Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Hammer AG

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 12.8.2022

Hans Hammer (*1972), seit 2002 Vorstandsvorsitzender der Hammer AG, Vizepräsident des Wirtschaftsbeirat Bayern und Schatzmeister der Münchner CSU, seit 2020 Münchner Stadtrat (CSU).

Hammer AG übernimmt Schrannenhalle. Im Dezember 2009 hat die Hammer AG das Erbbaurecht an der Schrannenhalle übernommen. Dies geschah sehr zur Überraschung des Bauunternehmers Günther Karl, der sämtliche Forderungen der Deutschen Bank an die Schrannenhalle (ein zweistelliger Millionenbetrag) aufgekauft hatte. Karl wollte deshalb nun einen Insolvenzantrag gegen die Schrannenhalle KG stellen, um Hammer aus dem Rennen zu werfen. Die Hammer AG hat eine eigene Gesellschaft für den Kauf der Schrannenhalle gegründet: die Hammer Hallen GmbH. [1]

Streit zwischen Stadt und Hirmer-Gruppe (1). Der Stadtrat hat 2017 entschieden, dass das bisherige Parkhaus von Hirmer Immobilien in Erbbaurecht übernommen wird, die dort neu bauen will. Das Kommunalreferat ließ für das Areal ein Wertgutachten erstellen, das um kolportierte 70 Millionen Euro höher lag als ein Gutachten im Auftrag der Hirmer Immobilien. Am 27.1.2021 sollten die Hirmer-Pläne in die Stadtgestaltungskommission kommen: Der Punkt verschwand aus der Tagesordnung. Hirmer will einen Kopfbau auf dem bisherigen Parkhaus-Areal bauen und 60 Prozent selbst nutzen, dazu sollten Gewerbeflächen und Wohnungen entstehen. Der Immobilienunternehmer Hans Hammer, seit 2020 CSU-Stadtrat, ist Partner von Hirmer. [2]

Streit zwischen Stadt und Hirmer-Gruppe (2). Die Dritte Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kommunalausschusses, Verena Dietl (SPD), betonte, dass das Bewertungsamt den Erbpachtzins festlegt. Es wird in Münchner Immobilienkreisen gemunkelt, dass der Zuschlag an Hirmer unter dem damaligen Wirtschaftsreferenten Josef Schmid (CSU) in den Sommerferien 2017 sehr diskret erfolgte. Hirmer habe das Grundstück quasi zugeschanzt bekommen und würde nun auch noch um den Preis feilschen. Hans Hammer, Vorstandsvorsitzender des Münchner Immobilienunternehmens Hammer AG, Stadtrat der CSU, war damals und heute Schatzmeister der Münchner CSU und kooperiert beim Georg-Kronawitter-Platz mit Hirmer. Dessen Sprecher Jörg Fleischer antwortete zur Rolle von Stadtrat Hammer bei den Gesprächen mit der Stadt, er sei „irritiert“. Frage zu etwaigen Anteilen Hammers am Hirmer-Projekt oder nach einem Beratungshonorar für Hammer beantwortete Fleischer nur so, dass Hammer seit zehn Jahren im Beirat der Firmengruppe ist.
Clemens Baumgärtner (CSU), Schmids Nachfolger als Wirtschaftsreferent, betonte, es sei alles korrekt abgelaufen. Das Bewertungsamt hat das fragliche Grundstück als A-Lage klassifiziert: Hirmer ließ ein Gutachten erstellen, das zu einer niedrigeren Bewertung kommt. Hirmer würde einen Erbpachtvertrag über 60 Jahre bekommen und dürfe die Gewerbeflächen zu 40 Prozent untervermieten. Die Bindungsfrist für die Eigennutzung läuft aber über den Zeitraum von zehn Jahren. Das ehemalige Postgebäude mit kleiner Platzfläche wurde an die Inselkammer-Gruppe verkauft, die zwei Gebäude errichten würde. [3]
Grüne/Rosa Liste, FDP und Bayernpartei forderten Hans Hammer im Stadtrat zu größtmöglicher Transparenz auf. CSU-Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl erklärte, die Fraktion hätte vereinbart, dass Hammer in keinem Stadtratsausschuss ist, der mit seinen Immobiliengeschäften etwas zu tun hat. Hammer erklärte, er trenne sein Ehrenamt als Stadtrat von seiner beruflichen Tätigkeit. In der Sitzung am 30.9.2020 ging es in nicht-öffentlicher Sitzung im Stadtrat um die Erbpachtverträge am Georg-Kronawitter-Platz. Hammer habe seine persönliche Involvierung gemeldet und dann die Sitzung verlassen. [4]
Sebastian Krass kommentierte in der SZ: „Kann ein Immobilienunternehmer Stadtrat in der Kommune sein, in der er seine Geschäfte macht? Grundsätzlich ja … Nicht in Ordnung ist es aber, wenn ein Münchner Immobilienunternehmer und Stadtrat wie Hans Hammer (CSU) sich dafür einsetzt, dass die Hirmer-Gruppe weniger für das städtische Grundstück am Georg-Kronawitter-Platz bezahlen muss, als sie  dem Bewertungsamt zufolge zahlen müsste. (…) Allein der Eindruck, dass Hammer sich dafür einsetzen könnte, die Stadtkasse um viele Millionen Euro an Einnahmen zu bringen, richtet enormen Schaden an: für Hammers persönliche Glaubwürdigkeit, vor allem aber für die des Stadtrats.“ [5]

