Moloch München Eine Stadt wird verkauft

Januar 2020

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Titelbild: © Oswald Baumeister / Gesellschaft für ökologische Forschung e.V. []

Januar 2020: Neue Großmarkthalle mit neuen Arbeitsplätzen. Der Großmarkthallenbetrieb wird sich im Sockelbereich abspielen. Über der baulichen „Überdeckelung“ werden Freiflächen und Büros mit etwa 40.000 bis 60.000 qm und etwa 2000 bis 3000 Arbeitsplätze entstehen. Die Stadt München hat einen Teil des Gesamtareals in Erbpacht an das „Umschlagzentrum Großmarkt München“ (UGM) übertragen, das bereits große Flächen im Südteil gemietet hat und in Eigenregie die neue Großmarkthalle baut. Der Projektentwickler Oliver Rob berät die UGM und erklärte, die Einnahmen aus der Bürovermietung sollen bezahlbare Mieten für die Händler ermöglichen. Die Pläne stammen vom Büro Henn Architekten. [1] Gunter Henn erklärte sein Konzept, bei dem Großmarkt und Verkehrsflächen zusammengefasst würden, wodurch 16 Hektar für neue Verwendungen frei würden. Auf dem Dach des künftigen Großmarkts soll ein dreiteiliger Bürokomplex entstehen. Zunächst wurden 55.000 qm, dann von Henn selbst knapp 65.000 qm genannt. Die Stadtgestaltungskommission lobte eine Woche später das Konzept, kritisierte aber die Anbindung an die Stadt. [2]

Januar 2020: IAA 2021 in München? Die Münchner Messe bewirbt sich um die Nachfolge Frankfurts bei der IAA 2021. Klaus Dittrich, der Vorsitzende der Geschäftsführung: „Wir können Großveranstaltungen.“ [3] Der Zuschlag kam.
Vgl.: IAA München; https://www.irrtum-elektroauto.de/lexikon/iaa-muenchen-2021/

Januar 2020: Grüne wollen Hachinger Tal schützen. Grüne Funktionsträger aus Stadt und Landkreis München forderten ein Moratorium bei der Ausweisung von Bauflächen für Wohnen und Gewerbe im Hachinger Tal, bis die zwei Gutachten zum Regionalen Grünzug vorliegen. Damit sollen Planungen für die Bebauung der 27 Hektar des Kapellenfeldes gestoppt werden. Der frühere Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz von den Grünen drängte auf die Freihaltung der Frischluftschneise. In Sommernächten könnten sonst 22 bis 23 Grad statt 16 oder 17 Grad erreicht werden. Die Grünen kritisierten auch die Geheimhaltung der Planungen. In einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung in Neubiberg waren sowohl der Chiphersteller Infineon (das Infineon-Campeon ist nördlich des Kapellenfelds) als auch der Halbleiterhersteller Intel (mit Sitz in Unterbiberg an der Lilienthalstraße und am Infineon-Campeon) anwesend. [4]

Januar 2020: Zwölfter Münchner Mieterstammtisch. Die Münchner Initiativen „Newsletter Budenschleuder“ und „Münchner Freiwillige – wir helfen“ stellten sich vor. Anwesend waren auch Vertreter von SPD, Grünen und der Linken; die CSU fehlte. Janek Schmidt ist Mieter in der Oberländerstraße 5 im Erhaltungssatzungsgebiet in Untersendling. Das Haus mit elf Wohnungen wurde 2017 an einen Investor verkauft, der sich verpflichtete, zehn Jahre auf Luxus-Sanierungen zu verzichten. Er reichte dann einen Bauantrag ein und wollte alle Bäume fällen. Daraufhin gründete sich die Initiative „Ausspekuliert“, die 2018 Mieter-Demos organisierte. Der Bauantrag des Investors wurde genehmigt, danach verkaufte er die Oberländerstraße 5 an neue Investoren. – Die Journalistin Nina S. wohnt in der Augustenstraße 121. Für ihre 80-qm-Wohnung kam am 1.6.2019 die Kündigung, am 1.7.2019 eine Mieterhöhung über zwölf Prozent. Bis Ende Februar 2020 muss die Wohnung wegen „Eigenbedarfs“ geräumt werden. Der Vermieter, ein Notar, brauche die Wohnung u. a. für Opern- und Kinobesuche. – Eine Mieterin berichtet aus der Würmtalstraße: Die Häuser 67 und 69 wurden in einem Jahr drei Mal verkauft. Im Dezember 2019 kündigte ein privates Ehepaar ihre Wohnung „wegen wirtschaftlicher Verwertbarkeit“. Die Wohnungen sollen wegen einer höheren Rendite als einzelne Zimmer vermietet werden: Ein Zimmer soll dann 700 Euro kosten. Den bisherigen Mietern werden Abfindungszahlungen angeboten. [5]

