Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Mieter in München

M
Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Münchner Sonderregeln zur Mietbegrenzung. Eine Stadt darf keine Miet-Obergrenze festlegen; München versucht deshalb mit Sonderregeln, die Explosion der Mieten einzudämmen. Ein Mehrfamilienhaus von 1967 in Bogenhausen mit 327 qm sollte einem Neubau mit 506 qm weichen. Das Münchner Sozialreferat teilte der Eigentümerfamilie mit, dass für den Neubau eine Mietobergrenze von fünf Prozent über dem Mietspiegel gilt: Das wären weniger als zwölf Euro pro qm. Damit rentiere sich laut dem Bauherrn der Neubau nicht, bei dem über 20 Euro/qm verlangt werden könnten. Die Eigentümer verklagen nun die Stadt. Rudolf Stürzer von Haus + Grund sieht Bundesrecht verletzt, da für Neubauten u. a. hohe energetische Anforderungen bestünden, die nicht über den Mietspiegel zu realisieren seien. Beim Abbruch eines Mietshauses erteilt das Sozialreferat Auflagen, die vom Stadtrat im Oktober 2019 zum 1.1.2020 verschärft wurden. Bei einem Abriss müssen Mietwohnungen wieder durch Mietwohnungen ersetzt werden. Dorothee Schiwy, Münchner Sozialreferentin, begründet das Vorgehen mit der Realität: „Der Verlust von günstigem Wohnraum in Innenstadtlagen verändert Zug um Zug ganze Viertel.“ [1]

Immer mehr vom Einkommen für die Miete. Der Mieterverein München hat bei der RIM Marktforschung GmbH eine Umfrage in Auftrag gegeben: 705 Haushalte wurden im Herbst 2020 befragt. Inzwischen müssen 40 Prozent der Münchner Mieter über 35 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufbringen, 19 Prozent sogar über 45 Prozent. Und jeder sechste Mieter befürchtet eine Kündigung wegen Eugenbedarf. [2]

Fußnoten und Quellen

  1. Hutter, Dominik, „Das hat drastische Auswirkungen“, in SZ 22.6.2020
  2. Hoben, Anna, Was nach der Miete übrig bleibt, in SZ 19.11.2020
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Nicht angemeldet > Anmelden