Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Hendricks & Schwartz

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 16.8.2022

Aus der Webseite: „Hendricks & Schwartz ist einer der führenden Anbieter für die strategische Beratung im Bereich Baurechtschaffung und Akzeptanzkommunikation für Immobilienprojekte und Infrastrukturvorhaben im deutschsprachigen Raum. (…)
Wir stellen den Gesprächsfaden zu staatlichen oder kommunalen Entscheidern her, verleihen Ihrem Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit Nachdruck, konzipieren und realisieren moderne Dialog- und Beteiligungsformate, moderieren zwischen den beteiligten Anspruchsgruppen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Realisierung geplanter Vorhaben und zur Absicherung existierender Aktivitäten unserer Mandanten.
Neben Analyse, Monitoring und konzeptioneller Beratung, bieten wir eine fortlaufende operative Begleitung bei der Realisierung Ihrer Immobilienprojekte und Infrastrukturvorhaben. (…)
Im Mittelpunkt unserer Arbeit für unsere Mandanten steht das Management erfolgskritischer Stakeholder. Dabei binden wir alle Beteiligten zielgerichtet ein, verpacken Ihre guten Argumente in wirksame Botschaften, die Gehör finden, und aktivieren Fürsprecher – stets im Sinne einer reibungsfreien und zügigen Realisierung Ihres Vorhabens. Natürlich leiten wir Bürgerbeteiligungsverfahren sachkundig, objektiv und neutral.“ [1]
Aus dem Text gehen die Absichten von Hendricks & Schwartz klar hervor: Baurechtschaffung, Akzeptanzkommunikation für Investoren bzw. Immobilienprojekte. Wie sachkundig, objektiv und neutral Hendricks & Schwartz in Bürgerbeteiligungsverfahren agiert, zeigt das Beispiel aus Penzberg:

Rückblick September 2018: In Penzberg wurde ein Vier-Sterne-Hotel an einem Hanggrundstück am Kirnbergsee geplant: Die Gemeinde mit Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei/SPD) und der BI „Penzberg initiativ“ war dafür, die BI „Kein Hotel am Kirnbergsee“ dagegen. Der Bürgerdialog wurde von Daniel Schreyer vom Kommunikationsbüro Hendricks & Schwartz moderiert und sollte neutral agieren. Auf einen Leserbrief von Bärbel Bierling von der BI „Kein Hotel am Kirnbergsee“, der sich gegen den Hotelneubau richtete und am 21.9.2018 in der SZ Bad Tölz-Wolfratshausen und im Penzberger Merkur veröffentlicht wurde, verfasste Daniel Schreyer einen Antwort-Leserbrief am selben Morgen um 9 Uhr, den er aber nicht unter seinem Namen veröffentlichen wollte. Deshalb schickte er seinen Leserbrief an die Bürgermeisterin mit der Bitte, jemand zu finden, der diesen Leserbrief unter seinem Namen an die Zeitung schicken sollte. Darin stand u. a., dass die Standortgegner sich nicht an Sachlichkeit hielten, sondern Ängste vor weiteren Bebauung und dem Ende des Naherholungsgebiets schürten. Schreyer schlug den SPD-Vorsitzenden Bayram Yerli als Absender vor. Bürgermeisterin Zehentner mailte den Leserbrief Schreyers umgehend an den SPD-Ortsvorsitzenden Yerli und seinen Stellvertreter Stefan König weiter und empfahl, den Leserbrief „als umgehenden Konter zu Frau Bierling weiterzugeben“. Zehentner hatte diese Email aber gleichzeitig auch versehentlich an den Presseverteiler weitergeschickt. Die Gegner des Hotelprojekts hatten seit Beginn an der neutralen Rolle eines von der Stadt Penzberg bezahlten Moderators gezweifelt und Mauschelei vermutet: Die jüngste Entwicklung gab ihnen recht. [2]

