Moloch München Eine Stadt wird verkauft

September 2022

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Aktualisiert 26.9.2022

September 2022: Kriterien für Immobilienkredite verschärft. Die Zinsen für Baukredite haben sich seit Jahresbeginn 2022 verdreifacht. Nun erlassen die Banken strengere Kriterien für die Berechnung der Kreditwürdigkeit, wie Kreditvermittler berichten. Die Pauschalen für den Lebensunterhalt werden höher angesetzt. Empfohlen wird oft eine höhere Eigenkapitalrate bzw. eine höhere Tilgungsrate. In die Bonitätsberechnungen gehen höher angesetzte Lebenshaltungs- und Bewirtschaftungskosten ein. Beschäftigte in der Probezeit oder mit befristeten Arbeitsverträgen sowie Elternzeit werden strenger geprüft. Hinzu kommt eine kritische Überprüfung des tatsächlichen Verkehrswerts der Immobilie. [1]

September 2022: Hitzesommer in München. Zwischen dem1.6. und dem 31.8.2022 gab es in München 882,1 Stunden Sonnenschein, laut dem Deutschen Wetterdienst in München ein Rekord. Eine Folge ist die Absenkung des Grundwasserspiegels, auch bedingt durch wenig Schnee im Winter und wenig Niederschlag im Frühjahr 2022. [2]
Und die Verbauung und Versiegelung Münchens geht weiter: mit der Folge noch höherer Aufheizung des Stadtgebiets.

September 2022: Die Crux mit den Index-Mietverträgen. Indexmietverträge sind an den Index für Lebenshaltungskosten gebunden und waren eher die Ausnahme. Bei bisher meist niederem Index profitieren eher die (oft gewerblichen) Mieter. Seit Anfang des Jahres stieg ihr Anteil laut Volker Rastätter vom Mieterverein München auf etwa 40 Prozent: Wohnungssuchende Mieter haben oft keine Wahlmöglichkeit. Vermieter können damit jedes Jahr um diesen Index erhöhen (aktuell bei etwa acht Prozent): Es bedarf nur einer Ankündigung. Auch gilt nicht die Kappungsgrenze von plus 15 Prozent im Zeitraum von drei Jahren. Der steigende Anteil von Indexmietverträgen wird sich auch auf den neuen Münchner Mitspiegel auswirken, der 2023 erscheint. Laut Haus + Grund München seien bei Indexmietverträgen die Umlagen für Modernisierungskosten auf die Mieter nicht möglich. [3]

September 2022: München braucht anscheinend Hochhäuser. Die Süddeutsche Zeitung kündigte im September 2022 ihre Veranstaltung SZ im Dialog Braucht München Hochhäuser? an, die am 24.10.2022 von 19 bis 20.30 stattfinden wird. Anscheinend besteht bei solchen Hochhaus-Diskussionen ein Zwangsverhältnis von mindestens drei Befürwortern zu einem Gegner. Befürworter sind Investor Ralf Büschl, Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Architektin Karin Schmid (vom Büro o3 Arch, das die neue Münchner Hochhausstudie verfasst). Als einsamer Gegner fungiert MdL Robert Brannekämper (CSU), Mitinitiator von HochhausSTOP.
Da scheint der Investor ja ganz schön Angst vor einem ausgeglichenen Podium zu haben, wenn er auf das Verhältrnis 3 Befürworter zu 1 Gegner setzt.

September 2022: Baubranche droht Flaute. Das Münchner Ifo-Institut informierte über seit April 2022 erhöhte Auftragsstornierungen: „Mit Blick auf die künftige Entwicklung greift die Angst um sich.“ Von den Stornierungen berichteten im August 2022 11,6 Prozent der befragten Bauunternehmen. Die zwei Hauptgründe sind hohe Baukosten und die inzwischen auf etwa drei Prozent gestiegene Kreditzinsen. Einige Bauprojekte werden damit unrentabel. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) befürchtet vermehrte Insolvenzen, da die immens gestiegenen Energiekosten nicht an die Bauherren weitergegeben werden können. [4]

