Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Kuvertfabrik Pasing

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aus Wikipedia: „Die Pasinger Kuvertfabrik befand sich an der Landsberger Straße 444/446 im Stadtteil Pasing der bayerischen Landeshauptstadt München. Das Gebäude ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Der zweigeschossige, breit gelagerte Satteldachbau wurde 1906 nach Plänen des Baumeisters Leonhard Moll errichtet. Er besitzt geschwungene Walmdachgauben und eine Putzgliederung in neubarocken Formen. Im Inneren sind das Jugendstil-Treppenhaus, Art-déco-Fliesen und die Schablonenmalerei der Erbauungszeit erhalten. Von 1906 bis 1992 wurden in dem Unternehmen Kuverts produziert. In der nachfolgenden Zeit wurden die Gebäude u. a. von Künstlerinitiativen, einem Moscheeverein und einem alternativen Jugendtreff genutzt. Der Investor Bauwerk Development errichtet seit 2019 auf dem Grundstück 160 Wohnungen und Gewerbeflächen, die im Laufe des Jahres 2021 bezogen werden sollen. Im denkmalgeschützten Altbau werden Büros entstehen.“

Ein Denkmal – oder kein Denkmal. Die Ateliers in der KUPA standen 2011 vor der Räumung. Die KUPA stand in zu geringem Abstand zu einem neu geplanten 14-stöckigen Hochhaus, für das ein genehmigter Bauplan bestand. Allerdings war das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege 2005 nicht angehört worden, das die KUPA zum Abriss freigegeben hatte. Das BLfD war aber über die wertvollen Eigenheiten des Gebäudes nicht informiert: z. B. das Jugendstil-Treppenhaus, die Säulen-Säle, Fliesen der Art-Déco-Periode. 2010 wurde nachuntersucht. Man fand einen frühen Betonbau (vermutlich Leonhard Moll). Trotzdem wurde die KUPA nicht erneut auf die Liste gesetzt: Der Denkmalschutz kollidierte mit dem rechtskräftigen Bebauungsplan. Also müsste der Bebauungsplan geändert werden, wie vom BA Pasing-Obermenzing gefordert. [1]

Auszug der Künstler. 1906 war das Fabrikgebäude gebaut worden: Zuerst war dort eine Zuckerfabrik, ab 1909 hatte die Münchner Papiergroßhandlung Otto Heck & Ficker dort die Kuvertfabrik eingerichtet, die bis 1992 produzierte. Die Eigentümer wechselten. Künstler um Martin Siegler zogen ein und bauten Atelierraum. Erst 2011 wurde die Kupa als Denkmal anerkannt – mit Jugendstil-Treppenhaus, Sälen mit Säulen und Art-Déco-Fliesen. Der Bebauungsplan war aber ab Juni 2005 gültig: Das hätte das Ende der Kupa bedeutet. Der Investor „Münchner Grundvermögen GmbH“ und die Stadt einigten sich auf den Erhalt. (Im Juli 2019 wird dann die Münchner Stadtsparkasse das Gebäude kaufen und sanieren; siehe unten.) Im Oktober 2013 wurde dem Hauptmieter Siegler gekündigt. Bis 30.6.2014 mussten die Künstler ausziehen, die geholfen haben, die Kupa zu erhalten. Martin Siegler und Veronica Hoffmann hatten noch mit einem Architekten ein Alternativkonzept für die 10.000 qm erarbeitet, um gegen die zunehmende Verdrängung der Münchner Subkultur zu protestieren. [2]

Rock Capital kaufte. Ankündigung im Internet des Grünwalder Vermögensverwalters und Projektentwicklers Rock Capital: „Kuvertfabrik Pasing, Pasing/Landsberger Straße, Nutzungsart/ Wohnen/Gewerbe, Grundstück/ ca. 11.000 qm, Geschossfläche/ ca. 21.500 qm BGF, Wohneinheiten/ ca. 230. Zielsetzung/ Schaffung eines gemischt genutzen Stadtquartiers rund um die ehemalige Kuvertfabrik im Münchner Stadtteil Pasing“ [3]

Bauwerk Development kaufte. Von Rock Capital kaufte Bauwerk Development Ende 2017 das Areal mit der Kupa mit etwa 11.000 qm. Gemäß dem Bebauungsplan sollen etwa 17000 qm Bruttogrundfläche errichtet werden. [4]

