Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Prinz-Eugen-Park

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert am 4.6.2022

Juli 2009: Der Architektenwettbewerb für das 30 Hektar große Areal Prinz-Eugen-Kaserne an der Cosimastraße in Bogenhausen ergab fünf erste Preise. Die Stadt hat die Fläche 2006 für 36 Millionen Euro vom Bund gekauft. Hier sollen 1600 Wohnungen und die soziale Infrastruktur gebaut werden. Grünflächen und die zahlreichen Bäume sollen erhalten werden. [1]

„Die ehemalige Prinz-Eugen-Kaserne im Münchner Osten ist eine von mehreren freigegebenen Militärflächen, die die Stadt München städtebaulich entwickelt. Auf dem 30 Hektar großen Gelände entsteht seit 2016 ein neues Quartier mit etwa 1800 Wohnungen. Fast 600 Wohnungen sind als Ökologische Mustersiedlung geplant. Die ersten Häuser sind bereits bezogen. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2020 geplant.“ [2]
Der Prinz-Eugen-Park in Bogenhausen liegt an der Cosima-, Jörg-Hube-, Stradella-Straße und dem Salzsenderweg. Die LH München hat das Areal 2005 gekauft und 2008 einen Wettbewerb ausgeschrieben, den GSP Architekten und Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten aus München gewannen. Ein Konsortium aus den städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag und Genossenschaften, Baugemeinschaften und privaten Bauträgern übernimmt die Bebauung; die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Bäume fallen. „Wertvolle Biotope, alte Bäume und Wiesen verleihen dem Gelände einen parkähnlichen Charakter. (…) Der alte Baumbestand bleibt so weit wie möglich erhalten.“ [2] 2225 Bäume stehen auf den zwölf Hektar Grünflächen des Prinz-Eugen-Parks. Davon sollten zunächst 151, dann 83 Bäume für Wegführungen gefällt werden. Die „Initiative zur Rettung von Altbaumbeständen in der Grünen Mitte“ mit 204 Anwohnern schrieb in einer Petition an Stadtbaurätin Elisabeth Merk, es sollen „umfangreiche Altbaumbestände der neuen geraden Wegführung in der Grünen Mitte geopfert werden“. Die Vertreterin der Genossenschaft für Quartiersorganisation (GeQo), Mara Roth, bezeichnete die Petition als Unruhestiftung; man habe das Optimale herausgeholt. Ähnlich äußerte sich Petra Cockrell, die Grünen-Fraktionssprecherin im BA Bogenhausen.: Statt 151 würden 83 Bäume gefällt. [3]
Die GeQo stellte im Januar 2021 in einer Blitzumfrage fest, dass die Mehrheit eine möglichst schnelle Fertigstellung der Wege möchte. Das Gartenbaureferat gab die nötige Wegbreite mit 2,5 Meter an (Pflegefahrzeuge, Fußgänger mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer), plus einem Meter Schotterrasen. Der gefundene Kompromiss zwischen 200 protestierenden Anwohnern und der Abteilung Gartenbau des Baureferates ist keiner: Statt 82 oder 83 Bäumen werden „nur“ 80 gefällt. [4]
Dazu ein Leserbrief in der SZ: „Nun wird aber auch der gesamte alte Bestand zur Cosimastraße abgeholzt, geplättet – um diesen Bereich dann neu zu gestalten. Wieso macht die Stadt das? Warum fällt man 50 Jahre alte Bäume, um dann neue hinzupflanzen? (…) Wir reden von Klimaschutz und CO2-Sequestrierung, ruinieren aber jegliche natürliche Gegebenheiten, die zudem zur Lebensqualität, vor allem der der Kinder beitragen!“ [5]

Kulturbürgerhaus mit Verzug. Zunächst sollte es 2020, dann 2022 fertig sein, nun soll es 2025 werden: Hier sollen auch soziale Einrichtungen wie ASZ, Familienzentrum und Nachbarschaftstreff eröffnet werden. [6]

Die letzten drei Bäume. Am Maria-Nindl-Platz im Prinz-Eugen-Park stehen drei 13 bis 16 Meter hohe Bäume. Genau da hin wird das neue Kulturbürgerhaus geplant. Die Initiative zur Rettung von Altbaumbeständen in der Grünen Mitte kämpft mit Anwohnern für den Erhalt der großen Bäume. Die Stadtgartendirektion informierte, dass die Versetzung der Bäume einige Hundertausend Euro kosten würde. Die Grünen-Fraktion im BA Bogenhausen unterstützte mit den anderen BA-Fraktionen die aktuelle Planung, damit sich der Bau des Kulturhauses nicht noch weiter verzögert. [7]
Nachtrag Mai 2022: Trotz der Forderung auf der Bürgerversammlung vom Herbst 2021, die Eiche und die zwei Ahornbäume mit Stammumfängen von 150 bis 200 Zentimetern zu erhalten oder zu verpflanzen, werden die drei Bäume gefällt. Angeblich kann der Neubau dem Bebauungsplan folgend nirgends anders errichtet werden. [8]

Schlafstadt? Der Quartiersrat einer Baugemeinschaft, Sascha Straub, berichtete Anfang Februar 2022: „Ich habe momentan aber das Gefühl, je mehr Menschen herziehen, desto weniger Infrastruktur gibt es.“ Die Deutsche Post hat ihre Partnerfiliale in einem Tabak- und Schreibwarenladen an der Cosimastraße 116 Mitte Januar 2022 dichtgemacht. Das Quartier sollte autoarm sein: Nun parken die Autos überall. Der ÖPNV mit der Trambahn 37 und zwei Buslinien humpelt. Die Grundschule ist schon jetzt zu klein, dabei ist das Quartier noch nicht voll ausgelastet. [9]
Nachtrag Mai 2022: Die Post hat die Schließung ihrer Partnerfiliale wieder zurückgenommen. [10]

Mängel-Probleme. Im Gewofag-Neubau Ecke Eugen-Jochum- und Ruth-Drexel-Straße klemmen wohl Türen und Fenster, gibt es Probleme mit der Heizung, haben Wände Risse und die Fassade bröckelig, wie eine Unterschriftenliste von über der Hälfte der Bewohner kundtat. Die Gewofag bestritt dies. [11]

Fußnoten und Quellen

  1. Dürr, Alfred, Wohnungen bauen statt Wache schieben, in SZ 4.7.2009
  2. Prinz-Eugen-Kaserne, muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung, abgerufen am 20.2.2021
  3. Graner, Nicole, Abholzen in der Grünen Mitte, in SZ 28.12.2020
  4. Graner, Nicole, Kompromiss beim Ortstermin, in SZ 20.1.2021
  5. Tilgner, Katharina, Wieso muss alles steril werden?, in SZ 2.2.2021
  6. Graner, Nicole, Jahre später, in  SZ 20.7.2021
  7. Kramer, Lea, Bäume oder Bürgerhaus, in SZ 30.11.2021
  8. Bäume werden für Kulturzentrum gefällt, in SZ 19.5.2022
  9. Kramer, Lea, Lücken in der Infrastruktur, in SZ 7.2.2022
  10. Post nimmt Filialschließung zurück, in SZ 13.5.2022
  11. Steinbacher, Ulrike, Anruf von der Anwältin, in SZ 14.4.2022
Objekt-Nr. 36640

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