Januar 2020: Realschule auf die Erdbeerwiese? Das 14 Hektar große Feld liegt zum größeren Teil in Obermenzing, zum kleineren Teil in Untermenzing. Dort plant man den Neubau einer Realschule mit Dreifachturnhalle, Schwimmhalle, Mensa und einem Haus für Kinder. Dazu soll die Feuerwache auf dem Sportgelände Von Kahr-/Prof.-Eichmann-Straße geplant werden. Der Standort der neu geplanten Realschule ist eine Frischluftschneise, die für Ober- und Untermenzing wichtig ist. Für Andreas Ellmaier vom Grünflächenverein Obermenzing wäre dies „das Ende der Gartenstadt Menzing“. [6]
Wer permanent Arbeitsplätze in München neu ansiedelt, der schafft auch Bedarf für die sämtliche Infrastruktur dazu: Kinderkrippen und –gärten, Schulen, Krankenhäuser, Verkehrswege, Friedhöfe etc. Damit werden die letzten Freiflächen gekillt. Und der ersehnte Gewebesteuer-Zuwachs reicht hinten und vorn nicht aus, um die dadurch nötige wachsende Infrastruktur zu finanzieren.

Januar 2020: Google-Wachstum. Im Oktober 2019 hatte Google angekündigt, die Zahl seiner Münchner Mitarbeiter von 1000 auf 2500 steigern zu wollen: Dazu kaufte Google den „Postpalast“ zwischen Hackerbrücke und Circus Krone für einen gut dreistelligen Millionenbetrag. Google will hier 41.000 qm Bürofläche bauen. Amazon und Microsoft sind schon in München, Apple ebenfalls. [7]

Januar 2020: Apple-Wachstum. In Apples „Bavarian Design Center“ in der Nähe des Hauptbahnhofs  arbeiten bereits 300 Ingenieure aus 40 Ländern. Nun hat Apple das Bürogebäude „Karl“ komplett angemietet, das auf dem ehemaligen Mahag-Gelände an der Karlstraße gebaut wird, Arbeitsplätze für 1500 Beschäftigte bieten wird und 2021 fertiggestellt werden soll. Hierdurch entsteht ein weiterer Preisdruck auf dem Wohnungsmarkt. „Aus internationaler Perspektive sind Mietpreise von gut 20 Euro pro Quadratmeter sehr verträglich.“ [7]

Januar 2020: SEM Nord: vom Dorf zur Stadt. Feldmoching wird „überplant“, wie es in der gefühllosen Planersprache heißt: Die heute noch teilweise dörfliche Idylle soll mit Tausenden Wohnen zugebaut werden, meist auf ehemaligen Feldern. Dazu kommt die von der grün-roten Stadtregierung wiederbelebte SEM Nord mit 900 Hektar. Die Parteien in Feldmoching vertreten eine unterschiedliche Klientel. Die SPD will bezahlbaren Wohnraum und diesen durch grenzenlosen Wohnungsbau fördern. Die CSU ist den Bauern und Eigenheimbesitzern verbunden. Die Grünen haben im Koalitionsvertrag der SEM zugestimmt. [8]

