Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Schwammstadt

S
Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Schwammstadt oder (englisch) Sponge City ist ein Konzept der Stadtplanung, anfallendes Regenwasser in Städten lokal aufzunehmen und zu speichern, anstatt es lediglich zu kanalisieren und abzuleiten. Dadurch sollen Überflutungen bei Starkregenereignissen vermieden bzw. verringert, das Stadtklima verbessert und die Gesundheit von Stadtbäumen gefördert werden. (…)
Durch den hohen Grad an Flächenversiegelung in modernen Großstädten wird das meiste Niederschlagswasser über die Kanalisation abgeleitet. Bei Starkregen müssen daher hohe Abflussmengen transportiert werden, bei Überlastung des Kanalnetzes kann es bisweilen zu urbanen Sturzfluten kommen. In der warmen Jahreszeit entstehen urbane Hitzeinseln. Bei langanhaltender Trockenheit heizen die versiegelten Flächen, Beton-, Stahl- und Glasfassaden die Stadt zusätzlich auf, ohne dass verdunstendes Wasser für Kühlung sorgen kann. (…)
Mit dem Konzept Schwammstadt soll Regenwasser dort zwischengespeichert werden, wo es fällt. Umwelttechnische und landschaftsarchitektonische Infrastruktur dafür sind etwa versickerungsfähige Verkehrsflächen und Pflaster, Mulden, Rigolen, urbane Grünflächen und Feuchtgebiete. Durch Elemente grüner Infrastruktur wie Bäume, Fassadenbegrünung und Dachbegrünung kann ein Teil des Wassers verdunsten und so zur Kühlung der Stadt beitragen. Ein weiterer Teil kann versickern. Somit wird das Kanalnetz entlastet.“ (Wikipedia)

Berliner Speicher. Ein Großtank an der Chausseestraße mit knapp 17.000 Kubikmeter Inhalt soll Regenwasser bei Unwettern aufnehmen und zurückhalten, bis die Klärwerken wieder aufnahmebereit sind. Der neue Speicher hat ein Einzugsgebiet von 750 Hektar. Der Leiter der Berliner Abwasserableitung, Andreas Irmer, plädiert für das Konzept Schwammstadt, bei dem möglichst viel Regenwasser lokal genutzt und gebunden wird. [1]

Globale Dürren und Überschwemmungen. Nach altbekannten Erkenntnissen der Klimatologen nehmen Extremwetterereignisse zu. In einer UBA-Studie hat nur die Hälfte der deutschen Großstädte hierfür eine Klimaanpassungsstrategie. Als Lösung gikt die Schwammstadt, bei der Verkehrsflächen entsiegelt und Grünflächen angelegt werden, damit bei Starkregenfällen lokal möglichst viel Wasser aufgenommen und gespeichert werden kann. Berlin liegt aktuell bei 35 Prozent Versiegelungsfläche, Hamburg bei 39 und München bei 44 Prozent.
In Städten wie Las Vegas oder Peking existiert durch den hohen Wasserverbrauch kein Grundwasser mehr. In China leben 18 Prozent der Weltbevölkerung: Dort gibt es aber nur sieben Prozent der weltweiten Wasservorräte. 2015 hat die chinesische Regierung deswegen ein Schwammstadt-Konzept für 30 Pilotstädte installiert: Bis 2030 sollen dort 80 Prozent des Regenwassers lokal gespeichert und wiederverwendet werden. In Kopenhagen hat die Stadtverwaltung im Stadtviertel Sankt-Kjelds-Platz 35.000 qm Beton und Asphalt entfernen lassen und zu Regenwasserschutzgebieten umgewidmet. Die Slow-Water-Bewegung geht davon aus, dass Wasser nicht besiegt werden kann: Eine Lösung besteht im natürlichen Fluss. Deshalb sind künstliche Bauwerke wie Kanäle, Dämme und Stauseen keine Lösung. [2]

Vgl. auch: Versiegelung

Fußnoten und Quellen

  1. Jacobs, Stefan, Riesiger Speicher soll die Spree schützen, in tagesspiegel.de 22.8.2022
  2. Thadeusz, Frank, Das erratische Element, in Der Spiegel 37/10.9.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Nicht angemeldet > Anmelden