Moloch München Eine Stadt wird verkauft

März 2020

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

März 2020:Neues von der Alten Akademie. Das Immobilienunternehmen Signa Prime Selection des österreichischen Milliardärs René Benko hat die Alte Akademie aus dem 16. Jahrhundert mit einer Renaissance-Fassade im September 2013 für 65 Jahre im Erbbaurecht vom Freistaat Bayern für 230 Millionen Euro erworben. Die Architekten des Umbaus, das Büro Morger Partner aus Basel, wollten die Arkade zur Neuhauser Straße zunächst von acht auf fünf Meter verschmälern. Signa wollte aber noch mehr Fläche für den Innenraum. Die CSU-SPD-Mehrheit im Stadtrat beschloss dann die komplette Schließung der Arkade an der Kapellenstraße und die Verschmälerung der Arkade an der Neuhauser Straße von acht auf 4,80 Meter. Das Münchner Forum nannte 2018 diese Entscheidung der Stadt „die endgültige Kapitulation der Stadtplanung vor einem Investment-Klüngel“. [1] Im Februar 2020 legte der Bebauungsplan des Stadtrates die Beibehaltung der drei Arkaden fest. „Der im Februar 2020 durch den Stadtrat beschlossene Bebauungsplan griff die Kritik auf und legte entgegen vorheriger Planung die Beibehaltung aller drei Arkaden verbindlich fest.“ (Wikipedia) Nutzungen in der Alten Akademie: 10.000 qm für den Einzelhandel, 5500 qm Büroflächen (etwa 300 Arbeitsplätze), 60 Wohnungen von 40 bis 140 qm und 2500 qm für Gastronomie. 2023 soll alles fertig sein. [1]

März 2020: Der Hit Büroflächen. Das Immobilienberatungsunternehmen Colliers  International sieht für Münchner Büro-Neubauten einen „reißenden Absatz“. 2019 sind 415.500 qm neue Büroflächen entstanden: Ende 2019 waren schon 97 Prozent vermietet. [2]
Der Büroflächen-Hype der Investoren wird sehr vermutlich durch die Corona-Pandemie und den Trend zum Home-Office ziemlich eingebremst werden.

März 2020: CA Immo: Gewerbeimmobilien in Freimann. Das ehemalige Bundesbahn-Ausbesserungswerk an der Lilienthalallee in Freimann wird neu genutzt. In der ehemaligen Lokhalle sind nun ein Baumarkt und der Auto-Showroom „Motorworld“. Auf dem 23.700 qm großen Planungsgebiet nebenan von CA Immo werden die nächsten Gewerbegebäude errichtet: vier Neubauten auf einer Bruttogrundfläche von 51.000 qm und etwa 2500 Arbeitsplätzen. Zur Architektur des Düsseldorfer Büros Eller + Eller äußerte der BA Schwabing-Freimann: „Banaler geht’s nicht mehr.“ [2]

März 2020: 1200 Wohnungen nach Obermenzing. Auf 15 Hektar zwischen Dreilingsweg und Mooswiesenstraße plant die LH München auf Äckern, Wiesen und Grünflächen bis zu 1200 Wohnungen für rund 2760 Bewohner, eine Grundschule, Kindertagesstätten und Einzelhandel. Die IG Alte Allee/Bergsonstraße warnt vor den Ausmaßen und der Verkehrsbelastung. Ingo Trömer vom Planungsreferat verweist auf ein Strukturkonzept Mühlangerstraße/Langwied, das der Stadtrat 2007 gebilligt habe. Der Sprecher der BI, Helmut Rothballer, vermutet, dass das Planungsreferat noch vor der Kommunalwahl am 15.3.2020 im Eiltempo die Zustimmung des BA Pasing/Obermenzing möchte. Außerdem hat der Bebauungsplan von 2020 keine „städtebaulich maßvolle Erweiterung“, wie 2007 dargelegt, sondern betrifft nun Flächen des regionalen Grünzugs, der zugebaut würde. [3]

März 2020: Internationale Automobilausstellung  nach München. Zum Moloch München gehört auch die Bewerbung der Stadt um die IAA 2021. Am 3.3.2020 erhielt München den Zuschlag.
Vgl.: IAA München

