Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Büschl Unternehmensgruppe

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 11.4.2022

Projekte in München u. a.: Leopold Carré: Suiten, Studios, Residences; München-Lochhausen (ca. 400 Wohnungen und Reihenhäuser); ehem. Holzkontor Grombach (Rosenheimer-/Orleansstraße (120 Wohnungen, 10.000 qm Bürofläche); München, „Living Isar“, ehemaliges Osram-Gelände (ca. 450 Wohnungen); Kirschgelände (mit Eckpfeiler Immobiliengruppe; Projektentwicklung, ca. 1300 Wohnungen); Siedlung Ludwigsfeld (Projektentwicklung, Realisierung von Wohnungen); Bauernbräuweg (Projektentwicklung, Realisierung, ca. 150 Wohnungen); Eggarten (mit CA Immo, Projektentwicklung, Realisierung, 2000 Wohnungen); München-Perlach, Friedrich-Creuzer-Straße , Truderinger Forst (Projektentwicklung, ca. 1350 Wohnungen/3000 Bewohner (135.000 qm, Büschl mit Demos Wohnbau GmbH); Trudering, Truderingerstraße westl. Roßsteinstraße/Hans-Jakob.Straße, Projektentwicklung, Realisierung, ca. 820 Wohnungen); PostAreal München (Projektentwicklung, Realisierung von Wohnungen, Büros, Hotels, Einzelhandel, Gastronomie und Altenpflege; insgesamt ca. 260.000 qm Geschossfläche) [1]. Umzug Hofmann SE nach Freiham mit Unterstützung der Büschl Unternehmensgruppe [2] Dazu (mit Ehret und Klein aus Starnberg) ein neues Büro- und Geschäftsgebäude Ecke Bayer- und Schillerstraße.

August 2010: Agfa-Gelände gekauft. Die Büschl-Unternehmensgruppe hat das Areal gekauft. Auf rund 11,5 Hektar wurden von der Stadt planungsrechtliche Grundlagen für 950 Wohnungen mit 2000 Bewohnern und bis zu 1200 Arbeitsplätze geplant. [3]
Aktualisierung Juli 2011: „Parkviertel Giesing“. An der lauten Tegernseer Landstraße werden Gewerbebauten geplant, dahinter etwa 1200 Wohnungen mit 100.000 qm für 2500 Bewohner. Zwei Areale hat Büschl an Demos/Induwo Wohnbau GmbH München und den Kölner Bauträger Bauwens zum Bau von Eigentumswohnungen verkauft. Demos will an der Weißensee-/Ecke Untersbergstraße die „Neuen Gärten Giesing“ mit 154 frei finanzierten Wohnungen bauen (Quadratmeterkosten zwischen 4100 und 5100 Euro). Bauwens plant im Projekt „mein-raum“ 147 Wohnungen. [4]

Juni 2019: Büschl verkauft 50 Prozent. Die Büschl Unternehmensgruppe ist als Investor und Projektentwickler tätig und in München mit der Projektierung von etwa 10.000 Wohnungen befasst: darunter 2000 Wohnungen im Eggarten/Lerchenau, 1400 Wohnungen auf dem Kirsch-Gelände in Allach, 450 Wohnungen auf dem Osram Gelände Untergiesing, 120 auf dem Gelände des ehemaligen Holzkontors Grombach in Haidhausen und 1350 Wohnungen in Perlach und dem Truderinger Forst. Hinzu kommt der Kauf der Paketposthalle an der Friedenheimerbrücke mit den beiden geplanten Hochhäusern von Herzog & de Meuron. Der Vorsitzende der Büschl-Geschäftsführung, Ralf Büschl erklärte den Verkauf der 50 Prozent an die Kölner Baufirma Bauwens mit einer Umstrukturierung: nicht mehr Baulandbeschaffer zu sein, sondern eigene Wohnungen auf den Münchner Mietmarkt bringen. Angeblich sind für den Verkauf keine finanziellen Schwierigkeiten, sondern der Strategiewechsel ausschlaggebend. Der Eigentümer von Bauwens ist der Enkel des ersten Bundeskanzlers, Patrick Adenauer, der nun mit Büschl große Vorhaben in München als Generalunter- und -übernehmer selbst realisieren möchte. [5]
Zu den Adenauer-Enkeln Paul Bauwens-Adenauer und Patrick Adenauer: Wegen eines Verkaufs von Grundstücken für 88 Millionen Euro in der Kölner Südstaat an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) für einen Neubau der Kölner Fachhochschule ermittelte die Staatsanwaltschaft. Durch den Kauf entstehen jedes Jahr für den Steuerzahler eine Belastung von vier Millionen Euro Zinsen: Der Umzug der Fachhochschule war aber noch gar nicht beschlossen. [6]

Ein „Münchner Unternehmen“? Die Büschl Unternehmensgruppe nennt sich gern ein „Münchner Unternehmen“. Laut northdata.de residiert die Büschl Unternehmensgruppe aber an der Nördlichen Münchner Straße 16 in 82031 Grünwald. [7] In Grünwald betrug 2020 der Gewerbesteuerhebesatz 240 Prozent, in München lag er bei 490 Prozent.

