Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Apple

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 4.10.2022

Apple ist seit 40 Jahren in München und hat in München sein größtes europäisches Entwicklungszentrum. 2015 hat der IT-Konzern das Bavarian Design Center 2015 nahe am Hauptbahnhof in München gegründet. Anfang 2020 gab Apple bekannt, seine Belegschaft von derzeit 300 um weitere 1500 aufzustocken, für die bereits Büroraum angemietet wurde. [1] 2021 kann Apple das neue Bürohaus Karl in der Karlstraße 77 bis 79 mit 30.000 Quadratmetern beziehen. Hier wird vermutlich auch der 5G-Standard in Apple-Geräte implantiert. „Tim Cook könnte man fast als Fan der bayerischen Hauptstadt bezeichnen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) schwärmte er von den Vorteilen in München: Man könne hier ein Team beschäftigen, wie man es anderswo nicht zusammenstellen könnte, mit Talenten die man anderorts nicht finde. Damit bezog sich der Apple-CEO auf die Absolventen der beiden ortsansässigen Elite-Hochschulen Technische Universität München (TUM) und Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Auch der im internationalen Vergleich niedrige Mietpreis der bayerischen Hauptstadt ist ein Standortvorteil, den sich zahlreiche Global Player zu Nutze machen: Neben Alphabet und Apple sind hier die Deutschland-Zentralen von beispielsweise Microsoft und Amazon ansässig.“ [2]

Kein Zwang für Werkwohnungen. In Apples 1500 neue Mitarbeiter auf dem ehemaligen Mahag-Gelände in der Maxvorstadt sahen die Grünen im BA deshalb neue „1500 Gut- und Topverdiener“, welche die Wohnungsnot weiter vergrößern werden. Deshalb wollen die Grünen von der Stadt wissen, warum diese nicht Apple und andere Unternehmen auffordert, sich am Wohnungsbau zu beteiligen. Die Planungsbehörde antwortete, dass Unternehmen zum Bau von Werkwohnungen in gewissen Grenzen verpflichtet werden können, wenn Gewerbeflächen über einen Bebauungsplan ausgewiesen oder erweitert werden. [3]

Zuwanderung durch IT. Oliver Falck vom ifo-Institut prognostiziert durch die vielen IT-Ansiedlungen einen „neuen Schub an Zuwanderung“. Die BN-Kreisgruppe München sieht in den vielen Bautätigkeiten in München „eine Gefahr für die letzten Grünflächen und Frischluftschneisen“. Kreisvorsitzender Christian Hierneis äußerte: „Ohne einen wirklich langfristigen und vor allem nachhaltigen Entwicklungsplan für die Stadt können wir nicht einfach so weitermachen.“ [4]

IT-Standort München. Die Stadt und ihr Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) holen wie verrückt neue Großkonzerne und IT-Unternehmen nach München: Amazon, Apple, Google, IBM, Microsoft. Zu Apple äußerte Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner: „Der Ausbau von Apple ist Teil einer Strategie. Mit IBM-Watson, Google, Microdsoft und Amazon Web Services haben wir alle fünf großen Player in der Stadt.“ [5]

Freistaat vergibt an Apple. Das seit 2017 nicht genutzte staatliche Grundstück Seidlstraße 15 – 17 in der Maxvorstand gehört seit 1989 dem Freistaat Bayern und wird sehr wahrscheinlich an Apple verkauft oder in Erbpacht vergeben. Apple und Bayerns Immobilien-Gesellschaft Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) verhandelten seit Mitte Februar 2022. „Die Immobilien Freistaat Bayern ist als kaufmännisch eingerichteter Staatsbetrieb gem. Art. 26 BayHO Teil der Staatsverwaltung des Freistaates Bayern. Als solcher ist sie – mit einigen Ausnahmen – als Dienstleistungsunternehmen des Freistaates Bayern zuständig für die Verwaltung der landeseigenen Immobilien. (…) Die Immobilien Freistaat Bayern unterstützt die Behörden des Freistaates Bayern als zentraler staatlicher Dienstleister in Fragen des Immobilienmanagements und wendet sich mit ihrem Immobilienangebot an Kommunen, an die Wirtschaft und an Private.“ [6]
Vorläufig schwieg sich Söders Staatskanzlei noch aus. Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) kann „nicht kommentieren“. Da Apple bereits den neuen Bürokomplex Karl mit 30.000 qm angemietet, dazu an der Denisstraße 3a im Komplex Lichthöfe 9000 qm hat (siehe oben). Insgesamt hätte Apple dann rund 60.000 qm: Bei 20 qm pro Arbeitsplatz (ungeachtet von Home Office) hätte Apple dann Büroraum für mindestens 3000 Arbeitsplätze. München soll Apples Europazentrum für Chipdesign werden. [7]
Sebastian Krass forderte in einem SZ-Kommentar, dass der Grundstücksdeal mit Apple öffentlich diskutiert wird. Interessant wäre für München auch, ob der Apple-Konzern, der für seine „Steuervermeidungsstrategien“ bekannt ist, überhaupt Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt abfallen würde. Und ob der Freistaat ohne öffentliche Ausschreibung sein Areal an Apple vergibt. [8]