März 2020: Und noch eine Institution rein nach München. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will – auch im Hinblick auf die Vergabe der IAA nach München -, für 500 Millionen Euro ein Deutsches Zentrum Mobilität der Zukunft in München ansiedeln. Laut Scheuer sollen „Mobilität und Digitalisierung“ zusammengebracht und die Entwicklung alternativer Kraftstoffe vorangetrieben werden. Dazu wird die wichtige Frage gehören, so Scheuer, „welche Hauptbahnhöfe ertüchtigt werden müssen, damit auch Drohnen und Flugtaxis landen können“. Zu diesem Zentrum sollen ein Forschungszentrum mit Werkstätten, ein Praxiscamp und mehrere Lehrstühle gehören. Mit Münchens Stadtspitze und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sollen geeignete Grundstücke gefunden werden. Münchens OB sei noch nicht informiert. Scheuer: „Aber ich gehe mal davon aus, dass man sich in der Landeshauptstadt sehr freuen wird.“ [4]
NEIN.
Vgl.: Deutsches Zentrum Mobilität der Zukunft

März 2020: Münchner Wohnungsbau. 2017 wurden in München 8272 Wohnungen fertiggestellt, 2018 waren es 8094 und 2019 dann 7121. 2017 wurden 13.475 Wohnungen genehmigt, 2018 12.581 und 2019 10.929 Wohnungen genehmigt. Am stärksten wächst das Segment des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. [5]

März 2020: „Bagger weg von der Baumschule“. Das stand auf einem Plakat, als 200 Bürger an einem Spaziergang durch die Städtische Baumschule am 3.3.2020, dem Tag des Artenschutzes, teilnahmen. Aufgerufen hatten BN und LBV. Die Baumschule bildet eine Frischluftschneise mit Verdunstung, ist eine Wanderachse für Tierarten und ein Naherholungsgebiet. Stadtrat Johann Sauerer (ÖDP) erklärte, dass derzeit keine konkreten Planungen der Stadt für eine Bebauung vorlägen. [6]

März 2020: Erdbeerwiese (1): Turbulenzen im BA Pasing/Obermenzing. Am 3.3.2020 protestierten auf Sitzung des BA viele Bürger gegen die Bebauung der Erdbeerwiese, dazu gegen das Projekt von 1200 Wohnungen zwischen Dreilingsweg und Mooswiesenstraße: wobei der BA auch gegen die Bebauung der Erdbeerwiese ist. Frieder Vogelsgesang, CSU-Stadtrat und CSU-Sprecher im BA, schlägt eine Verlegung des Sport-Campus an die A8 vor, damit könnte an der Bezirkssportanlage an der Meyerbeerstraße die geplante Schule entstehen. Der Antrag wird bei Stimmengleichheit abgelehnt. [7]

März 2020: Erdbeerwiese (2): BAs kooperieren. Der BA Pasing-Obermenzing und der BA Allach-Untermenzing tagten vier Stunden im Pasinger Rathaus. Vertreter städtischer Referate und der Berufsfeuerwehr legten ihre Neubaupläne dar. Der Standort Weinschenckstraße für einen Schulneubau war nach heftigen Bürgerprotesten aus dem Schulbauprogramm genommen worden. Der Neubau der Realschule könnte auf dem Gelände der Bezirkssportanlage entstehen, die die Fläche der alten Realschule auf der Erdbeerwiese bekäme. Die neue Feuerwache ist an der von-Kahr-Straße vorgesehen. Es soll auch ein weiträumiges Klimagutachten erstellt werden. Auch der Alternativ-Antrag für einen Sport-Campus an der A8 steht zur Debatte. [8]

März 2020: Bebauung McGraw-Graben. Das etwa 2,5 Hektar große Areal zwischen McGraw-Graben, Stadelheimer Straße, Warthofstraße und der „Halle 19“ soll von der Gesellschaft für Staatsbedienstetenwohnungsbau in Bayern mbH mit drei Blöcken, jeweils einer Kita und ca. 280 Wohnungen bebaut werden. Der Abriss begann 2018, Baubeginn soll 2023/24 und Fertigstellung 2026/27 sein. [9]