September 2022: 16.000 Münchner warten auf Wohngeld. Das Wohngeld ist gedacht für Bürger, die keinen Anspruch haben auf Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Altersgrundsicherung, Erwerbsminderung und Sozialhilfe. Bislang gibt es bundesweit 700.000 Berechtigte für Wohngeld; in München sind es etwa 16.000, die zum Teil über ein Jahr auf ihren Bescheid warten. Das dritte Entlastungspaket des Bundes wird die Zahl der Anspruchnehmer verdreifachen: In München wären dies dann rund 50.000 Berechtigte. [5]

September 2022: Leichter Preisrückgang. Stephan Kippes vom IVD-Marktforschungsinstitut stellte zum ersten Mal seit langem einen leichten Preisrückgang fest: Der Quadratmeter Eigentumswohnung im Bestand ging von 9500 auf 9450 Euro zurück. Der Makler Ralf Heidemann berichtete von Vermarktungsschwierigeiten bei Immobilien mit „Lageproblemen“: Man könne nicht mehr alles zu jedem Preis verkaufen. Bauträger klagen über höhere Materialkosten, Beschaffungsschwierigkeiten von Handwerkern, eine stark gesunkene Neubautätigkeit. Hinzu kommen die Verdreifachung der Zinsen für Baukredite, die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg. [6]

September 2022: „Ostallianz“ gegründet. Die „Nordallianz“ war und ist der Zusammenschluss von sieben Gemeinden aus den Landkreisen München-Land und Freising. Nun war die Gründungsversammlung am 14.9.2022 des Vereins „Stadt und Land München Ost“ (vulgo Ostallianz), der seit sechs Jahren in Planung war. Die elf Gemeinden Anzing, Aschheim, Feldkirchen, Finsing, Forstinning, Haar, Kirchheim, Pliening, Poing, Vaterstetten, Markt Schwaben und die östlichen Münchner Stadtbezirke Bogenhausen und Trudering haben sich zusammengeschlossen, um eine umweltfreundlichere und bessere Mobilität und Entwicklung des Münchner Umlands zu erreichen. Im Osten von München ist der Siedlungsdruck hoch, neue Wohn- und Gewerbegebiete werden gebaut und geplant – wie z. B. die SEM Nordost mit 30.000 Bewohnern. [7]

September 2022: Kündigungsstopp. Der Präsident des GdW, Axel Gedaschko, hat einen Kündigungsschutz aufgrund der Energiekrise zugesagt, falls Mieter wegen der Nebenkostenzahlungen in Verzug geraten: Man könne Ratenzahlungen vereinbaren. Gedaschko forderte von der Bundesregierung einen Gaspreisdeckel. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) will die Schonfrist auf fristgerechte Kündigungen ausweiten. Lukas Siebenkotten, der Präsident des Deutschen Mieterbundes, hält diesen Vorschlag für ungenügend und schlug ein Kündigungsmoratorium vor. Bei fristlosen Kündigungen können Mieter mit Nachzahlungen die Kündigung umgehen, bei fristgerechten Kündigungen gibt es diese Lösung nicht. [8]

September 2022: Kein Ratsbegehren zu den Büschl-Hochhäusern. Grüne und CSU konnten sich nicht auf ein Ratsbegehren zu den Hochhäusern an der Paketposthalle einigen, die Fraktion SPD/Volt lehnt es sowieso ab, genau wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk. [9]
Vgl.: Paketposthalle, HochhausSTOP

Fußnoten und Quellen

  1. Banken verschärfen Bedingungen für Immobilienkredite, in spiegel.de 2.9.2022
  2. Anlauf, Thomas, Mehr Sonne als im Jahrhundertsommer, in SZ 2.9.2022
  3. Kastner, Bernd, „Es gibt auf die Münchner Mieter Feuer von allen Seiten“, in SZ 6.9.2022
  4. Baubranche sorgt sich wegen Auftragsabsagen, in spiegel.de 19.9.2022
  5. Anlauf, Thomas, Kompliziert, komplizierter, Wohngeld, in SZ 13.9.2022
  6. Hoben, Anna, Immobilienpreise fallen erstmals seit Jahren, in SZ 13.9.2022
  7. Schweikle, Sina-Maria, Allianz im Osten, in SZ 15.9.2022
  8. Wohnungswirtschaft sagt Kündigungsschutz in der Krise zu, in spiegel.de 20.9.2022
  9. Krass, Sebastian, Stadt will nicht über Türme abstimmen lassen, in SZ 20.9.2022
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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