Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Karree Karl-Theodor-Straße

K
Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisierung 21.7.2022

Zerstörung eines weiteren Idylls. Der Innenhof im Karree Karl-Theodor-, Ansprenger-, Unertl- und Degenfeldstraße war bis jetzt eine Art Naherholungsgebiet. Der Eigentümer, die Bayern Versicherung Lebensversicherung AG, ist eine Tochter der Bayerischen Versicherungskammer1 und hat einen Antrag auf Vorbescheid eingereicht für eine fünfgeschossige Blockrandbebauung plus ein fünfgeschossiges Gebäude mit Kindergarten im Erdgeschoss und Wohnungen. (Zur Zerstörung eines prämierten Hinterhofs durch die Bayern Versicherung: vgl. Herzogstraße 84)
Dazu sollen bestehende achtstöckige Punkthäuser aufgestockt werden. Martina Burwitz (Grüne), Mitglied im BA Schwabing-West, wohnt selbst dort: „Nicht nur jede Menge alter Bäume und 90 Prozent unserer Grünfläche samt Kinderspielplatz müssten für diese Betonburg plattgemacht werden.“2 44 Wohnungen würden Fenster verlieren und dunkle Räume bekommen. Isabella Kratzer, eine Sprecherin der Bayern Versicherung Lebensversicherung AG, wiegelt ab: „Als regionaler Versicherer ist uns die Wohnungsknappheit in Großstädten wie München sehr bewusst.“2
Das Totschlagargument Wohnungsnot dient der Bayern Versicherung Lebensversicherung AG, aber auch vielen anderen Akteuren als Grund, alles bis zum letzten Quadratmeter weiter auszunutzen und zuzubauen. Dabei ist es mit dem Wohnungsbau in der Stadt wie mit den Parkplätzen: Je mehr angeboten werden umso höher wird die Nachfrage. Und umso mehr Menschen ziehen nach München: weil ja so viel gebaut wird.

Man wolle neue Wohnungen bauen, keine Fenster zumauern und niemandem kündigen, Grünflächen aufwerten, Dachflächen begrünen. „Um Kompromisse zu diskutieren, hatten Westschwabings Bürgervertreter noch vor ihrer Sitzung versucht, mit der Versicherung einen Ortstermin zu vereinbaren. Sie bekamen eine Absage.“2 Der BA lehnte danach den Vorbescheid-Antrag ab und empfahl den Bewohnern, eine Mietergemeinschaft zu gründen. Diese erfolgte dann als Mietergemeinschaft Andekat (Ansprenger-, Degenfeld- und Karl-Theodor-Straße).
Stadträtin Julia Schmitt-Thiel (SPD) führte mit ihrer Rathausfraktion Gespräche mit der Versicherung und äußerte: „Der Plan, den der Bauträger gemacht hat, wird aber so auf keinen Fall kommen.“ Sie forderte eine Änderung des § 34 Baugesetzbuch (BauGB), um Bäume, Grünflächen und Wohnraum zu schützen.3

Die Bayern Versicherung sprach: Es werde dunkel. Im Karree mit drei Punkthäusern mit neun Geschossen und einem Wohngebäude mit fünf Geschossen gibt es 164 Wohnungen. Die Bayern Versicherung Lebensversicherung AG hat kürzlich einen Antrag auf Vorbescheid bei der LBK eingereicht. Zwei sechsgeschossige Neubauten sollen im Innenhof errichtet werden: Da der BA Schwabing West protestiert hatte, sind es statt 100 Wohnungen etwas über 50. die Kita entfiel, hinzu soll eine neue Tiefgarage kommen. Eine Sprecherin der Bayern Versicherung verwies auf die Reduktion der Bebauungspläne, um Grünflächen zu erhalten. 20 Bäume müssten immer noch gefällt werden, aber es gäbe Ersatzpflanzungen.4

  1. Zum Unternehmen siehe: https://lebensversicherung-widerrufen24.de/adresse/bayern-versicherung-lebensversicherung-kontakt/ []
  2. Draxel, Ellen, Die nächste Baustelle, in SZ 30.7.2020 [] [] []
  3. Draxel. Ellen, Fällung, Verdichtung, Vertreibung, in SZ 19.10.2020 []
  4. Draxel, Ellen, Kampf ums Tageslicht, in SZ 18.1.2022)
    Angesichts der Zerstörungen der Bayern Versicherung Lebensversicherung AG, einer Tochter der Versicherungskammer Bayern, in der Herzogstraße 84 und im Karree Karl-Theodor-Straße, darf daran erinnert werden, dass man Versicherungen auch wechseln kann.

    Umplanung. Die Bayern Versicherung Lebensversicherung hat nach Protesten von Mietern und des BA Schwabing-West die Nachverdichtungspläne etwas reduziert. Statt 100 Wohnungen sollen es nun 50 werden, die Kita entfällt, und Altmietern soll wegen dem Umbau nicht gekündigt werden. Mitte 2024 soll der Umbau beginnen. Der BA hat wieder abgelehnt, da über 1000 qm versiegelt und 20 große Bäume gefällt würden. Die LBK hat dagegen (unter Berufung auf den berüchtigten § 34 des Baugesetzbuches) zugestimmt. ((Draxel, Ellen, Schutz vor lukrativer Vermarktung, in SZ 18.7.2022 []

Objekt-Nr. 14900

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