Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Amisiedlung

A
Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

(Zur Vereinheitlichung habe ich Amisiedlung ohne Bindestrich geschrieben.) 1953 wurde von der Bundesregierung ein Hektar Wald des Perlacher Forstes abgeholzt, um Wohnungen für amerikanische Besatzungssoldaten zu bauen, die in der McGraw-Kaserne Dienst taten (frühere Reichszeugmeisterei). Die Amisiedlung liegt im Stadtteil Fasangarten an der Cincinnatistraße und wird begrenzt im Norden von der Lincolnstraße und dem Friedhof Perlacher Forst, im Osten von der Bahnstrecke München Ost-Deisenhofen, im Süden von der Fasangartenstraße und im Westen von der BAB 995. 1991 zogen die US-Soldaten ab, neuer Eigentümer wurde die Bundesvermögensverwaltung, ab 2005 die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Teilweise wurden Häuser an Private verkauft wie 13 Gebäude an die Patrizia AG. Die BImA versucht, für Restflächen möglichst hohe Preise zu erzielen. Bewohner protestieren gegen Pläne für Nachverdichtung und eine Erweiterung des Gewerbeanteils. (Aus Wikipedia, aufgerufen am 14.1.2021)

Leerstände. Im Jahr 2017 gehörten der BImA 54 Gebäude; 34 waren bereits grundsaniert. [1] Den Leerstand von Wohnungen seit 2013 erklärte die BImA mit den Sanierungen bzw. dem Abriss und Neubau von Wohngebäuden. Im April 2020 fragte die Münchner Stadträtin Brigitte Wolf (Die Linke) beim Sozialreferat nach über den offensichtlichen Leerstand vieler Wohnungen in den Blöcken Cincinnatistraße 44-48, 50-54, 56-60 sowie Pennstraße 1-5. Sozialreferentin Dorothee Schiwy erklärte dies mit den langen Zeiträumen bei der Überplanung des Gebietes und deklarierte dies als „gerechtfertigten Leerstand“. Gespräche mit der BImA über eine moderate Sanierung der Siedlung hätten begonnen. [2]

Die Linke schaltet Rechtsaufsicht ein. Aufgrund des Lehrstands von mehr als 30 Wohnungen schaltete Die Linke im September 2020 die Regierung von Oberbayern als Rechtsaufsicht der LH München ein. Seit 2013 ist der Leerstand von Wohnungen der Stadt bekannt. Das Sozialreferat trage dafür die Verantwortung. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) wies dies umgehend zurück: Die Wohnungen seien nach der Modernisierung wieder bewohnt. [3]

Ankauf der Amisiedlung? (1) Die Stadtratsfraktionen der Grünen und SPD/Volt sind für den Vorschlag des Planungsreferats, eine Erhaltungssatzung für die Amisiedlung zu erlassen. Dazu möchten sie, dass die Stadtverwaltung Verhandlungen mit der BImA über einen Ankauf aufnimmt. In Betracht käme eine „Verbilligungsrichtlinie“ von 2018, nach der es dem Bund gestattet wird, Grundstücke günstiger an Kommunen zu verkaufen, falls diese dort Wohnungsbau betreiben möchte. Die BImA arbeitet aktuell an einem Sanierungs- und Nachverdichtungskonzept: Von den 50 Gebäuden sind 18 sanierungsbedürftig. Die Amisiedlung steht nicht unter Denkmalschutz, und es existiert kein Bebauungsplan: ein interessantes Objekt für Spekulanten. [4]

Ankauf der Amisiedlung? (2) Der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung hat gegen die Stimmen von CSU und FDP/Bayernpartei beschlossen, der Verwaltung einen Auftrag für Kaufverhandlungen mit der BImA zu geben. Alexander Reissl (CSU) sieht eine andere Immobilienpolitik seitens des Bundes, der seine Immobilien nicht mehr einfach nur veräußern würde. Deshalb sei es für die LH München nicht notwendig, der BImA die Siedlung abzukaufen. Es drohe auch nicht die Umwandlung in Luxuswohnungen. Simone Burger (SPD) widersprach, da man nicht wisse, wie es in Bezug auf Verschuldung und Haushaltssituation in einigen Jahren aussehen wird. [5]

Ankauf der Amisiedlung? (3) Der Stadtrat beschloss am 19.11.2020, mit der BImA über den Kauf der Siedlung zu verhandeln. Die BImA will aber selbst bezahlbare Wohnungen für Staatsbedienstete bauen und hat einige Grundstücke aus dem Verkauf genommen. [6]

BImA behält Amisiedlung. Die Interessengemeinschaft Wohnanlagen Perlacher Forst und Tegernseer Landstraße (Iwap) hat einen Fragebogen an die BImA geschickt und u. a. wissen wollen, ob es Verkaufsabsichten gibt.it Verweis auf die Wohnungsnot speziell in München, so lautete die Antwort, werde man die Wohnungen behalten und investieren sowie auch selbst neue Wohnungen errichten. Die BImA wird eine Bestandsaufnahme im Hinblick auf Ökologie und Baumschutz und den Zustand der Gebäude durchführen und dann ein Planungsbüro mit einer Machbarkeitsstudie beauftragen. Ein Vertreter der Iwap äußerte, es habe keinen unbegründeten Leerstand gegeben und zeigte sich irritiert, dass über angebliche Leerstände berichtet wurde, ohne mit der BImA oder der Iwap Kontakt aufzunehmen. [7]

BImA: Kein Leerstand. Die Stadtratsfraktion Die Linke hat der BImA Leerstand in der Ami-Siedlung vorgeworfen. Die wies das wegen Sanierungsplänen zurück: Aktuell stünden von 1230 Wohnungen 22 leer, zehn werden derzeit renoviert und sollen noch im 1. Halbjahr 2021 vermietet werden. Die Siedlung wird vom Bund nicht an die Stadt verkauft, sondern im Bestand behalten. [8]

Fußnoten und Quellen

  1. Grundner, Hubert, Unruhe in der Amisiedlung, in SZ 2.4.2017
  2. Grundner, Hubert, Leerstand mit Ansage, in SZ 21.4.2020
  3. Grundner, Hubert, Leerstand in der Amisiedlung, in sueddeutsche.de 7.9.2020; vgl. auch Grundner, Hubert, In der Grauzone, in SZ 8.11.2020
  4. Grundner, Hubert, Antrag auf Kauf der Amisiedlung, in SZ 8.10.2020
  5. Grundner, Hubert, Krass, Sebastian, Kaufen und günstig vermieten, in SZ 7.11.2020
  6. Zum Schutz der Amisiedlung, in SZ 21.11.2020
  7. Grundner, Hubert, Nachverdichtung statt Verkauf, in SZ 24.12.2020
  8. Grundner, Hubert, Studie zu Abriss und Neubau geplant, in SZ 22.2.2021
Objekt-Nr. 37620

Datenschutzhinweis: Um die Karte anzuzeigen, muss Ihre IP-Adresse dem Kartendienst mitgeteilt werden. Klicken Sie hier, wenn Sie damit einverstanden sind.

Moloch München Eine Stadt wird verkauft
Objekt-Nr. 37620

Datenschutzhinweis: Um die Karte anzuzeigen, muss Ihre IP-Adresse dem Kartendienst mitgeteilt werden. Klicken Sie hier, wenn Sie damit einverstanden sind.

Nicht angemeldet > Anmelden