Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Herzog & de Meuron

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 3.7.2022

Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gründeten ihr Büro 1978 in Basel und beschäftigen derzeit rund 4200 Mitarbeiter an sechs weltweiten Standorten.
Hier soll exemplarisch der Bau des Nationalstadions in Peking thematisiert werden. Der Auftrag des Nationalstadions in Peking für die Olympischen Sommerspiele 2008 verursachte viel Kritik und eine Diskussion über das chinesische Regime. Anlässlich der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking und des Nationalstadions gab Jacques Herzog dem Spiegel ein Interview. Zum Bau des in der Weltöffentlichkeit stehenden Nationalstadions sagte er: „Nicht der moralisch denkende Mensch, sondern nur ein Idiot hätte sich dieser Chance verweigert … Wir sind uns inzwischen sicher, dass es richtig war, dort zu bauen.“
Sodann verstieg er sich zu der Feststellung, das Nationalstadion habe etwas „Subversives“, „zumindest nicht so leicht Kontrollierbares oder Überblickbares“. Der Spiegel fragte nach: „Ihre Architektur als Akt des Widerstandes? Übertreiben Sie da nicht?“ Herzog antwortete: „Nein, wir sehen das Stadion als Trojanisches Pferd.“
Herzog verklärte hier das Nationalstadion als Monument der Subversion.
Herzog verteidigte auch die chinesische Regierung: „Auch wir können das Missachten von Menschenrechten in keinster Weise akzeptieren. Wir denken aber, es hat sich etwas in diesem Land getan. Wir sehen einen Fortschritt.“ – „Gerade die letzten paar Jahre konnten wir doch aber einen Aufbruch einer neuen Generation von Künstlern, Architekten und Intellektuellen erleben.“ Und weiter: „China ist nicht weniger demokratisch geworden und respektiert auch die Menschenrechte nicht weniger als früher.“
Die Drangsalierung und Verhaftung von Ai Weiwei im Jahr 2011, also drei Jahre später, war Herzog beim Interview nicht bekannt; er konnte sie sich aber wohl auch nicht vorstellen. Auf die Frage kritischer Journalisten, warum die Olympischen Spiele 2008 in Peking abgehalten wurden, wurde auch vom IOC auf vermeintliche Fortschritte verwiesen: Das Regime öffne sich dadurch und werde demokratischer. Aber das war ein Irrtum: Schon direkt vor und kurz nach den Spielen wurden die Repressionen wieder verschärft.
Über die Architekten-Kollegen, die sich weigern, in China zu bauen, sagte Herzog: „Das ist eine weltfremde, auch arrogante Haltung, ohne Kenntnis und Respekt vor der unglaublichen kulturellen Leistung, welche das Land kontinuierlich über die letzten 5000 Jahre erbracht hat und bis heute erbringt.“
Die totalitäre Ausrichtung der chinesischen Regierung wird von Herzog mit keinem Wort erwähnt.
Der Spiegel fragte dann: „Aber hätte man Ihren Entwurf angetastet, ihn ästhetisch verdorben, dann wären Sie auf die Barrikaden gegangen?“ Herzog antwortete: „Ja, das ist der Bereich, in dem wir noch gehört werden, wenn überhaupt.“
Herzog würde also Widerstand leisten, wenn der Bauherr, in diesem Fall der chinesische Staat, in die künstlerische Konzeption und damit in die Hoheit des Architekten eingegriffen hätte. Dem politischen System China steht Herzog weitgehend unpolitisch gegenüber.
(Alle Zitate: Beyer, Susanne, Knöfel, Ulrike, „Nur ein Idiot hätte nein gesagt“ – Interview mit Jacques Herzog, in Der Spiegel 31/2008)

Kritik an Herzog & de Meuron aus Basel. Das aktuelle „Hausbüro“ des Pharmakonzerns Roche hat bereits zwei Hochhäuser im Basler Südareal gebaut. Nun soll ein „vergleichsweise uninspiriertes“ drittes Hochhaus mit 220 Metern gebaut werden, wie der Professor für Architekturgeschichte und Denkmalpflege an der Universität Bern, Bernd Nicolai, kritisiert. Hierfür sollen „in einer beispiellosen Tabula-rasa-Aktion“ alle dortigen Roche-Gebäude bis auf das Verwaltungs- und Direktionsgebäude abgerissen werden. Dies würde u. a. das Ende des von Roland Rohn 1957 bis 1960 gebauten Verwaltungsgebäudes mit Glas-Vorhangfassade und des Pharmabaus von Otto Rudolf Salvisberg (Bau 27, 1936) bedeuten, letzterer eine „Ikone der Industriearchitektur des Neuen Bauens“. Der Roche-Konzern und das Büro Herzig & de Meuron verweisen auf den angeblich maroden Zustand der Gebäude, die bis heute in permanenter Nutzung und Pflege sind. Bernd empfiehlt dem Roche-Konzern und der Stadt Basel, diese Bauten umgehend unter Denkmalschutz zu stellen. [1]

Vgl. auch: Paketposthalle

Fußnoten und Quellen

  1. Nicolai, Bernd, Braucht Basel ein „Rochehattan“? Herzog & de Meurons drittes Hochhaus verpasst die Chance einer Innovation, in nzz.ch 17.11.2020
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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