Projekt Paketposthalle plus zwei Hochhäuser von Herzog & de Meuron: siehe Paketposthalle

November 2021: Büschl regiert durch. Mit CA Immo zerstört und bebaut die Büschl Unternehmensgruppe den Eggarten (2000 Wohnungen), mit der Eckpfeiler-Immobiliengruppe das Kirsch-Gelände (1300 Wohnungen), den Truderinger Acker (820 Wohnungen), zwei Hochhäuser an der Paketposthalle plus Nebengebäude (1100 Wohnungen, 3000 Arbeitsplätze). Hier droht Ralf Büschl ein Rats- oder Bürgerentscheid. Nun steigt er in die Großmarkthalle als Investor ein. Nachdem die rot-schwarze Stadtratskoalition 2018 eigene Baupläne der Stadt gestoppt hatte, wollte das Umschlagzentrum Großmarkt München (UGM) investieren – und übernahm sich. Das aufgeblähte Projekt umfasste nicht nur eine notwendige Markthallenerneuerung, sondern 65.000 Quadratmeter Bürofläche (2000 bis 3000 Arbeitsplätze). Nun steigt Büschl ein und macht sich noch unabkömmlicher: Sein Druckmittel zur Durchsetzung der Büschl-Hochhäuser wird noch stärker. [8]
Vgl. auch: Eggarten, Kirsch-Gelände, Truderinger Acker

Büschl auf Einkaufstour. Die Büschl Unternehmensgruppe will das „Schlechtfeld“ in Feldmoching kaufen, einen Acker mit 21.000 qm. Der Erstpreis liegt bei 8,2 Millionen Euro; bei Erteilung einer Baugenehmigung kommen noch 4,2 Millionen Euro dazu. Damit liegt der Quadratmeterpreis im ersten Fall bei rund 390 Euro, im zweiten Fall bei 590 Euro. Der Acker liegt in einer Fläche der SEM Nord, in der die Vorkaufssatzung „Münchner Norden“ gilt, die im Sommer 2018 in Kraft getreten ist. Das Kommunalreferat plädiert zum Ankauf der Ackerfläche für reguläre 883.000 Euro: Das wären 42 Euro pro qm. Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) zufolge könnte der jetzige Eigentümer klagen: Die Immobilienfirma aus Garmisch-Partenkirchen hatte den Acker 2018 gekauft. Das Schlechtfeld ist im Flächennutzungsplan eine ökologische Vorrangfläche. Für das Kommunalreferat wäre eine Verwendung im Rahmen der Grünplanung oder zum Ausbau der Autobahn-Infrastruktur vorstellbar.
[9]
Kleine Ergänzung: Käufer wäre die Ludwigsfelder Grund GmbH mit Sitz Nördliche Münchner Straße 16 in 82031 Grünwald, die zur Büschl Unternehmensgruppe gehört. Geschäftsführer sind Ralf Büschl, Dirk Olaf Otto und Christoph Helfrich. [10]
Eine Anbindung an den Ausbau der Siedlung Ludwigsfeld liegt nahe. Ob sich die Stadt gegen den Großinvestor Büschl (Hochhäuser an der Paketposthalle, Großmarkthalle etc.) durchsetzen traut?

Fußnoten und Quellen

  1. https://www.bueschl-gruppe.de/; abgerufen am 25.1.2021
  2. https://www.kadawittfeldarchitektur.de/pdf-download/?project=hoffmann; abgerufen 3.2.2021
  3. https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Ehemaliges-Agfa-Gelaende.html; Hepp, Sebastian, Mischkonzepte finden viele Anhänger, in SZ 6.8.2010
  4. Hepp, Sebastian, Entlastung in Sicht, in SZ 15.7.2021
  5. Krass, Sebastian, Warum verkauft einer der größten Immobilien-Entwickler die Hälfte seines Unternehmens? in sueddeutsche.de 3.6.2019
  6. Adenauer-Enkel kassierten auch beim RP-Neubau, 17.3.2011; siehe unter: https://www.koeln.de/koeln/adenauerenkel_kassierten_auch_beim_rpneubau_447301.html. Vgl. auch: Bildzeitung 17.3.2011: So kassierten die Adenauer-Enkel beim RP-Neubau
  7. https://www.northdata.de/B%C3%BCschl+Unternehmensgruppe+Holding+GmbH+%26+Co.+KG,+Gr%C3%BCnwald/Amtsgericht+M%C3%BCnchen+HRA+92417
  8. Krass, Sebastian, Büschl greift nach der Großmarkthalle, in SZ 6.11.2021
  9. Krass, Sebastian, 929 Prozent über Marktwert, in SZ 11.1.2022
  10. https://www.northdata.de/Ludwigsfelder+Grund+GmbH,+Gr%C3%BCnwald/Amtsgericht+M%C3%BCnchen+HRB+218590
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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