Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Botanikum

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Titelbild: © Wolfgang Zängl / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 9.6.2022

Das Botanikum liegt in Moosach an der Feldmochinger Straße 75 – 79.

Zur Historie. 1935 hatte der Großvater von Heinrich Bunzel eine Gärtnerei auf 20.000 Quadratmetern gegründet für Blumen und Gemüse. 1985 hat sein Enkel das Botanikum eröffnet: mit Künstlerateliers, einem Theaterplatz und Sommerfesten. Dazu kam das Geschäftsmodell Pflanzenverkauf und –verleih und Pflanzenüberwinterung. Bunzel war auch im Bereich Artfield tätig: Er pflanzte und säte große, aus der Luft erkennbare Botschaften und Bilder. Irgendwann wurde das Geschäft mit Blumen und Gemüse durch internationalen Preisdruck zu schwierig. So wurden die Glashäuser ab 1985 als Ateliers für 40 Künstler vermietet. Und alle zwei Jahre gab es ein Sommerfest. [1]

Ateliers in Gefahr. Östlich und westlich der Feldmochinger Straße zwischen Thorner, Thurgauer und Feldmochinger Straße in Moosach sollen auf zwei jetzt als Acker genutzten Flächen bis zu 600 Wohnungen entstehen. Das Botanikum an der Feldmochinger Straße 75 – 79 mit seinen als Ateliers genutzten Gewächshäusern ist ebenfalls im Umgriff des Planungsgebiets. Der bisherige Theatersaal soll irgendwie erhalten bleiben, kollidiert jedoch mit der Wohnraumnutzung. Seine ungeklärte Weiternutzung, so das Planungsreferat, darf aber nicht die „dringliche Wohnraumbeschaffung in München“ verzögern. [2]
Stand Mai 2022: Die Stadt plant derzeit rund 550 Wohnungen, Kitas, eine Grundschule und soziale Infrastruktur. Auf dem Areal des benachbarten Botanikums sind Ateliers und Veranstaltungsräume geplant. [3]

Neubaugebiet Botanikum. Auf einem Areal von 4000 Quadratmetern soll ein überregionales Jugendzentrum entstehen. Das Sozialreferat plant u. a. Übungs-, Veranstaltungs- und Gruppenräume und eine Gastronomie. Das Planungsgebiet in Moosach hat 9,1 Hektar, wovon 6,8 Hektar im Besitz der Stadt sind. [4] Ungeklärt ist, ob bestehende Gebäude genutzt werden können. Beidseits der Feldmochinger Straße (auf bisherigen Feldern) sollen bis zu 680 Wohnungen für etwa 1450 Bewohner geplant werden, dazu eine vierzügige Grundschule, Kitas, Arbeitsplätze und Freizeiteinrichtungen. [5]

Botanikum wird zur Ausgleichsfläche. Die etwa 30 Künstler und Handwerker müssen demnächst ausziehen: Der private Investor MünchenBau errichtet in der Nachbarschaft zwischen 550 und 600 Wohnungen, und das Botanikum-Areal wird als Ausgleichsfläche zur Wiese umfunktioniert. Der BA 10 Moosach unterstützt den Wunsch der Künstler, bis zum Baubeginn bleiben zu können, einige Ateliers zu erhalten und bezahlbare Werkstätten im Münchner Norden zu schaffen. Das Areal gehört zum größeren Teil einer privaten GmbH und zum kleineren Teil dem Enkel des Gründers der Gärtnerei, Heinrich Bunzel, der auch das Botanikum ins Leben gerufen hat. [6]

Abschiedsvorstellung. Ein Flyer von Botanikum-Künstlern verkündet die Offenen Ateliertage von 29 Ateliers vom 24.6. bis 26.6.2022: Es werden die „vermutlich die letzten sein vor dem geplanten Abriss unserer Gewächshausateliers.“ Es findet ein Performanceprogramm mit insgesamt 18 Künstler*innen und Musiker*innen statt.

Fußnoten und Quellen

  1. Buchwald, Sabine, Künstlerisches Biotop, in SZ 9.7.2015
  2. Naujokat, Anita, Fürs Botanikum wird es eng, in SZ 6.10.2020
  3. Naujokat, Anita, Harte Schale, weicher Kern, in SZ 19.5.2022
  4. Bebauungsplan Nr. 1740 Botanikum
  5. Naujokat, Anita, Ein zweites Feierwerk, in SZ 7.1.2021
  6. Stolz, Benjamin, Künstler müssen einer Wiese weichen, in SZ 25.5.2022
Objekt-Nr. 19200

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