Bayerische Ministerien grätschen dazwischen. FDP-MdL Sebastian Körber hat bei der Staatsregierung nachgefragt: Die IMBY hat eine „Staatsbedarfsprüfung“ gemacht, und das Innenministerium und das Wissenschaftsministerium haben beide Interesse an der Seidlstraße 15 bis 19. Apple hatte im Februar 2022 mit Unterstützung der LH München sein Interesse geäußert. Hier könnten 20.000 qm Bürofläche für etwa 1000 Arbeitsplätze entstehen. Pikant: Das Innenministerium hat 2019 teuerst 12.000 qm für 15 Jahre in der früheren Linde-Zentrale am Oberanger/Klosterhofstraße zu Preisen von geschätzt 35 bis 40 Euro angemietet – das entspricht einer Monatsmiete von 420.000 bis 480.000 Euro. MdL Körber sieht hier ein dilettantisches Vorgehen der IMBY: „Der Freistaat hat sein Liegenschaftsmanagement nicht im Griff.“ Hinzu kommt, dass Apple das Grundstück direkt und ohne Ausschreibung bekommen soll, obwohl beim Verkauf von Grundstücken im Staatsbesitz eine öffentliche Ausschreibung vorgeschrieben ist. [9]
Interessant wird, wie das Innenministerium überhaupt aus einem noch bis 2034 laufenden Mietvertrag aussteigen kann: Auch das wird nicht billig.

Chipperfield plant Apple-Bau. Das „Karl“ in der Karlstraße wird vom Büro David Chipperfield geplant. Apple-Konzernherr Tim Cook besuchte wieder einmal das Oktoberfest, aber auch natürlich den Apple-Neubau Karl. 2000 Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten am Standort München, dem größten Entwicklungsstandort von Apple in Europa: Der Konzern hat hier über eine Milliarde Euro investiert. Apple-Mitarbeiter bevorzugen München wegen der hohen Lebensqualität, dazu gibt es einen hohen Standard der Hochschulausbildung. Mit der TU München kooperiert Apple bei einigen Entwicklungen. Apple entwickelt auch auf dem Gebiet Hardware immer mehr Chips und Prozessoren selbst, wenn diese einen Vorsprung gegenüber Konkurrenten gewährleisten. [10]

Vgl.: Isar Valley; Promi-Architektur

Fußnoten und Quellen

  1. Krass, Sebastian, Niewel, Gianna, In bester Lage, in SZ 10.3.2020
  2. https://www.invest-in-bavaria.com/blog/beitrag/apple-standort-muenchen-waechst-weiter; 27.2.2020; Hervorhebung WZ
  3. Mühleisen, Stefan, Eine Frage der Freiwilligkeit, in SZ 29.7.2020; Bode, D., Effern, H., Hoben, A., Hoffmann, C., Apple hat noch mehr Lust auf München, SZ 11.3.2021
  4. Bode, D., Effern, H., Hoben, A., Hoffmann, C., Apple hat noch mehr Lust auf München, SZ 11.3.2021
  5. Bode, D.,Effern, H., Hoben, A., Hoffmann, C., Apple hat noch mehr Lust auf München, SZ 11.3.2021
  6. https://www.immobilien.bayern.de/ueberuns/index.html
  7. Krass, Sebastian, Apple plant riesiges Zentrum in München, in SZ 1.3.2022
  8. Krass, Sebastian, Macht die Debatte öffentlich!, in SZ 1.3.2022
  9. Krass, Sebastian, Apple bekommt Konkurrenz, in SZ 6.4.2022
  10. Martin-Jung, Helmut, Apple setzt auf München, in SZ 29.9.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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