Interessenskonflikt angezeigt. Auf drei Seiten vom 19.2.2021 an die Stadtspitze und die Verwaltung legte der Immobilieninvestor und CSU-Stadtrat Hans Hammer dar, dass er seinen möglichen Interessenskonflikt wegen seiner Tätigkeit für die Hirmer Gruppe frühzeitig angezeigt habe. Die Hirmer-Gruppe und die Hammer AG sind zu gleichen Teile am Projekt ehemaliges Hirmer-Parkhaus am Georg-Kronawitter-Platz beteiligt: Für ihren Bau würde eine Projektgesellschaft gegründet. Hammer agiere hier nicht als Stadtrat. In dem Schreiben deutet Hammer einen möglichen Rückzug aus dem Projekt ein, sollte der vom Bewertungsamt festgesetzte Erbpachtzins auf 60 Jahre zu hoch sein. Vom Georg-Kronawitter-Platz selbst würde übrigens nach dem Bebauungsplan nicht mehr viel an Platz übrig bleiben: maximal etwa 50 x 10 Meter. Das ehemalige Parkhaus würde von Hirmer mit Gewerbe und Wohnen bebaut; die Inselkammer-Gruppe würde auf dem jetzigen Platz einen Gewerbebau und auf dem Areal des ehemaligen Postamts ein Hotel mit Gastronomie und Handel errichten. [6]

Hammer: Rückzug angedroht. CSU-Stadtrat Hans Hammer hielt den vom städtischen Bewertungsamt ermittelten Erbbauzins (auf 60 Jahre) um einen höheren zweistelligen Millionenbetrag auch im März 2021 zu hoch. Er deutete an, dass Hirmer und er sich zurückziehen könnten. SPD-Fraktionschef Christian Müller würde dies bedauern. Für CSU-Stadtrat Alexander Reissl wäre dies ein „herber Rückschlag“. FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann würde einen Rückzug bedauern. Die Fraktion von ÖDP und FW forderten eine neue – und diesmal transparente – Ausschreibung. Die Linke warnte das Kommunalreferat, sich unter Druck setzen zu lassen und die Ermittlung des Bewertungsamtes infrage zu stellen. [7]

Schachereien am Georg-Kronawitter-Platz. Der Stadt gehört das Grundstück mit dem Hirmer-Parkhaus, das sie im Erbbaurecht an die Investoren Hirmer und Hammer AG übergeben möchte. An die Stelle des Parkhauses soll eine Filiale des Modehauses Hirmer und Wohnungen errichtet werden. Die Hammer AG (von CSU-Stadtrat Hans Hammer) kritisierte den ihrer Ansicht nach zu hohen Erbpachtzins. Da Hans Hammer 2020 der Wahlkampfleiter der OB-Kandidatin Kristina Frank war, zog sich Frank aus diesem Kommunalverfahren zurück. [8]Hochpunkt

Neues Gewerbe- und Bürozentrum. Auf dem etwa 40 Hektar großen Areal in Milbertshofen an der Knorrstraße (westlich), Hufelandstraße (nördlich), Oberhofer Weg (östlich) und DB-Nordring (südlich) befanden sich BMW-Verwaltungsbauten, die im Lauf des Jahres 2021 abgerissen wurden. Das Grundstück wurde 2017 von dem Joint Venture HUF4 GmbH Co. KG der Hammer AG und dem GLL Investmentfonds der Bayerischen Versorgungskammer gekauft. Hier wird nach Plänen des Architekturbüros Morris + Company aus London bis 2026 ein Gewerbe- und Bürozentrum mit einem 60 Meter hohen 16 Etagen-Hochhaus und über 10.000 Quadratmeter Bürofläche errichtet. Die Hammer AG hat 2020 noch eine von BMW seit den 70er Jahren genutzte Gewerbeimmobilie am Anton-Ditt-Bogen 19 und 21 gekauft. [9][10]
Nachtrag April 2021: Der Planungsausschuss des  Stadtrats befürwortete das Projekt, es wurden aber Wünsche nach einem nachhaltigeren Energiekonzept und mehr Grün auf dem Gelände gewünscht. [11] Mögliche Standorte am Frankfurter Ring sind bereits in der Hochhausstudie 2020 von büro 03 architekten genannt (S. 53, S. 58).

