Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Wärmepumpen

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert am 2.10.2022

Aus Wikipedia: „Eine Wärmepumpe ist eine Maschine, die unter Aufwendung von technischer Arbeit thermische Energie aus einem Reservoir mit niedrigerer Temperatur (in der Regel ist das die Umgebung) aufnimmt und – zusammen mit der Antriebsenergie – als Nutzwärme auf ein zu beheizendes System mit höherer Temperatur (Raumheizung) überträgt.
Der verwendete Prozess ist im Prinzip die Umkehrung eines Wärme-Kraft-Prozesses, bei dem Wärmeenergie mit hoher Temperatur aufgenommen, teilweise in mechanische Nutzarbeit umgewandelt und die Restenergie bei niedrigerer Temperatur als Abwärme abgeführt wird, meist an die Umgebung.
Das Prinzip der Wärmepumpe verwendet man auch zum Kühlen (so beim Kühlschrank), während der Begriff „Wärmepumpe“ nur für das Heizaggregat verwendet wird. Beim Kühlprozess ist die Nutzenergie die aus dem zu kühlenden Raum aufgenommene Wärme, die zusammen mit der Antriebsenergie als Abwärme an die Umgebung abgeführt wird.“ –
Geht es um die Bauart einer Wärmepumpe, sind heute zwei Varianten erhältlich. Der größte Teil aller Umweltheizungen wird als Monoblockwärmepumpe hergestellt. Dabei befinden sich alle für den Betrieb benötigten Komponenten (Bsp.: Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger, Expansionsventil) in einer kompakten Einheit, die sich im Innen- oder im Außenbereich aufstellen lässt.“
Zur Bauart: „Luft-Wärmepumpen sind darüber hinaus auch in der von Klimageräten bekannten Splitbauweise erhältlich. Sie bestehen dabei aus mindestens einer Außen- sowie einer Inneneinheit, welche durch Kältemittelleitungen miteinander verbunden sind. Die Außeneinheit enthält den Ventilator, den Verdampfer sowie den Verdichter und damit alle Bauteile, die im Betrieb Geräusche verursachen. In der Inneneinheit befinden sich hingegen nur der Verflüssiger und das Expansionsventil. Außerdem enthält die Inneneinheit die erforderliche Technik, um die Anlage an das übrige Heizsystem anzuschließen. Sie arbeitet besonders leise und lässt sich daher nahezu überall installieren.“ (Wikipedia)

Vonovia heizt jetzt auch. In einer ehemaligen Krupp-Siedlung mit Werkswohnungen, die jetzt Vonovia gehört, wird bislang mit Erdgas-Brennwertthermen geheizt. Vonovia will 81 Wohnungen auf Ökostrom und Wärmepumpen umstellen. Eine Heizzentrale soll 60 bis 70 Prozent der nötigen Wärme erzeugen. Dazu sind jährlich rund 700.000 Kilowattstunden Strom nötig: Ein Drittel soll mit Photovoltaik auf den Dächern gewonnen werden, zwei Drittel müssen zugekauft werden. Mit überschüssigem Strom wird über einen Elektrolyseur Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt; eine Brennstoffzelle erzeugt mit dem Wasserstoff Wärme und Strom. Als Back-up für Notfälle steht eine Brennwerttherme bereit.
Vonovia entwickelt ein neues, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell: als Energieversorger. Schon bisher waren intransparente Nebenkostenabrechnungen für die Vonovia-Mieter ein Problem (siehe oben): Die Abrechnung über die zur Verfügung gestellte Wärme wird für Mieter noch undurchschaubarer. Vonovia hat den 81 Wohnungsmietern in Bochum zugesagt, dass die Kosten ihrer Wärmeversorgung nicht steigen: Andererseits ist dies ein Pilotprojekt, das irgendwann großflächiger Anwendung finden soll. [1]
Nachtrag September 2021: Vermieten, heizen, Strom verkaufen. Vonovia-Vorstandsvorsitzender Rolf Buch stellte die tausendste Photovoltaik-Anlage auf einem Vonovia-Dach vor. Derzeit erzeugt Vonovia über 15 Millionen kWh pro Jahr; damit könnten im Durchschnitt fast 5000 Haushalte versorgt werden. Bis 2030 soll die Kapazität der PV-Anlagen für 240 Millionen Euro verzehnfacht werden. Bis zum Jahr 2050 sollen auf etwa 30.000 Dächern eigene PV-Anlagen installiert werden. Mit dem Ökostrom könnten Wärmepumpen für Heizzwecke betrieben werden oder mit Wasserstoff eine Brennstoffzelle (siehe oben). In der Tendenz vermietet ein Wohnungskonzern dann nicht nur Wohnungen, sondern verkauft den Mietern auch Strom und Wärme. [2]
Interessant ist die Frage, ob auch eine Investition in die Energieversorgung eigener Immobilien mit acht Prozent auf die Mieter umzulegen ist.

