner zuständig sei und forderte eine Vergrößerung der Inspektion. [13]

Fußnoten und Quellen

  1. https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Bayernkaserne.html; Mühleisen, Stefan, Weck-Ruf, in SZ 30.5.2017
  2. Mühleisen, Stefan, Ein Name fürs Riesenbaby, in SZ 7.7.2020
  3. Namenssuche für Bayernkaserne-Areal, in SZ 2.8.2021
  4. Krass, Sebastian, Mühleisen, Stephan, Neue Münchner Mischung, in SZ 9.7.2020
  5. https://stadt.muenchen.de/dam/jcr:b8c9f16b-b4e1-4bb7-811a-7b3c7332e6c6/Praesentation_Planungsreferat.pdf
  6. Mühleisen, Stefan, Ausgezeichnet leben, in SZ 5.10.2020
  7. Körber, Merle, Der heiße Unterschied, in SZ 10.8.2020
  8. Mühleisen, Stefan, Die Stunde der Profi-Vernetzer, in SZ 2.1.2021
  9. Graner, Nicole, Namenspaten gesucht, in SZ 24.6.2021
  10. Kronewiter, Thomas, „Mehr trauen wir uns nicht“, in SZ 3.9.2021
  11. Stolz, Benjamin, Zoff um die Bayernkaserne, in SZ 17.12.2021
  12. Bayernkaserne-Areal wird zu „Neufreimann“, in SZ 25.3.2022)
    Und Raider heißt jetzt Twix.

    Neufreimann. Bis 2030 sollen hier Wohnungen mit 15.000 Menschen gebaut werden. Für bezahlbare Mieten sorgen Genossenschaften, Mietshaussyndikate sowie die städtischen Wohnungsbaugenossenschaften und ein privater Investor- Etwa um 2027 soll die verlängerte Trambahnlinie 23 von Schwabing-Nord nach Neufreimann fahren, dazu eine Tram von Kieferngarten durch die Heidemannstraße bis Am Hart sowie Buslinien. Dazu wird eine Grundschule entstehen (Bezug 2023) und ein Gymnasium (2024) sowie die dazugehörende soziale Infrastruktur. ((Dürr, Alfred, Eine Kleinstadt wächst heran, in SZ 2.6.2022

  13. Gerdom, Ilona, Neufreimann wächst, die Sorgen wachsen mit, in SZ 7.7.2022
Objekt-Nr. 16100

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