Januar 2020: Gut Freiham mit Augustiner. Das Gut Freiham hat eine 900-jährige Geschichte. 2015 wurde es vom Mehrheitseigner der Augustiner-Brauerei, der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, erworben und wird jetzt restauriert. Anfang 2021 soll es wieder ein Ausflugs- und Erholungsziel werden. [9]

Januar 2020: Wenig Vögel in München. Der LBV ruft jeden Januar Vogelbeobachter zur Sichtung des Bestandes auf, so auch in München. „Da die Stadt so stark verdichtet und versiegelt ist, dürfte München wie schon in den vergangenen Jahren die Großstadt in Deutschland sein, in der es die wenigsten Vogelsichtungen pro Beobachter gibt.“ [10]
Die Versiegelung in München nimmt seit Jahren exponentiell zu. Die hohen Bodenpreise sorgen für maximale Ausnutzung der Bebauungen, und das Vorgarten-Grün und das Tiefgaragen-Begleitgrün sind für Insekten und Vögel weitgehend wertlos.

Januar 2020: Hochhaus-Studie. Das Planungsreferat hat 03 Architekten GmbH München beauftragt, eine neue Hochhausstudie München zu erstellen. Die Kurzfassung:
Das Fachgutachten existiert seit 21.1.2020 als Entwurf: file:///C:/Users/User/AppData/Local/Temp/Hochhausstudie_Langfassung-1.pdf
Vgl. auch: Hochhäuser München

Januar 2020: SEM Nordost: Wettbewerb (1). Stadtbaurätin Elisabeth Merk stellte mit dem Jury-Vorsitzenden, dem Architekten Markus Allmann, das Wettbewerbsresultat vor. 32 Büros hatten die Aufgabe, Pläne für die Besiedelung mit 10.000, 20.000 und 30.000 Menschen zu erarbeiten. Sieger war das Düsseldorfer Büro Rheinflügel Severin mit den Berliner bbz Landschaftsarchitekten. (2. Preis: Cityförster Architecture+Urbanism, 3. Preis Performative Architektur aus Stuttgart) Die reine Idylle: „Freiraumgerüst mit prägenden Grünzügen“, Badeseen, Wasserlandschaften mit Teichen und Kanälen. Zwei Bürgerinitiativen sind gegen die SEM Nordost. Vor Ende dieses Jahrzehnts sollen keine Baumaßnahmen beginnen.
(Görl, Wolfgang, Das sind die besten Ideen für Münchens Nordosten, in sueddeutsche.de 26.1.2020))
Kurz: Alles wird – wie üblich -, schöner als vorher. Und natürlich: nachhaltig. Und natürlich: ökologisch.

Januar 2020:  SEM Nordost: Wettbewerb (2). Freiham: Ein neues Stadtquartier mit 350 Hektar. Johanneskirchen: SEM Nordost mit 600 Hektar. Und SEM Nord: Feldmoching mit 900 Hektar. Stadtbaurätin Elisabeth Merk (SPD): „Ein Projekt in diese Dimension betreut man eigentlich nur einmal im Leben.“ [11]. – „Nach dem Willen der Stadt soll das Wachstum den Vorgaben eines Masterplans folgen.“ [11].
Der Masterplan ist ziemlich einfach und hat drei Eigenschaften: Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Januar 2020:  Wohnen in Freiham. In Freiham Nord sollen von 4400 Wohnungen des ersten Bauabschnitts 53 Prozent einkommensorientiert gefördert werden. 47 Prozent sind frei finanzierter Wohnungsbau und preisgedämpfter konzeptioneller Mietwohnungsbau. Über 25 Einzelflächen für 2500 Wohnungen hat die LH München vergeben, davon viele an die stadteigenen GWG und Gewofag, Genossenschaften und Baugemeinschaften. Vier Grundstücke werden derzeit für Investoren im Erbbaurecht ausgeschrieben mit einer Mietobergrenze von maximal 13,50 Euro. [12]