Wer kann es? Wärmepumpen können laut einem Hamburger Energieberater das Wasser im Heizkreislauf auf maximal 50 Grad Celsius erwärmen: Damit funktionieren Fußbodenheizungen oder Flächenheizkörper, aber nicht die Rippenheizkörper. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe, Martin Sabel, geht von sieben Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis zum Jahr 2030 aus, fügt aber an, dass sich derzeit nur etwa zehn Prozent der 50.000 Sanitär- und Heizungs-Betriebe mit Wärmepumpen auskennen. [3]

Jede zweite Heizung. Das Statistische Bundesamt meldete am 24.6.2021, dass der Anteil der Heizungen in Neubauten, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, im Jahr 2020 bei 68,8 Prozent lag. Hierzu zählen Wärmepumpen (Geothermie oder Umweltthermie) Solarthermie, Holz, Biogas/Biomethan sowie sonstige Biomasse. Wärmepumpen wurden in 45,8 Prozent der Neubauten als Primärenergiequelle genutzt. [4]
Im Jahr 2019 lag der Anteil von Elektrowärmepumpen bei 2,6 Prozent. (Gas 49,5 Prozent, Heizöl 25,0 Prozent, Fernwärme 14,1 Prozent) [5]

Wie effizient? Im Koalitionsvertrag der Ampel von 2021 steht, dass ab 2025 nur noch Heizungen verbaut werden dürfen, die mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien verwenden. Der Wert soll von Wärmepumpen leicht erreicht werden. Im Jahr 2020 lag der Anteil der erneuerbaren Energie bei der Stromerzeugung in Deutschland bei 44,5 Prozent. [6] Mit einer Kilowattstunde können drei bis fünf Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Etwa 80 Prozent sind Luft-Luft-Wärmepumpen, die ihre Heizenergie aus der Wärmedifferenz der Umgebungsluft gewinnen. Der Ersatz einer Gasheizung durch eine Wärmepumpe bringt bis zu 40 Prozent Zuschuss; beim Ersatz einer Ölheizung sind es bis zu 50 Prozent. [7]

Klimaschädliche Kältemittel. Bis 2030 sollen laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüner) vier bis sechs Millionen Wärmepumpen neu in Betrieb genommen werden. Heute werden noch meist klimaschädliche fluorierte Kältemittel wie R410A verwendet. Laut Diana Thalheim vom UBA können im Betrieb jährlich etwa 2,5 Prozent der Füllmenge von bis zu zwei Kilogramm in die Umwelt gelangen, das wären 50 Gramm. Bei einem Faktor 2000 im Vergleich zum CO2 entspräche dies 104 kg CO2. Beim Kältemittel R32 ist der Treibhauseffekt ein Drittel vom R410A. Noch weniger klimaschädlich ist Propan (R290), das aber brennbar ist. Die Bundesregierung fördert derzeit den Heizungstausch auf Wärmepumpen mit bis zu 50 Prozent, ungeachtet des Kältemittels. Ab Ende 2024 soll hier eine Überprüfung einsetzen. [8]

Unreparierbare Stromfresser? 2021 wurden Förderanträge in Höhe von 572 Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium bewilligt. Aktuell sind etwa eine Million Anlagen in Betrieb. 2030 rechnet man mit sechs Millionen. Der Ersatz einer Ölheizung durch eine etwa 30.000 Euro teure Wärmepumpe wird mit bis zu 45 Prozent staatlich gefördert. Der Spiegel listete im März 2022 die aktuellen Mängel bei der Wärmepumpentechnik auf: falsche Planung des Geräts bzw. des Wasseraufbewahrungstanks, Probleme bei älteren Gebäuden mit den lediglich zu erreichenden 50 Grad Celsius, hohe Strompreise, überflüssige Bauteile, überforderte Handwerker, überforderte Betreiber, knapper Ökostrom. Insgesamt rechnet der Experte Frank-Rolf Roth aktuell mit 98 Prozent ineffizient arbeitenden Geräten. [9]