Identität für die Fabrik. Die Bauwerk Development GmbH will bis 2021 auf dem 11.000 qm großen Kupa-Areal 160 Eigentumswohnungen in fünf neuen Wohngebäuden bauen. Die Pläne stammen vom Münchner Büro Allmann Sattler Wappner. Die Kupa selbst wurde inzwischen unter Denkmalschutz gestellt: u. a. wegen einer dreischiffigen Eisenbetonkonstruktion der Münchner Firma Leonhard Moll, dem Treppenhaus im Jugendstil, den Art-Déco-Fliesen etc. Der Bauwerk-Geschäftsführer Roderick Rauert äußerte: „Wir möchten der Kuvertfabrik wieder ein Stück ihrer ursprünglichen Identität zurückgeben und sie so weiter zum Leben erwecken.“ [5]

November 2017: Kupa-Kaperung. Die Aktivistengruppe Für Lau Haus hat die KUPA kurz besetzt, um gegen Leerstand und Gentrifizierung zu protestieren. Die Gruppe hatte ab Sommer 2017 diverse leer stehende Gebäude vorübergehend scheinbar besetzt und war beim Eintreffen der Polizei wieder verschwunden. [6]
Nachtrag September 2017: Ende Juli 2017 hatte Für Lau Haus das leere „Schnitzelhaus im Westend besucht, am 17.8.2017 eine ehemalige Druckerei in Freimann. Am 9.9.2017 war die Besetzung des früheren Meinburk-Clubs an der Seidlstraße angekündigt. Drei bemalte Bettlaken hingen an Fenstern, wieder keine Spur von Besetzern, aber Spezialkräfte der Polizei im Einsatz. Die Aktivisten wollen gegen Leerstand und extrem hohe Mieten protestieren.
[7]

Kino-Zwischennutzung. Die Kupa ist leer: Ateliers, Balletschule, Modedesign, Maler, Jugendtreff mussten ausziehen. Anfang 2019 will Bauwerk Development mit dem Umbau der Kupa beginnen. Vorher soll vom 9. bis 12.8.2018 ein Kupa-Sommerkino stattfinden. In Pasing gab es von 1929 bis 1982 die Palast-Lichtspiele (PaLi) in der Spiegelstraße 3 [8][9]

Geschützte Kastanien verloren. Zuerst wollten die Pasinger Grünen im BA die sieben alten Kastanien auf dem Gelände der Kupa retten, dann wollten dies die Grünen im Stadtrat. Die Mehrheit im BA 21 Pasing-Obermenzing akzeptierte die Teilbaugenehmigung mit der Regelung für den Aushub, man bedaure den Verlust der Bäume. Wenig später lagen die großen Kastanien zerstückelt am Boden: Sie waren ein Hindernis für die Tiefgarage. [10][11]

Neubauviertel mit eingezwängtem Feigenblatt. Auf dem 10.000 qm großen Kupa-Areal plant Bauwerk Development die 175 Eigentumswohnungen nach den Plänen von Allmann Sattler Wappner. Die Wohnungen sind zwischen 40 und 120 qm groß und kosten zwischen 340.000 und 1,3 Millionen Euro. [11]
Vergleiche: https://www.architekturblatt.de/stadt-muenchen-erteilt-baugenehmigung-fuer-kupa-quartier-kuvertfabrik-pasing/

Baustellenbesichtigung. Am 17.7.2019 hat die Bauwerk Capital GmbH & Co. KG zur Grundsteinlegung und Besichtigung des Kupa-Areals geladen. Die Baugenehmigung für die Neubauten wurde Ende Juni 2019 erteilt. Die 175 Eigentumswohnungen sind bereits am Markt, 20 Prozent von ihnen sind schon verkauft. Deren Fertigstellung ist für Ende 2021 geplant. 15.000 Kubikmeter Beton und 3500 Tonnen Stahl werden verbaut. Das Dachgeschoss der denkmalgeschützten Kupa hat 900 qm; die Holzkonstruktion bleibt erhalten, die Eindeckung wird erneuert. [12]

Juli 2019: Kupa geht an Stadtsparkasse. 1906 erbaut, 1992 stillgelegt, von Rock Capital Grünwald Ende 2017 verkauft an Bauwerk, von Bauwerk im Juli 2019 verkauft an die Stadtwerke München. Noch am 17.7.2019 hatte Bauwerk bei der Baustellenbesichtigung auch das Projekt Sanierung Kupa präsentiert. Eine Woche später verkaufte Bauwerk den historischen Bau an die Stadtsparkasse, die auch die Vermietung der Büros übernimmt. [13]

