Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Doblinger Unternehmensgruppe

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Hierzu gehören u. a. die DIBAG Industriebau AG und die Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern (WSB).

Aus Wikipedia, Doblinger Unternehmensgruppe: „Das Unternehmen übernahm im Jahre 1990 im Rahmen der Abwicklung des durch Managementfehler in eine Finanzkrise geratenen Immobilienkonzerns Neue Heimat mit Hilfe eines Bankenkonsortiums den bayerischen Teil ‚Neue Heimat Bayern‘ mit über 32.500 Wohnungen auf einen Schlag für knapp eine Milliarde Mark.“

Neue Heimat-Nachfolgegesellschaft. Die Neue Heimat Bayern hat als Nachfolgegesellschaft die Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH, München (WSB), die zur Gruppe der Doblinger Industriebeteiligungs KG, München gehört. Diese hatte im Sommer 1990 die über 32.500 Wohnungen der NH Bayern für 958 Millionen DM übernommen. [1]

Die WSB hat allein in München etwa 13.600 Wohnungen, in Bayern insgesamt fast 20.000. Im April 1990 hat die Doblinger Industriebeteiligung KG die Neue Heimat Bayern übernommen. Im Juli 1990 firmierte die Neue Heimat Bayern in Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH um. „Die WSB Bayern ist eine Tochtergesellschaft der Doblinger Beteiligung GmbH. Sie bildet mit der Bayerischen Städte- und Wohnungsbau GmbH die wohnungswirtschaftliche Säule der Doblinger Unternehmensgruppe.“ [2]

Mai 1990: Rot-grüne Stadtregierung. Seit Anfang Mai 1990 gibt es eine rot-grüne Rathauskoalition in München. In der Vereinbarung über eine „soziale und ökologische Orientierung der Stadtpolitik“ steht unter II. Mietrecht und Wohnungspolitik u. a.: „Der Mangel an Wohnungen, insbesondere an preiswertem Wohnraum die Explosion der Mieten und die Vertreibung aller Mieter aus ihrem angestammten Stadtteil stellen offenkundig das drängendste Münchner Problem dar. Eine Linderung ist nur möglich, wenn der Bund die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen von 30 Prozent auf 10 Prozent innerhalb von drei Jahren herabsetzt, ein Verbot der Umwandlungsspekulation (mit gemeindlichem Genehmigungsvorbehalt) und den Kündigungsschutz verbessert. Ebenso unverzichtbar ist die Mitwirkung des Freistaats, damit eine kommunale Auffanggesellschaft mit seiner Hilfe die 14.700 Münchner NH-Wohnungen dauerhaft als preiswerten Wohnraum sichern kann.“ [3]

Februar 1992: Neue Heimat-Nachfolgegesellschaft. Die Neue Heimat Bayern hat als Nachfolgegesellschaft die Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH München (BSW), die zur Gruppe der Doblinger Industriebeteiligungs KG, München gehört. Diese hatte im Sommer 1990 die über 32.500 Wohnungen der NH Bayern für 958 Millionen DM übernommen. [1]

Doblinger halbiert den Neue-Heimat-Kredit. Die BSW GmbH von Alfons Doblinger hat den Kauf der 32.611 Wohnungen der Neuen Heimat Bayern im Jahr 1990 für 958 Millionen DM bis auf ein Viertel verkraftet. Die BSW hat etwa 5000 Wohnungen weiterverkauft, tausend weitere sollen noch folgen. Die Mieteinnahmen der NH-Wohnungen lagen 1990 bei 160 Millionen DM, der Nettogewinn lag bei etwa 40 Millionen DM. [4]

August 1995: Doblinger ordnet um. Die DIBAG Industriebau AG machte den zwei Prozent freien Aktionären ein Abfindungsangebot. Die Nachfolgeorganisation BSW hat 1994 noch einmal 800 Wohnungen aus dem Altbestand der NH Bayern verkauft und hält von den ursprünglich 32.500 Wohnungen noch 20.300. Die wegen der Übernahme der NH Bayern 1991 entstandenen Schulden von 2,2 Milliarden DM wurden inzwischen halbiert. [5]