März 2020: ÖDP sammelt Unterschriften für Grünflächen. Nach dem äußerst erfolgreichen Bürgerbegehren zum Artenschutz Anfang 2019 („Rettet die Bienen“) will die ÖDP nun die Grünflächen in München, der am meisten versiegelten Großstadt Deutschlands, schützen. 35.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren wurden bereits gesammelt. Der Text des Bürgerbegehrens ist unter www.gruenflaechen-erhalten.de abrufbar. Dort heißt es: „Sind Sie dafür, dass die Landeshauptstadt München alles unternimmt, damit sowohl ihre im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Allgemeinen Grünflächen als auch ihre öffentlichen Grünanlagen erhalten bleiben und nicht weiter versiegelt werden?“ Auch die weitere Ansiedlung von Industrie und Großgewerbe soll verhindert werden. [10]
Viel Erfolg möchte man der ÖDP wünschen: wenn nicht die offizielle Münchner Stadtpolitik einschließlich Planungsreferat, LBK und Untere Naturschutzbehörde der Formulierung des Bürgerbegehrens diametral entgegenstünden. Siehe die SEM Nord und die SEM Nordost und die bedrohten Gebiete Städtische Baumschule, Erdbeerwiese, usw. usw.

März 2020: HypoVereinsbank verkauft Tucherpark. In den sechziger Jahren entstand der Bürokomplex Tucherpark zwischen Englischem Garten und Isarring. Nun verkaufte die HVB das unter Ensembleschutz stehende Gelände mit zehn Gebäuden für eine kolportierte Summe von über eine Milliarde Euro an die Commerz Real (eine Immobilientochter der Commerzbank) und den Projektentwickler Hines. Dessen Managing Director Christian Meister versicherte großzügig, dass die Bagger nicht sofort anrücken würden. Architekturhistoriker Winfried Nerdinger kritisierte das damalige Projekt Tucherpark als „städtebauliche Todsünde“, da es in den Englischen Garten platziert und mit breiten Verkehrsschneisen umgeben wurde. Nerdinger äußerte, der Schutz des Englischen Gartens müsse im Vordergrund stehen. Und wenn ein Investor so viel Geld investiere, dann wolle er auch entsprechend viel Geld herausholen. [11]

März 2020: Erhaltungssatzungsgebiete ausgeweitet. Anfang März 2020 wurden in den Stadtteilen Laim (Agnes-Bernauer-Straße, Friedenheimer Straße, Pfarrer-Endres Weg/Landsberger Straße) und Schwabing-West (Petuelring, Götzstraße, Giselherstraße, Brunnerstraße, Bamberger Straße, Schleißheimer Straße, Lerchenauerstraße) neue Erhaltungssatzungsgebiete aushgewiesen. Damit gibt es in München 26 Erhaltungssatzungsgebiete mit rund 165.000 Wohnungen und 289.000 Bewohnern. [12]

März 2020: Investoren veröffentlichen Gutachten. Für die „Nachverdichtung“ der Siedlung Ludwigsfeld haben die privaten Investoren ein Gutachten in Auftrag gegeben. Daniel Schreyer, Vertreter des Büros Hendricks und Schwartz, das den Dialogprozess mit den betroffenen Anwohnern moderiert, erklärte im März 2020, dass die Investoren die Herausgabe der gesamten Dokumente erlaubten. Der Anwohnerverein Interessensgemeinschaft Ludwigsfeld (Iglu) bestätigte das Vorliegen der Gutachten. Auch für den Eggarten hat CA Immo private Gutachten in Auftrag gegeben. Sprecher Markus Diekow gab zunächst an, dass die Gutachten für Laien kaum interpretierbar seien. CA Immo will sie nun herausgeben. [13]
Rückblick September 2018: In Penzberg wurde ein Vier-Sterne-Hotel an einem Hanggrundstück am Kirnbergsee geplant: Die Gemeinde mit Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei/SPD) und der BI „Penzberg initiativ“ war dafür, die BI „Kein Hotel am Kirnbergsee“ dagegen. Der Bürgerdialog wurde von Daniel Schreyer vom Kommunikationsbüro Hendricks & Schwartz moderiert und sollte neutral agieren. Auf einen Leserbrief von Bärbel Bierling von der BI „Kein Hotel am Kirnbergsee“, der sich gegen den Hotelneubau richtete und am 21.9.2018 in der SZ Bad Tölz-Wolfratshausen und im Penzberger Merkur veröffentlicht wurde, verfasste Daniel Schreyer einen Antwort-Leserbrief am selben Morgen um 9 Uhr, den er aber nicht unter seinem Namen veröffentlichen wollte. Deshalb schickte er seinen Leserbrief an die Bürgermeisterin mit der Bitte, jemand zu finden, der diesen Leserbrief unter seinem Namen an die Zeitung schicken sollte. Darin stand u. a., dass die Standortgegner sich nicht an Sachlichkeit hielten, sondern Ängste vor weiteren Bebauung und dem Ende des Naherholungsgebiets schürten. Schreyer schlug den SPD-Vorsitzenden Bayram Yerli als Absender vor. Bürgermeisterin Zehentner mailte den Leserbrief Schreyers umgehend an den SPD-Ortsvorsitzenden Yerli und seinen Stellvertreter Stefan König weiter und empfahl, den Leserbrief „als umgehenden Konter zu Frau Bierling weiterzugeben“. Zehentner hatte diese Email aber gleichzeitig auch versehentlich an den Presseverteiler weitergeschickt. Die Gegner des Hotelprojekts hatten seit Beginn an der neutralen Rolle eines von der Stadt Penzberg bezahlten Moderators gezweifelt und Mauschelei vermutet: Die jüngste Entwicklung gab ihnen recht. [14]