Technische Hilfen für Wärmepumpen. Beheizte Fußböden, Wände und Decken funktionieren meist bei 30 Grad Celsius. Bei Vorlauftemperaturen von über 55 Grad Celsius braucht eine Wärmepumpe eine zusätzliche Heizquelle. Zunächst sollte das Gebäude energetisch saniert werden. Dann sollte man den bisherigen Heizkessel auf einen Maximalwert von 55 Grad einstellen und testen, ob die Wärme ausreicht. Ist dies nicht der Fall, könnte als „Beihilfe“ der bisherige Kessel in Reserve gehalten werden. Dies gilt auch für sehr kalte Tage, an denen der Betrieb einer Wärmepumpe rasch ineffizient wird. [10]

Münchner Stadtwerke beraten. Wärmepumpen stellen den Hauptteil der Energieberatungszeit der SWM dar. Eine Eins-zu-Eins-Umstellung auf Wärmepumpen funktioniert nicht immer, da hierzu eine Fußbodenheizung oder angepasste Heizkörper nötig sind. Durch lange Lieferzeiten kann es zu Umrüstungszeiten von bis zu zwei Jahren kommen. [11]

Auf dem Vormarsch. Aktuell sind etwa eine Million Wärmepumpen im Einsatz, bis 2030 sollen es sechs Millionen werden. Ab 2024 will die Bundesregierung den Ausbau auf 500.000 Geräte pro Jahr steigern. Die Dena hatte etwa 500 Energieberater befragt. 80 Prozent der Energieberater empfehlen Wärmepumpen, zu 70 Prozent raten sie zu einer Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher. 57 Prozent der Energieberater sehen das größte Hindernis in einem ungenügenden energetischen Zustand des Gebäudes. Laut Dena gibt es kein Nachfrage-, sondern ein Angebotsproblem, dazu einen akuten Facharbeitermangel. [12]

Formular-Desaster. Vonovia-Chef Rolf Buch berichtete im SZ-Interview, dass 70 Prozent aller Wärmepumpen, die sein Konzern seit 2021 eingebaut hat, noch nicht an den Strom angeschlossen sind. Dieser Anschluss muss vom lokalen Stromversorger genehmigt werden, um einen Zusammenbruch des Netzes zu verhindern. Von 900 deutschen Stadtwerken habe fast jedes eigene Formulare und fragt andere Informationen ab. Deshalb warte Vonovia oft monatelang auf eine Antwort. [13]

Fußnoten und Quellen

  1. Müller-Arnold, Benedikt, Bochumer Energiewende, in SZ 13.3.2021
  2. Müller-Arnold, Benedikt, Zwei Zimmer, Küche, Kraftwerk, in SZ 22.9.2021
  3. Asendorf, Dirk, Wärmewende, hausgemacht, in Die Zeit 18.11.2022
  4. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/06/PD21_296_31121.html
  5. Jung, Alexander, Die Altbau-Falle, in Der Spiegel 5/29.1.2022
  6. https://energiestatistik.enerdata.net/erneuerbare-energien/erneuerbare-anteil-in-strom-produktion.html
  7. Diermann, Ralph, Die Heizung der Zukunft, in SZ 8.1.2022
  8. Diermann, Ralph, Kälte zum Heizen, in SZ 19.2.2022
  9. Jauernig, Henning, Heimliche Stromfresser, in Der Spiegel 12/19.3.2022
  10. Diermann, Ralph, Runter vom Gas, in SZ 19.3.2022
  11. Kramer, Lea, München giert nach Wärmepumpen, in SZ 12.7.2022
  12. Jauernig, Henning, Woran es bei Wärmepumpen gerade hakt, in spiegel.de 18.8.2022
  13. Radomsky, Stephan, „Die Löhne müssen steigen, und zwar spürbar“, in SZ 24.9.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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