Juni 1997: Doblinger hat getilgt. 1990 hat die DIBAG von Alfons Doblinger rund 32.000 Wohnungen von der Neuen Heimat Bayern für fast eine Milliarde DMerworben. Die zur Doblinger-Gruppe gehörende Bayerische Städtebau verwaltet die verbliebenen 20.000 Wohnungen. Die Kredite für den damaligen Kauf sind inzwischen komplett getilgt. [6]

April 1998: Neue Heimat München und Doblinger. Die Neue Heimat (NH) mit Sitz in Hamburg hatte in Bayern 4082 Wohnungen. 1989 wollte der damalige Innenminister Edmund Stoiber (CSU) die NH-Wohnungen für 850 Millionen DM kaufen, dies wurde aber von der Bayerischen Staatsregierung verhindert. Nach vielen Protesten der NH-Mieter erklärte die CSU ihre Kaufbereitschaft zum Preis von 500 Millionen DM. Der frühere OB Georg Kronawitter hatte noch versucht, mit anderen Städten die NH-Wohnungen zu übernehmen; dies scheiterte. Schließlich kaufte Alfons Doblingers BSW GmbH im Mai1990 die 13.175 Wohnungen der NH in Bayern für rund 958 Millionen DM. Die NH selbst hatte schon 4082 davon in Wohneigentum überführt; davon verkaufte die BSW 3878. Doblinger hielt sich an die gemachten Zusagen wie lebenslanges Wohnrecht, Schutz vor Eigenbedarfskündigungen und Vorkaufsrecht für Mieter. [7]

Schon wieder Doblinger? Ein Konsortium aus zehn regionalen Bietern hat den Zuschlag für die rund 112.600 Eisenbahner-Wohnungen bekommen. Der Gesamtpreis soll laut dem Staatssekretär im Bundesverkehrsminister, Hans Jochen Henke (CDU), bei 7,1 Milliarden DM liegen, das wären pro Wohnung nur etwas über 63.000 DM. Es sollen Schutzklauseln vereinbart worden sein (Wohnrecht auf Lebenszeit, Verbot von Luxussanierungen, , Mieterhöhung von maximal drei Prozent plus Inflationszuschlag. Lokaler Bieter für die 5500 Wohnungen im Großraum München ist die Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH von Alfons Doblinger. Dieser hatte bereits 1990 die über 32.500 Wohnungen der Neuen Heimat Bayern gekauft. Nun soll er Treuhandbestände des Bundeseisenbahnvermögens in Sachsen und Thüringen kaufen. [8]

Juli 1999: Fünf Investoren für Riems Zentrum. Hinter verschlossenen Türen präsentierten die fünf „Top-Investoren“ den Stadträten ihre Pläne für das neue Riemer Zentrum. Hinter der präferierten Bietergruppe Nr. 5 „Neue Mitte Riem GbR, München“ stehen der Heidelberger Projektentwickler Roland Ernst, die Baukonzerne Philipp Holzmann (insolvent am 31.3.2002) und Concept Bau GmbH, dazu die Shopping Center Consulting GmbH und Kieft & Kieft Filmtheater GmbH (für das Multiplex-Kino). Rang zwei belegt eine holländische Investorengruppe mit dem Baukonzern Dyckerhoff & Widmann AG (2001 mit Waltherbau AG fusioniert, 2004 in Insolvenz). Auf dem derzeit dritten Platz liegt die DIBAG Industriebau AG von Alfons Doblinger. [9]

Januar 2002: Doblinger kauft Monachia. Die Monachia Grundstücks AG war ursprünglich eine Tochtergesellschaft der Löwenbräu München AG. Die Agricola Verwaltungsgesellschaft KG von Baron August von Finck verkaufte ihr Aktienpaket an der Monachia für 260 Millionen DM an die Allianz SE und die Hochtief AG. Bereits im Dezember 2000 hatten die Allianz SE und die Hochtief AG den Verkauf vorbereitet; im November 2001 machte die Doblinger Unternehmensgruppe ein Angebot. Im Januar 2002 übernahm sie dann die die Monachia-Anteile für 393,6 Millionen Euro. Denn seit 1.1.2002 werden solche Verkäufe nicht mehr besteuert: Die Allianz SE erhielt steuerfrei 166,1 Millionen Euro und die Hochtief AG steuerfrei 154 Millionen Euro. 92,4 Prozent der Monachia gehen in das Eigentum von Doblingers Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH (WSB) über, fünf Prozent gehen an Doblingers Arber Baubetreuungs-GmbH. Die Doblinger Unternehmensgruppe macht einen Umsatz von mehr als 1,2 Milliarden DM. Die Doblinger Industriebeteiligung KG hat im April 1990 die 32.000 Wohnungen der Neuen Heimat Bayern übernommen; hierzu wurde die Bayerische Städte- und Wohnungsbau GmbH gegründet, die aktuell etwa 33.500 Wohnungen besitzt und durch die Übernahme der Monachia noch einmal 1500 Wohnungen und 500 Gewerbe-Einheiten bekommt. Die Doblinger Unternehmensgruppe hat auch mit anderen Investoren 1999 rund 113.000 Wohnungen der Deutschen Bahn für fast 7,1 Milliarden DM gekauft. [10]
Siehe auch: Eisenbahner-Wohnungen