März 2020: Siemens-Parkplatz als Spekulationsobjekt. Die Bürgerinitiative Otto-Hahn-Ring und ihre 700 Unterstützer fühlen sich von OB Dieter Reiter (SPD) und Stadtbaurätin Elisabeth Merk getäuscht Am 2.10.2019 wurde im Stadtrat der Eckdatenbeschluss für die Bebauung des Siemens-Areals in Neuperlach nördlich des Otto-Hahn-Rings verabschiedet. Damit kann die Eigentümerin des Großparkplatzes, die Hamburger HIH Real Estate GmbH, auf den etwa acht Hektar 750 Wohnungen bauen. Die BI hat in der Bürgerversammlung am 28.5.2019 den erfolgreichen Antrag gestellt, die Regierung von Oberbayern solle prüfen, ob dieser rechtsgültige Bebauungsplan geändert werden kann. Das Planungsareal sei einer öffentlichen Grünzone gleichzusetzen: Damit würde der Großparkplatz für den Investor wertlos. Nur der Stadtrat sei in der Lage, das Baurecht zu ändern. Dazu fragt sich die BI, warum die Stadt dort nicht selbst baut, sondern der HIH Real Estate einen Spekulationsgewinn von 300 bis 500 Millionen Euro ermöglicht. Die Stadt könnte bis zu 2400 bezahlbare Wohnungen dort realisieren. Der Investor plant dagegen nur 225 Sozialwohnungen (SoBoN-Modell) und 75 preisgedämpfte Mietwohnungen. Die BI möchte den Bebauungsplan 57ag nach wie vor von einer neutralen Stelle geprüft sehen. [15]

März 2020: S-Bahn frisst sich ins Umland. Mehr Arbeitsplätze brauchen mehr Wohnungen und mehr Verkehrsmittel. Einige langfristige Baupläne für die Münchner S-Bahn:
S1: Verlängerung von Freising über Moosburg nach Landshut. S2 West: Verlängerung von Altomünster nach Aichach und Pfaffenhofen; Neue S-Bahn: über Odelzhausen nach Dasing. S3 West: Verlängerung von Althegnenberg nach Augsburg. S4 West: Verlängerung von Geltendorf nach Buchloe. S7 Süd: Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried-Süd. S3 Süd: Verlängerung von Holzkirchen nach Lenggries, Tegernsee, Bayerischzell. S7 Süd: Verlängerung von Kreuzstraße bis Rosenheim. S6 West: Verlängerung von Ebersberg nach Wasserburg; von Grafing Bahnhof nach Rosenheim. S2: Verlängerung von Markt Schwaben nach Dorfen. [16]

März 2020: Ausflug nach Grafing. Der Stadtplaner und Geograf Martin Späth hat für die Gemeinde eine Bestandsaufnahme des alten Gräfelfinger Villenviertels zwischen Maria-Eich-Straße, Freihamer Straße, Bahnhofstraße bis Rottenbucher Straße erstellt. Dort stehen 24 Villen, die zwischen 1900 und 1916 erbaut wurden, dazu weitere 100 „ortsbildprägende Gebäude“. Die Bestandsaufnahme ist Teil eines kommunalen Denkmalschutzkonzeptes. Späth an den kommunalen Auftraggeber: „… wenn das ein Wert für Sie ist, machen Sie sich stark dafür, diese Bereiche zu schützen.“ [17]

