Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Argenta

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Seit 1978 ist die Bauträgerfirma Argenta in München aktiv und hat u. a. die Wohnanlagen Asam-Hof, Karl-Albrecht-Hof und Kurfüstenhof (Europäischer Architektenpreis) gebaut.
Aus einem Interview mit Argenta-Eigentümer Helmut Röschinger in der SZ: München war in dem späten 80er Jahren bei Investoren sehr beliebt. Nach der Wiedervereinigung waren die Investoren auch aufgrund der staatlichen Unterstützung dann in den neuen Bundesländern aktiv.
Ab 1990 setzte der rotgrüne Stadtrat auf restriktive Maßnahmen. OB Georg Kronawitter (SPD) wollte keine Grünflächen zubauen, keine neuen Arbeitsplätze mehr in die Stadt holen und sprach vom „Dampfkessel“ München, aus dem man Druck ablassen müsse. 1991/1992 wurde kein Quadratmeter Gewerbefläche neu ausgewiesen. OB Christian Ude hat wieder Arbeitsplätze in die Stadt geholt. „Heute findet man als Investor wieder offene Ohren in der Stadt.“ Das Schwabinger Großprojekt „Neusser Straße“ (später „Parkstadt Schwabing“) wurde zwischen 1988 und 1993 wiederholt abgelehnt. Ude gab grünes Licht, 1994 wurde der Wettbewerb entschieden. Die Münchner Verwaltung hat erkannt, dass Baurecht nicht von der Kommune gnädig gewährt wird: Baurecht ist „ein Instrument der Wirtschaftspolitik und des Städtebaus.“ Als die Münchner Zentrale der US-Computerfirma Oracle ein größeres Grundstück suchte, ist Röschinger zu Ude gegangen: In vier Monaten war der Bebauungsplan für das Grundstück geändert und gleichzeitig das Baugenehmigungsverfahren vollzogen. [1]

Oktober 2015: Microsoft in die Parkstadt. Die Parkstadt Schwabing sollte besser Park-Stadt Schwabing heißen: Ein großer Bürokomplex nach dem anderen entsteht, und die Beschäftigte parken oberirdisch. Nun kommt die neue Deutschlandzentrale von Microsoft auf einem Grundstück von 10.455 qm an der Anni-Albers-Straße, zwischen der Oskar-Schlemmer-Straße und der Walter-Gropius-Straße hinzu. Die LH München rief HIER, und schon zieht Microsoft in den von Alt-OB Georg Kronawitter so benannten „Dampfkessel“. Neben Microsoft sind u. a. Amazon, Osram, Fujitsu, Arri in der Parkstadt.
„Der Festmietvertrag von Microsoft mit dem Projektentwickler Argenta läuft bis 2032: Festmietvertrag bis 2032 mit Microsoft über 26.000 m², weitere Mietflächen von 5.360 m² befinden sich derzeit in Vermietung durch ARGENTA. [2]
In Unterschleißheim beschäftigte Microsoft um die 1800 Beschäftigte, in München sollen 1900 Mitarbeiter tätig sein. Die Stadt handelte mit Argenta einen Parkplatz-Kompromiss aus: statt 550 nur 450 Parkplätze. In der Tiefgarage können 360 Autos parken. Microsoft hat aber 750 Firmenfahrzeuge. Ein drittes Tiefgeschoss war Microsoft zu teuer: Nun parken die anderen Fahrzeuge von Microsoft auf einem oberirdischen Grundstück. Argenta-Chef Helmut Röschinger verkaufte dies als „Übergangslösung“, weil Microsoft in fünf Jahren seine Mitarbeiter von den Dienstwagen entwöhnen will. Der neue Parkplatz soll begrünt und mit Kübelbäumen versehen werden. [3]

Amazon in die Parkstadt. Argenta ist größter Grundstückseigentümer in der Parkstadt Schwabing und wollte dort zunächst 800 Wohnungen bauen. Doch Argenta-Chef Helmut Röschinger plante um: Nun baut Argenta Ecke Anni-Albers-Straße/Lyonel-Feiniger-Straße für Amazon ein 6-7-stöckiges Haus mit 37.300 qm Geschossfläche.
Infos aus www.argenta.de, abgerufen 26.12.2020: „Das Büro- und Verwaltungsgebäude mit Läden des täglichen Bedarfs und gastronomischen Angeboten im Erdgeschoss wird an der Anni-Albers-Straße/Lyonel-Feininger Straße errichtet. In 2024 soll der neue Standort von Amazon offiziell eröffnet werden.“ Grundstücksgröße: 13.317 qm, Mietflächen: Bruttogrundfläche oberirdisch: ca. 37.300 qm, Bruttogrundfläche in 2 Untergeschossen: ca. 18.000 qm, Baubeginn Mai 2021, Fertigstellung voraussichtlich Anfang 2024. Der BA Schwabing-Freimann appellierte trotzdem mit einem Schreiben Mitte Juni 2020 an Argenta, doch noch Verhandlungen über das gestoppte Wohnungsbauprojekt weiterzuführen, „hier die dringend benötigten Wohnungen auf den letzten freien Grundstücken in der Parkstadt Schwabing zu errichten“. [4].
Vgl. Amazon
Neben dem Grundstück für Amazon hält Argenta noch drei weitere mit insgesamt 17.000 qm vor. Argenta-Chef Helmut Röschinger: „Wir planen, unsere Flächen zügig zu bebauen, sobald geeignete Nachfrage besteht.“ [5]

Container-Zentrum. Nach wie vor gibt es hier 12.000 Arbeitsplätze (Tendenz noch stark steigend, siehe oben) und 2500 Bewohner (nicht steigend, da 800 Wohnungen zugunsten von Gewerbeflächen gestrichen wurden). 77,4 Prozent der Haushalte in der Parkstadt Schwabing haben Kinder. Für sie hat das „Haus am Schuttberg“ ein von der Stadt gefördertes Übergangsprojekt in einem Container realisiert, da kein Familienzentrum existiert. 2017 wurde ein 60 Quadratmeter großes Modul dazugestellt: Das war das bisherige Familienzentrum. Die Gewofag will nun auf dem städtischen Grundstück Ecke Herbert-Bayer-Straße/Marianne-Brandt-Straße ein Gebäude mit 45 Wohnungen, eine Kita und ein Familienzentrum bauen, das 2026 fertig sein soll. [6]
Die Gewinne werden privatisiert, die sozialen Kosten sozialisiert.

Vgl.: Parkstadt Schwabing

Fußnoten und Quellen

  1. Knapp, Gottfried, „Das Klima in München hat sich ganz erheblich geändert“, in SZ 7.6.1996
  2. https://www.argenta.de/?page_id=330
  3. Mühleisen, Stefan, Fünf Jahre lang Parken, in SZ 1.10.2015
  4. Mühleisen, Stefan, Ein letzter Appell, in SZ 18.6.2020
  5. Mühleisen, Stefan, Eine Kleinstadt für die Hightech-Riesen, in SZ 16.9.2020
  6. Mühleisen, Stefan, Klein, aber oho,, in SZ 6.2.2021
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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