Hasenbergl-Wohnungen. Am Stanigplatz baut die WSB seit Frühjahr 2020 einen neuen Block mit 49 Wohnungen und Alten- und Service-Zentrum. Die WSB informierte im September 2020 die unter Baulärm und Baudreck leidenden etwa 70 Mieter der nahen Paulckestraße 3 und 7 Anfang September mit einem nicht frankierten Infobrief, dass deren Wohnblock für zwölf Monate wegen (nicht spezifizierten) Schadstoffen saniert würde und sie deswegen ausziehen müssten. Ein Auszug bis Ende Januar 2021 werde mit 5000, bis Ende März mit 3000 Euro honoriert: Danach sollten alle Wohnungen geräumt sein. Die Rechtsberaterin Anja Franz vom Mieterverein München sieht im Manöver der WSB eine „elegante Weise“, Mieter loszuwerden, wobei das formlose Anschreiben keine offizielle Kündigung darstellt. [11]
Nachtrag Januar 2021:Alfons Doblinger kam im Januar 2021 persönlich zum BA Feldmoching-Hasenbergl, um zu betonen, er wolle nicht rund 70 Mieter aus dem Wohnhochhaus an der Paulckestraße durch Sanierung verdrängen. Er verteidigte die Sanierungsarbeiten an dem Wohnblock aus dem Jahr 1961. Ersatzwohnungen stünden laut WSB nicht zur Verfügung. Doblinger verließ die BA-Sitzung sofort nach seinem Ausführungen Er hatte mit dem BA-Vorsitzenden Rainer Großmann (CSU) vereinbart, dass es keine Rückfragen geben solle. Die zur Doblinger-Gruppe gehörende Dibag Industriebau baut aktuell am Stanigplatz ein neues Wohnhaus mit 49 Wohnungen. Deshalb herrschte im BA Unverständnis, dass die WSB keine Ersatzwohnungen anbieten könne. [12]
Nachtrag Februar 2021: Das einzige Angebot der WSB waren Prämien für den Auszug zwischen 5000 und 8000 Euro. Am 3.2.2021 fand ein Gespräch zwischen der Mietergemeinschaft und Alfons Doblinger statt. Als Ergebnis stellte nun die WSB Ersatzwohnungen und gab eine Versicherung ab, dass die Mieter wieder in ihre alten Wohnungen zurück dürften. Nicht zuletzt der öffentliche Druck und die Hilfe von Politikern und vom Mieterverein München und 25 anderen Institutionen werden zu einer größeren Kompromissbereitschaft der WSB beigetragen haben. [13]

Wegsanierung in Schwabing. Das etwa 100 Jahre alte Haus Hesseloherstraße 13 gehörte seit 1982 der Löwenbräu-Tochter Monachia, die Anfang 2002 an die Doblinger Unternehmensgruppe verkauft wurde (siehe oben). Eine Wohnung stand vier Jahre, eine andere sieben Jahre leer. Die LBK hatte bereits 1999 einen Antrag auf Vorbescheid für einen Neubau genehmigt. Von sechs Parteien blieb im November 2002 nur der Wirt vom „Hesseloher“ in seiner Wirtswohnung übrig. Der Sprecher der Doblinger-Gruppe, Peter Renger, begründete die Totalsanierung damit, dass das Haus „nicht mehr den heutigen Mietansprüchen“ genüge. Der ehemalige Mieter Sepp Kreileder wohnte seit 1975 in der Hesseloher Straße 13 und schilderte den Umbruch in der 200 Meter langen Hesseloher Straße. Früher waren hier kleine Geschäfte, alte Menschen, eine Art Herbergshaus wie in Giesing. Jetzt sieht man Baugruben, schicke Neubauten, edle Penthäuser. Kreileder: „Die Straße ist nur noch eine Häuserschlucht.“ [14]