März 2020: Verheerendes Fazit. Heinz Sedlmeier vom Münchner LBV, fasst die Situation im Großraum München so zusammen: „Die bisherige Baupolitik im Großraum München hat zu einem desaströsen Ergebnis geführt. Die Hälfte des Stadtgebiets ist versiegelt, in den Landkreisgemeinden wuchern die Gewerbegebiete, die Mieten sind trotzdem unbezahlbar, die biologische Vielfalt sinkt dramatisch, und die Luft hält an manchen Stellen noch nicht einmal die gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe ein.“ (Sedlmeier, Heinz, Auf Schrumpfkurs – Münchner Gartenstädte, Grünflächen und Biotope, in NaturschutzReport 1/2020, München 15.3.2020))

März 2020: Kommunalwahl am 15.3.2020. Dominik Hutter machte sich in der SZ einen Tag vor der Kommunalwahl einigermaßen lustig über die München-Liste, die „die Idylle vergangener Tage“ wieder herbeisehnen würde und die wie die ÖDP und die Bayernpartei „die Sehnsucht nach der guten alten Zeit“ pflegen und das Wachstum drosseln möchte. [18] Die München-Liste kandidierte bei der Münchner Kommunalwahl am 15.3.2020 für den Münchner Stadtrat. Sie erhielt 0,8 Prozent der Stimmen: Dirk Höpner, geborener Münchner, Geschäftsführer der Stiftung Pfennigparade, wohnhaft in Feldmoching, zog in den Stadtrat ein.

März 2020: Baumentwicklungskonzept. Der Stadtrat hat das Baureferat beauftragt, innerhalb des Mittleren Rings den Baumbestand auf öffentlichen Grün- und Verkehrsflächen zu analysieren und mit einem „Baumentwicklungskonzept“ für künftige Maßnahmen zu entwickeln, z. B. für „standortgerechte Bestimmung zukünftiger Baumarten und ‚vegetationstechnische‘ Standortsanierungen zur Verbesserung der Standortqualität“. [19]

März 2020: Paketposthalle und Hochhäuser. Das Immobilienunternehmen Büschl stellte 2019 seine Pläne für die Umnutzung der Paketposthalle plus zwei Hochhäuser mit je 155 Meter Höhe der Architekten Herzog & de Meuron vor. Dazu muss der Bebauungsplan für das Areal geändert werden. MdL Robert Brannekämper (CSU) forderte OB Dieter Reiter auf, das Planungsverfahren zu stoppen, da – mitten in der Corona-Pandemie – „sozusagen handstreichartig ein mehr als zweifelhaftes Verfahren zur Schaffung von Baurecht“ initiiert würde. [20]

März 2020: Schellingstraße 25/27: Im Frühjahr 2018 hat der Eigentümer die historischen Treppen herausreißen lassen. Er bestätigte, dass er einen positiven Vorbescheid für Abriss und Neubau hat. Der Antiquar Bernhard Kitzinger, der seit Jahrzehnten sein Antiquariat in Nr. 25 hat: „Die Stadt hat gesagt, dass sie das erlauben muss. Aber es dürfte nicht genehmigt werden.“ [21]

März 2020: Türkenstr, 50, 52, 54: Die Türkenstraße 52 ist samt Hinterhaus abgerissen, das Vorderhaus Türkenstraße 54 steht (noch), das Rückgebäude wurde ebenfalls platt gemacht. Kaum wurde die Baugenehmigung erteilt, ist laut Information eines ehemaligen Bewohners das Objekt erneut für eine angeblich hohe zweistellige Millionensumme weiterverkauft worden. [21]

März 2020: Gutachten zum Hachinger Tal. Die Bürgerinitiative „Frischluftzufuhr für München“ [22]

