Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Seidlvilla

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Zur Historie. Die Spatenbrauerei-Erbin Franziska Sedlmayer heiratete Paul Johann Lauterbacher und ließ sich 1904 bis 1906 am Nikolaiplatz die „Villa Lauterbacher“ von ihrem Neffen Emmanuel von Seidl erbauen. Neben der später so umbenannten Seidlvilla gab es einen Nebentrakt mit Remise, Pferdestall und Kutscherwohnung.

Die Gefahr. Nach einigen Besitzerwechseln wurde die Seidlvilla 1969 für 6,4 Millionen DM an vier neue Eigentümer verkauft. Sie wollten ein Wohn- und Geschäftshaus mit bis zu sechs Stockwerken nach Bauplänen des Architekten Ernst Maria Lang errichten und die Villa samt Nebengebäude abreißen. Der Architekt Meinrad von Ow beantragte 1970 eine Veränderungssperre. Das Münchner Forum engagierte sich, der Münchner Heimatpfleger Alexander von Branca informierte die Stadtgestaltungskommission, die 1971 den Abriss verhinderte. Dann verkauften die vier Eigentümer die Villa an die Münchner Grund GmbH & Co. KG für 10 Millionen DM. Das Bürgerkomitee Nikolaiplatz (später Aktion Nikolaiplatz, Bürgerzentrum Seidlvilla) hatte sich formiert und kämpfte zwei Jahrzehnte für den Erhalt der Villa; so gab es eine Demonstration auf dem Odeonsplatz mit Tausenden besorgten Bürgern. Rudi Then Bergh und Ulf Peters entwickelten Nutzungsideen.

Die Rettung. 1975 hatte sich das Engagement der Schwabinger gelohnt: Das Landesamt für Denkmalpflege stellte die Seidlvilla und ihre Nebengebäude unter Schutz. Die LH München kaufte sie für 6,8 Millionen DM von der Münchner Grund. 1977 entschied der Stadtrat, dort das erste Bürgerhaus einzurichten. 1979 zog die Polizei übergangsweise für drei Jahre dort ein: Sie zog dann aber erst 1987 wieder aus. Am Wochenende 7. bis 9. Juni 1991 fand die Eröffnung statt. [1][2][3]

Ein aufrechter Schwabinger. Then Bergh hat nicht nur die Seidlvilla gerettet, sondern auch den Leopoldpark. Er war für die Verkehrsberuhigung von Altschwabing und der Maxvorstadt mitverantwortlich und setzte sich für den Erich-Mühsam-Platz ein. Im März 1999 erhielt Then Bergh von OB Christian Ude die Medaille „München leuchtet“. Am 23.3.1999 verstarb er. [4]
Ich kannte Rudi (*1937; †1999) persönlich: Er war eine herausragende Persönlichkeit und starb leider viel zu früh.

30 Jahre. So lang besteht die Seidlvilla in dieser Form. Und die Seidlvilla wurde Vorbild für die Münchner Bürgerhäuser. Vor der Pandemie gab es hier über 2500 Veranstaltungen im Jahr. Ab 1.9.2021 wurde eine Ausstellung zur Historie der Villa gezeigt. [5]

Vergleiche: https://www.seidlvilla.de/

Fußnoten und Quellen

  1. Zur Geschichte der Seidlvilla, in www.seidlvilla.de, abgerufen am 23.3.2021
  2. Kronewiter, Thomas, Ein Ausgleich für den Sauftourismus, in SZ 25.5.1998
  3. Kronewiter, Thomas, Von der Krimi-Kulisse zum Polizeirevier, in SZ 29.6.2005
  4. Nur kurz leuchtete München, in SZ 25.3.1999
  5. Kellner, Nico, Vielfaches Vorbild, in SZ 24.8.2021
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