Wohnungen statt Fabrik. Das Gelände der ehemaligen Kuvertfabrik mit 11.000 qm liegt in Pasing an der Landshuter Alle und der Josef-Felder-Straße. Die Fabrik wurde 1992 stillgelegt. Hier sollen bis 2021 fünf Neubauten mit etwa 175 Eigentumswohnungen und 4550 qm Büroflächen entstehen, errichtet durch die Bauwerk Capital GmbH & Co. KG, Prinzregentenstraße 22, München. Architekten der meisten Wohngebäude sind Allmann Sattler Wappner. Die Gebäude auf dem Areal Kuvertfabrik: Haus C: 74 Wohnungen; Gewerbe und Einzelhandel; Haus D: 21 Wohnungen, Lounges, Fahrradwerkstatt; Haus E: 17 Wohnungen; Haus F: 15 Wohnungen; Haus G: 40 Wohnungen [14]

Januar 2020: Laut Auskunft Bauwerk Capital werden etwa 15.000 Kubikmeter Beton und 3500 Tonnen Stahl verbaut. Das eigentliche Gebäude der 1906 errichteten, denkmalgeschützten Kuvertfabrik wurde an die Stadtsparkasse München verkauft. [15]

Wohnungs-Angebote von Bauwerk: https://www.bauwerk.de/projekte/kupa.html?utm_source=szwebimmo&utm_medium=print&utm_campaign=kupa

Verkaufserfolg. Das Dach der Kupa wurde verstärkt, der Giebel musste abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Bauherrin Stadtsparkasse wird hier Büroräume vermieten. Die Gebäude mit 160 Wohnungen um die Kupa sollen Ende 2021 bezugsfertig sein. Die meisten Eigentumswohnungen sind verkauft. Die Musterwohnung hat 70 Quadratmeter und kostet etwa 850.000 Euro. [16]

Preise KUPA Pasing: Haus C, D, E, F, G, Preise von 9.215 Euro/qm bis 12.495 Euro/qm. Bauwerk [17]

„Ionic Award“ für Kupa. Der Rat für Formgebung hat das Stadtquartier Kupa in der Kategorie Wohnimmobilien mit einem Iconic Award 2021 ausgezeichnet. [18]

Fußnoten und Quellen

  1. Czeguhn, Jutta, Kampf um die Kuvertfabrik, in SZ 14.2.2011
  2. Czeguhn, Jutta, Opfer und Retter, in SZ 21.6.2014
  3. https://rock-capital.de/projekte/
  4. Czeguhn, Jutta, Die Kupa erwacht, in SZ 24.1.2018
  5. Ceguhn, Jutta, Die Alte zwischen den Neuen, in SZ 5.4.2018
  6. Czeguhn, Jutta, Die Kupa erwacht, in SZ 24.1.2018; Hausbesetzern auf der Spur, in SZ 11.7.2018
  7. Schmidt, Thomas, Die Bettlaken-Besetzer, in SZ 12.9.2017
  8. http://www.allekinos.com/muenchen.htm
  9. Czeguhn, Jutta, Kino-Träume für vier Tage, in SZ 6.8.2018
  10. Alles eingetütet, in SZ 11.1.2019
  11. Czeguhn, Jutta, Ein Herz aus Beton, in SZ 23.1.2019
  12. Czeguhn, Jutta, Zukunft mit Historie, in SZ 18.7.2019; Rohbaustart für neues Münchner Stadtquartier kupa, in www.architekturblatt.de 19.7.2019
  13. Czeguhn, Jutta, Stadtsparkasse kauft Kuvertfabrik, in SZ 31.7.2019
  14. https://www.bauwerk.de/de/objekt/kupa/quartier-0
  15. PM 28.1.2020; Czeguhn, Jutta, „Operation am offenen Herzen“, in SZ 9.12.20
  16. Steinburg, Eva von, Luxuriöse Stadtreparatur, in SZ 12.5.2021
  17. https://www.bauwerk.de/projekte/kupa.html, abgerufen am 9.8.2021
  18. Innovative Architektur, in SZ 25.8.2021
Objekt-Nr. 24320

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