März 2020: Corona: Kein Einbruch des Immobilienmarktes. Ende März 2020 wirkte der Wohnungsmarkt wie eingefroren. Der Bundesverband der privaten Immobilienwirtschaft konstatierte ein Erliegen des Wohnungsverkaufs. Notartermine fänden kaum noch statt. Dagegen äußerte Sabine Georgi, Country-Managerin von der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), dass Wohnimmobilien für Investoren in Krisenzeiten eher „interessant“ sind. [23] Ein Experte der Immobilienberatung Colliers International: „Je größer die Unruhe in der Bevölkerung wird, desto größer wird auch die Nachfrage.“ [23] Für den Regensburger Professor für Immobilienwirtschaft, Tobias Just, ist die Preisentwicklung nicht nur durch niedrige Zinsen befördert worden, sondern auch durch eine reale Nachfrage nach Wohnraum. Wenn die in Ballungsräume  angelockten Arbeitskräfte plötzlich mit potenzieller Arbeitslosigkeit konfrontiert werden, wird auch in diesem Sektor die Nachfrage stagnieren. Auch könnte eine höhere Staatsverschuldung das Geld in Staatsanleihen umlenken. [23]
Nachtrag: Im November 2020 hat mir eine Münchner Immobilienmaklerin mitgeteilt, dass die Verkäufe völlig normal ablaufen; auch die Notare hätten wie üblich zu tun.  

März 2020: Dawonia reißt lieber ab. Schönfeldstraße 14: ein Wohnhaus mit 80 Wohnungen, dessen Sanierung sich laut Dawonia-Konzern nicht mehr lohnt und deshalb abgerissen werden soll. Im April 2010 kündigte die Dawonia eine Modernisierung an, die immer wieder verschoben wurde. Im Januar 2019 verschob die Dawonia diese ganz: offiziell wegen gestiegener Baukosten. Die Dawonia Management GmbH kündigte dann den Abriss im Februar 2020 an unter dem Betreff „Geplanter Neubau“. Eine Modernisierung sei „unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Gesichtspunkte auf Dauer nicht umzusetzen“. [24]
Da kämen einem direkt die Tränen: soziale, ökologische Gründe. Wenn man nicht wüsste, dass die ökonomischen Gründe ausschlaggebend sind: weil sich ein Neubau lukrativer vermieten – oder verkaufen – ließe.
Volker Rastätter, der Geschäftsführer des Mietervereins München, äußerte dazu: „Wir sind äußerst verwundert, dass die Dawonia, Ex-GBW, nun abermals versucht, ein Haus abzureißen, dessen Altmieter durch die Sozialcharta geschützt sind.“ [24] Rastätter bezog sich auf die Dawonia-Anlage in der Nimmerfallstraße 60 – 64 in Pasing. Denn gemäß der Vereinbarung vom Mai 2013 hatte sich die damalige GBW AG in einer Sozialcharta verpflichtet, Kündigungen wegen Eigenbedarfs oder „nicht angemessener wirtschaftlicher Verwertung“ erst ab 2023 auszusprechen. Rastätter: „Die Dawonia fällt immer wieder durch ihr mieterunfreundliches Verhalten auf. Wir appellieren an sie, sich endlich wie ein verantwortungsvoller Vermieter zu verhalten.“ [24]
Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein ist Ombudsmann von Dawonia und wurde in dieser Eigenschaft wegen des Falls Schönfeldstraße 14 am 24.2.2020 angeschrieben. Die jetzige Antwort, so Mietersprecher Rudolf Schairer, war nicht hilfreich: „Das Schreiben ergeht sich in Plattitüden. Es besteht quasi kein Bezug zu meiner Anfrage.“ Beckstein schrieb u. a., es sei „nicht zu Verstößen gegen die Sozialcharta gekommen“; die Dawonia würde auch weiterhin die Sozialcharte einhalten. [25]
Zur Erinnerung, weil dies gern vergessen wird: Die Dawonia gehört der Patrizia. Zitat aus der Webseite: „Übernahme der GBW Gruppe durch ein von der PATRIZIA  Immobilien AG geführtes Investorenkonsortium.2019: Aus der GBW Gruppe wird die Dawonia.“
[26]
Nachtrag Oktober 2021: Doch Abriss. Der Vorgänger der Dawonia, die GBW AG, wollte 2017 die Wohnanlage Nimmerfallstraße mit 75 stark renovierungsbedürftigen Wohnungen für 25 Millionen Euro an die Stadt München verkaufen (333.333 Euro pro Wohnung). Die Stadt wollte 18 Millionen Euro bezahlen. Die GBW AG reduzierte auf 22 Millionen Euro, wollte aber gleichzeitig einen sozial verträglichen Auszug der Mieter organisieren und dafür drei Millionen Euro verlangen (macht wieder 25 Millionen Euro). Die Stadt lehnte dankend ab. Im Herbst 2021 sind nur noch wenige Mieter in den Bestandsgebäuden. Die Dawonia wird alle Altbauten abreißen und 76 Wohneinheiten mit 5950 Quadratmetern Wohnfläche und 78 Tiefgaragenstellplätze bauen. Laut Dawonia entstehen dadurch etwa 2700 Quadratmeter mehr Wohnraum. [27]
Mit diesem „Argument“ lässt sich die halbe Stadt München abreißen.