Hotelgasthof „Zur Post“ in Pasing soll abgerissen werden. Reinhard Riedl, Vorstandsmitglied der DIBAG, äußerte zum Hotel, es sei nicht mehr wirtschaftlich, deshalb werde es abgerissen. Damit entfiele für Pasing auch ein Versammlungsraum für 350 Personen. Die DIBAG will am Standort Wohnungen bauen. [15] Der SPD-Ortsverein Pasing sammelte dann Unterschriften für den Erhalt des Postsaals. [16]
Nachtrag Januar 2018: Die SPD-Stadtratsfraktion schlug vor, am Hotelstandort das Pasinger Alten- und Service-Zentrum (ASZ) anzusiedeln. Die DIBAG begrüßte den Vorschlag. [17]

Februar 2021: Innenstadt-Ausverkauf. Alfons Doblinger, Inhaber der Doblinger Unternehmensgruppe, hat im Dezember 2020 fast 25 Prozent der Aktien vom Kaufhausunternehmen Ludwig Beck AG gekauft. Die Aktien hatten einen Wert von rund 21 Millionen Euro und waren vorher im Eigentum des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, der sie 2006 gekauft hatte. Der Ludwig Beck AG gehört der Gebäudekomplex Marienplatz 11.
Die Doblinger Unternehmensgruppe hat auch nach und nach große Anteile des 3281 Quadratmeter großen Areals der Galeria Kaufhof (Kaufingerstraße 1 bis 5) erworben. Von den vier Flurstücken hat Doblinger inzwischen drei gekauft: eines in den siebziger Jahren, zwei im Sommer 2020. Das vierte heißt nach dem früheren Kaufhaus „Roman-Mayr-Haus“ Immobilienverwaltungsgesellschaft mbH“ in München, die etwa 30 Gesellschafter hat. Hier hat eine Doblinger-Tochter etwa 20 Prozent Anteile; Doblinger will weitere Anteile erwerben. Der Gutachterausschuss hat auf dem Areal am Marienplatz 2018 einen Bodenrichtwert pro Quadratmeter von 160.000 Euro ermittelt. [18]

Fußnoten und Quellen

  1. Neue Führung bei NH Bayern-Nachfolgegesellschaft, in SZ 1.2.1992
  2. https://wsb-bayern.de/unternehmen/
  3. „Für soziale und ökologische Politik“, in Münchner Stadtanzeiger 3.5.1990
  4. Doblinger halbiert NH-Kredit, in SZ 11.8.1992
  5. Doblinger ordnet die Gruppe neu, in SZ 2.8.1995
  6. Doblinger: Börse, dritter Versuch, in SZ 28.6.1997
  7. Münster, Thomas, Das Happy End eines Mieter-Dramas, in SZ 7.4.1998
  8. Münster, Thomas, Neuer Hausherr Doblinger? in SZ 25.6.1998
  9. Neff, Berthold, Die Stadt am Rande der Stadt, in SZ 8.7.1999
  10. Bögel, Rudolf, Doblinger übernimmt Monachia, in SZ 15.1.2002
  11. Sobotta, Jerzy, Doppelte Härte, in SZ 21.10.2020
  12. Sobotta, Jerzy, Kurzer Auftritt, schneller Abgang, in SZ 20.1.2021
  13. Sobotta, Jerzy, Recht auf Rückkehr, in SZ 5.2.2021
  14. Kastner, Bernd, „Des Schwabing, des stirbt“, in SZ 30.10.2002
  15. Czeguhn, Jutta, Ende einer Tradition, in sueddeutsche.de 21.11.2016
  16. Der Postsaal soll bleiben, in SZ 1.12.2016
  17. Czeguhn, Jutta, Vorstoß in die Lücke, in SZ 16.1.2018
  18. Krass, Sebastian, Monopoly am Marienplatz, in SZ 19.2.2021
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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