Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Karstadt am Nordbad

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Schwabing, Schleißheimer Straße 93. Karstadt hat das Haus am Nordbad im Jahr 1968 selbst geplant und gebaut. „Am 27. März 2006 wurde das Goldman-Sachs-Immobilienunternehmen Whitehall mit 51 % Konsortialführer und übernahm gegenüber den 49 % der KarstadtQuelle AG die alleinige Geschäftsführungsbefugnis der Highstreet Holding. (…) Die Highstreet Holding GbR ist ein Immobilien-Konsortium, dessen einziger Geschäftszweck der Besitz und die Vermietung der Warenhäuser des deutschen Warenhaus-Unternehmens Karstadt seit 2006 ist.“ (Wikipedia) Die Arcandor AG (bis 2007 KarstadtQuelle AG) ging 2009 in Insolvenz. Im August 2019 hat die Highstreet Holding GbR Karstadt am Nordbad an die Ariston Grundbesitz GmbH & Co. 8 Beteiligungs KG München als Erbpachtnehmerin verkauft. Zu dem Zeitpunkt hatte Karstadt noch einen Mietvertrag bis 2026 plus eine Option von 15 Jahren. Bedingt durch die Corona-Pandemie bezahlte die inzwischen zur Signa Holding gehörende Galeria KarstadtKaufhof seit April 2020 keine Miete mehr. Ende Oktober 2020 wurde das Gebäude geräumt, dann abgerissen.
Der Neubau auf den 6200 qm ist mit sechs Stockwerken doppelt so hoch und wird 30.000 qm Büro- und Gewerbeflächen haben, dazu eine Tiefgarage mit drei Geschossen und rund 370 Stellplätzen plus einen Markt mit 2500 qm und einer Kita. Baubeginn war im Herbst 2021, bezugsfertig ist der Neubau 2024. Wohnungen sind nicht vorgesehen: Dies bemängelt der BA sowie das erhöhte Verkehrsaufkommen. [1]

Bezahlbarer Wohnraum gefordert. Die regierenden Stadtratsfraktionen von Grünen/Rosa Liste und SPD/Volt forderten eine städtebaulich angemessene Neubebauung an der Schleißheimer Straße 93 mit bezahlbarem Wohnraum statt einer reinen Gewerbe- und Büronutzung mit etwa 1000 Arbeitsplätzen. [2]

Der Abriss. Ab 8.2.2021 begann der Abriss. Die Aristo Grundbesitz GmbH & Co. 8. Beteiligungs KG hatte die Münchner Firma Bergmann beauftragt. Geplant sind ein Supermarkt mit 2500 qm und Büros für 1000 Arbeitsplätze. Die Pläne stammten zunächst vom Architekturbüro Oliv GmbH Thomas Sutor. Später wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Die Bauvoranfrage lag seit Längerem bei der LBK. Der BA 4 Schwabing-West hat die Pläne abgelehnt und präferierte nach wie vor Wohnungen statt Büros. [3]

„Gemischt genutzter Stadtbaustein“. So hat die Stadtplanung den Ersatzbau bezeichnet. In der Planung sind pro Arbeitsplatz zwei qm Fläche mit Erholungscharakter vorzusehen. Den ersten Entwurf hat der BA Schwabing-West akzeptiert. Da das Planungsreferat aufgrund der guten Anbindung an den ÖPNV möglichst wenig Kurzzeitparkplätze will, musste Ariston umplanen. [4]

Architekturwettbewerb entschieden. Das Münchner Büro Schluchtmann Architekten gewann den Wettbewerb für den Neubau – vor den Münchner Büros Allmann Sattler Wappner, Henn Architekten und Oliv Architekten. Zwölf Büros aus Europa hatten sich beteiligt. Der erste Preis zeigt eine Orangerie auf dem Dach. Darunter werden 1000 Arbeitsplätze mit rund 28.000 qm Bürofläche geplant – plus einer Markthalle im Erdgeschoss und Gewerbeflächen im ersten Untergeschoss. Darunter wird eine Tiefgarage mit 377 Stellplätzen gebaut, davon sind 100 für Anwohner. Der BA hatte Wohnungen gefordert, das Planungsreferat dies aus rechtlichen Gründen abgelehnt. [5][6]

Fußnoten und Quellen

  1. Draxel, Ellen, Waren raus, in SZ 9.10.2020; Ein Schnellschuss ist unerwünscht, in SZ 23.10.2020
  2. Draxel, Ellen, Ein Schnellschuss ist unerwünscht, in SZ 23.10.2020
  3. Die Bagger kommen, in SZ 23.1.2021
  4. Draxel, Ellen, Neuer Publikumsmagnet, in SZ 4.5.2021
  5. Dürr, Alfred, Ein Wald über Schwabing, in SZ 15.11.2021
  6. Karowski, Sascha, Der Gaten-Bau: Sieger-Entwurf für Areal Karstadt Nordbad sieht grünes Dach mit Café vor, in tz.de 14.11.2021
Objekt-Nr. 14720

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