Fußnoten und Quellen

  1. Krass, Sebastian, Knirschend zum Kompromiss, in SZ 2.3.2020
  2. Mühleisen, Stefan, Kurswechsel auf dem Campus, in SZ 2.3.2020
  3. Czeguhn, Jutta, Das  Grün verschwindet, in SZ 2.3.2020
  4. Für 500 Millionen Euro: Scheuer plant Mobilitätszentrum in München, in spiegel.de 7.3.2020
  5. Hoben, Anna, 7221 neue Wohnungen, in SZ 3.3.2020
  6. Seipel, Christina, Ideeller Nutzwert, in SZ 5.3.2020
  7. Kronewiter, Thomas, Fundamentalkritik an der Stadtplanung, in SZ 5.3.2020
  8. Czeguhn, Jutta, Moratorium fürs Erdbeerfeld, in SZ 11.3.2020
  9. Grundner, Hubert, Quartier mit autofreiem Charakter, in SZ 6.3.2020
  10. Anlauf, Thomas, Alles so schön grün hier, in SZ 7.3.2020
  11. Dürr, Alfred, Tucherpark zum Leben erwecken, in SZ 9.3.2020
  12. Krass, Sebastian, Mehr Mietwohnungen milieugeschützt, in SZ 9.3.2020
  13. Sobotta, Jerzy, Ein Schritt in Richtung Transparenz, in SZ 10.3.2020
  14. Vecciato, Alexandra,  Entlarvender E-Mail-Verkehr, in sueddeutsche.de 25.9.2018
  15. Grundner, Hubert, Ärger im grünen Bereich, in SZ 11.3.2020
  16. Schubert, Andreas, Neue Stecken und mehr Gleise, in SZ 12.3.2020; Quelle des S-Bahn-Plans: MVV
  17. Jäger, Annette, Viertel mit historischem Wert, in SZ 13.3.2020
  18. Hutter, Dominik, Steuern statt stoppen, in SZ 14.3.2020
  19. Grundner, Hubert, Grüner wohnen, in SZ 21.3.2020
  20. Dürr, Alfred, Die Planung geht weiter, in SZ 24.3.2020
  21. Mühleisen, Stefan, Lückenhafter Mieterschutz, in SZ 25.3.20
  22. https://frischluftzufuhr-muenchen.de/)) sieht durch das „Strukturkonzept Hachinger Tal“ die Frischluftzufuhr für über 100.000 Menschen gefährdet. Das Tal soll mit Gewerbeflächen bei Unterbiberg großflächig zugebaut werden. Mehr als 1900 Personen haben bis dato eine Online-Petition gegen die Bebauung unterzeichnet. (Am 16.12.2020 waren es bereits 2764.) Vom Münchner Stadtrat wurde im Dezember 2019 ein mikroklima-ökologisches Gutachten in Auftrag gegeben worden, das die Bedeutung der Frischluftzufuhr aus dem Hachinger Tal untersuchen soll. Ergebnisse werden laut Planungsreferat in einem Jahr vorliegen. ((Grundner, Hubert, Lebenswichtige Frischluftschneise, in SZ 27.3.2020
  23. Remien, Andreas, War’s das?, in SZ 28.3.2020
  24. Mühleisen, Stefan, Ausgeliefert, in SZ 31.3.2020
  25. „Plattitüden von Beckstein, in SZ 7.4.2020
  26. Webseite Dawonia.de: https://www.dawonia.de/static/media/brandbook-master/files/assets/common/downloads/page0073.pdf?uni=6da1ddc88a2705ba3c486c4ecf8a536a
  27. Czeguhn, Jutta, Auf Wiederseen, in SZ 8.10.2021
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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