Oktober 2019: Widerstand gegen Nachverdichtung. Die drei Eigentümer der Wohnungsgesellschaft Ludwigsfeld, die Ludwigsfelder Grund und die Projektgesellschaft PG Granatstr. 12 sowie das Planungsreferat haben zu einer Informationsveranstaltung in  das Karlsfelder Bürgerhaus eingeladen. Die von dem Büro Hendricks & Schwartz professionell organisierte Veranstaltung mit Fragebögen und Rundgängen versprach viel und hielt wenig. Die Bürgerbeteiligung wurde von einigen als „Feigenblatt“ bezeichnet, da ja alles längst feststehe. Petra Grünwald von Iglu äußerte im Plenum, man habe den Daten bisher stets hinterherlaufen müssen. Die Gutachten würden nicht herausgegeben mit der Begründung, sie seien für Laien unverständlich. Grünwald antwortete: „Wir haben Fachleute.“ – Darauf Investoren-Vertreter Christoph Jaenicke: „Warum haben Sie die dann nicht mitgebracht?“ Der SZ-Reporter stellte dann fest: „Im Saal daraufhin spürbar: Vertrauen schaffen funktioniert anders.“ [3]
Irgendwann schlägt bei jedem Investor die arrogante Attitüde durch.

Partizipations-Spektakel. Die von dem Büro Hendricks & Schwartz professionell organisierte Bürgerbeteiligung mit Fragebögen und Rundgängen versprach viel und hielt wenig. Eine Infoveranstaltung im Oktober 2019 in der Siedlung Ludwigsfeld verlief stürmisch. Auf einem Plakat stand: „Verdichtung = Vernichtung“. Die Kritiker sammelten vor dem Veranstaltungssaal Unterschriften vor allem gegen die geplanten Neubauten und Nachverdichtungen von 2100 Wohnungen. [3] Nun stehen Nachverdichtung plus Neubauten auf einem Acker bevor. [4][5]

Investoren veröffentlichen Gutachten. Für die „Nachverdichtung“ der Siedlung Ludwigsfeld haben die privaten Investoren ein Gutachten in Auftrag gegeben. Daniel Schreyer, Vertreter des Büros Hendricks und Schwartz, das den Dialogprozess mit den betroffenen Anwohnern moderiert, erklärte im März 2020, dass die Investoren die Herausgabe der gesamten Dokumente erlaubten. Der Anwohnerverein Interessensgemeinschaft Ludwigsfeld (Iglu) bestätigte das Vorliegen der Gutachten. Auch für den Eggarten hat CA Immo private Gutachten in Auftrag gegeben. Sprecher Markus Diekow gab zunächst an, dass die Gutachten für Laien kaum interpretierbar seien. CA Immo will sie nun herausgeben. [6]

August 2022: Noch mehr Wachstum für München gewünscht. In der Allianz für München haben sich etwa 100 Unternehmen vereint, um entgegen dem negativen Trend eine positive Position zu markieren, Einer der Sprecher, Daniel Schreyer von der Immobilien-Lobbyfirma Hendricks & Schwartz, äußerte: „“Fortschritts- und Wachstumskritik prägen die Diskussion über die Entwicklung Münchens“: Deshalb träte die Allianz für München dafür ein, dass sich weiterhin in München gerne Unternehmen ansiedeln, gründen und erweitern“. Dies sei ohne Ausweisung neuer Gewerbeflächen nicht möglich. Weitere Mitgliedsfirmen sind u. a. Ludwig Beck AG, Käfer AG, BHB Bauunternehmung, die Bank Donner und Reuschel. [7] Zur Webseite hier
Merkwürdigerweise ist auf der Webseite kein Hinweis auf die mitwirkenden Unternehmen zu finden.

Fußnoten und Quellen

  1. https://hendricks-schwartz.com/
  2. Vecciato, Alexandra, Entlarvender E-Mail-Verkehr, in sueddeutsche.de 25.9.2018
  3. Gierlich, Walter, Planen und protestieren, in sueddeutsche.de 20.10.2019
  4. Sobotta, Jerzy, Schutzschirm im Norden, in SZ 28.2.2020
  5. https://www.ludwigsfeld-im-dialog.de/
  6. Sobotta, Jerzy, Ein Schritt in Richtung Transparenz, in SZ 10.3.2020
  7. Hoffmann, Catherine, Allianz für Wachstum, in SZ 9.8.2022
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