März 2022: Bebauungsplan erfordert gewerbliches Wohnen. An der Wolfratshauser Straße 90 bis 92 in Obersendling planen die Investoren Lorenz Mayr und Hans Hammer (Hammer AG) das Projekt Isarleiten. 51 Mietwohnungen mit bis zu 120 qm und 50 „Serviced Apartments“ sind geplant. Der Bebauungsplan gibt für das Areal eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe vor, die mit den möblierten und auf Zeit vermieteten Apartments erfüllt werden soll. [12]

Kampf um die Deutungshoheit (1). Der Versiegelungsgrad wurde bislang über die Einwohnerdichte ermittelt: dem Verhältnis der Einwohnerzahl und der Größe des Stadtgebiets. In München leben auf 31.100 Hektar derzeit 1,56 Millionen Einwohner. In Hamburg leben auf 75.5230 Hektar 1,84 Millionen Einwohner. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung verweist auf andere Messmethoden. So rechnet der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum mit knapp 14.480 Hektar Versiegelung: Pro Einwohner wären dies 98 qm. Im Vergleich zu anderen Städten steht München bei dieser Methode besser da, ungeachtet der Tatsache, dass etwa die Hälfte des Stadtgebiets versiegelt ist. Stadtrat Hans Hammer (CSU, Hammer AG) stellte dazu fest, dass von deutschen Großstädten nur Berlin besser dastünde mit 95 qm Versiegelung und folgerte daraus: „Die dauernde Kritik an der gewaltigen Versiegelung und zu hohen Dichte ist schlicht falsch.“ [13]

Die nächsten 2000 Arbeitsplätze. An der Koppstraße 4 in Obersendling entsteht nach Plänen vom Büro AS A Ochs Schmidhuber Architekten das Büro- und Gewerbeprojekt South Horizon Munich mit 31.000 qm Arbeitsfläche für 2000 Arbeitsplätze. Investoren sind die Optima-Aegidius-Firmengruppe und die Hammer AG. Baubeginn war im 1. Quartal 2020; die Fertigstellung ist für Anfang 2023 geplant. Die Mieten gelten laut Investoren mit 24,50 Euro pro qm als moderat. Hsns Hammer äußerte: „Obersendling ist für uns eine gute Ecke, das Viertel wird bestimmt noch zum Geheimtipp.“ Der Vorsitzende der OptimaAegidius-Gruppe. Jens Laub äußerte: „Was wir hier machen, tut der Stadt gut.“ [14]
Zur Optima-Aegidius-Firmengruppe vgl. u. a.: Fauststraße 90

Fußnoten und Quellen

  1. Geier, Armin, Hammer reißt sich die Schranne unter den Nagel, in tz.de 10.12.2009
  2. Krass, Sebastian, Differenz von vielen Millionen Euro, in SZ 27.1.2021
  3. Krass, Sebastian, Ein Grundstück, ein Wert, keine Ausnahme, in SZ 17.2.2021
  4. Krass, Sebastian, Hammer soll Klarheit schaffen, in SZ 18.2.2021
  5. Krass, Sebastian, Hans Hammers gefährliche Doppelrolle, in sueddeutsche.de 16.2.2021
  6. Krass, Sebastian, Teure Lage, in SZ 3.3.2021
  7. Krass, Sebastian, Männerhaus in bester Lage, in SZ 16.3.2021
  8. Krass, Sebastian, Ultimatum im Zentrum, in SZ 12.1.2022
  9. http://www.deal-magazin.com/news/99851/Muenchen-Gewinner-im-Wettbewerb-fuer-den-Hochpunkt-des-MINGARD
  10. Kramer, Lea, Hochpunkt für den Norden, in SZ 9.4.2021
  11. Architektonisch gut, aber …, in SZ 17.4.2022
  12. Krass, Sebastian, „Wir zählen zu den sozialen Vermietern“, in SZ 30.3.2022
  13. Karowski, Sascha, Versiegelung in München: Nur 98 Quadratmeter pro Kopf zugebaut – Laut CSU ist daher „dauernde Kritik falsch“, in merkur.de 2.5.2022
  14. Wolfram, Jürgen, Büro-Loft mit Alpensicht, in SZ 2.7.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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