Januar 2020:  Kein Wiedererkennen in Au-Haidhausen. 1978 saß die Landschaftsarchitektin Adelheid Dietz-Will (SPD) zum ersten Mal im Bezirksausschuss Au-Haidhausen, seit 2000 als Vorsitzende. Mit der Kommunalwahl am 15.3.2020 endet ihr dortiges Engagement. Dietz-Will „antwortet mit einem gewichtigen und schnellen ‚Nein‘ auf die Frage, ob sie ihr Viertel nach all den Veränderungen eigentlich noch wiedererkenne.“ [13]
Allein auf dem Paulaner-Gelände werden 3500 Bewohner wohnen, in den letzten zehn Jahren kamen etwa 10.000 Menschen neu in den Stadtbezirk Au-Haidhausen. Hier begann der Strukturwandel in den 1970er-Jahren. (Vgl. auch Chronologie 1981, 1985). 2023 werden die letzten Luxuswohnungen fertiggestellt sein (z. B. „Hoch der Isar“, Becken Immobilien) Auf dem Gelände des Holzkontors Heinrich Grombach in der Rosenheimer Straße 112 (ich erinnere mich noch gut, dort Holz eingekauft zu haben; WZ), entstanden 120 Wohnungen und ein Hotel. An der Orleanstraße zwischen Ostbahnhof und Haidenauplatz entstehen ebenfalls Wohnungen und ein Hotel.
An dieser Stelle eine kleine Anmerkung zum völlig überzogenen und verfehlten Zubau von Hotels in München: In Pandemiezeiten wie 2020 fehlen 90 Prozent der Touristen, auch Geschäftsreisende werden weniger. Das Hotelsterben hat gerade richtig begonnen, eine Entwicklung, die vermutlich auch ohne Corona-Pandemie gekommen wäre.

Januar 2020: Flashmob „Protest-Wohnzimmer“. Am 25.1.2020 protestierten Aktivisten des Volksbegehrens „#6 Jahre Mietenstopp“ mit einem Freiluftwohnzimmer und Schildern wie: „Miete zu teuer? Dann zieht doch weg! Wer braucht schon Handwerker, Polizisten, Krankenschwestern?“ [14]

Januar 2020: München-Preisliste: Wohnen Am Alten Eiswerk. Aus dem Verkaufstext: „Wohnen in der Au: Zeitlos. Authentisch. Unverwechselbar… grenzt direkt an den idyllischen Auer Mühlbach… Verbindung aus Architektur und Design, Historie und Lage… Das Umfeld ist geprägt von historischen Häusern, kleinen Läden und Cafés“. 3 Zimmer, 5. OG, 135,68 qm, 2.245.000 € (16.546 €/qm). 4-Zimmer 7. OG, 161,08 qm, 3.600.000 € (22.349 €/qm).
(Aus: www.hausbau.de/wohnen/muenchen/am-alten-eiswerk, abgerufen am 27.1.2020))

Januar 2020: München-Mieten. Laut Immobilienverband Deutschland (IVD) steigen die Mieten in München „leicht bis moderat“: von Herbst 2014 bis Herbst 2019 um plus 20 Prozent. Der Quadratmeter kostete bei gutem Wohnwert im Durchschnitt 17,10 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen in diesem Zeitraum um 58 Prozent. [15]

Januar 2020: Zuzug ohne Ende: Schulbau ohne Ende. Die Stadt München informierte Ende Januar 2020 über den Schulbau: Bildungscampus Freiham für 3000 Schüler, 245 Mill. Euro; Bildungs- und Sportcampus Riem, 2500 Schüler, 227 Mill. Euro. Drei Bauprogramme seit 2016 für weitere 40.510 Schulplätze und 6,579 Mrd. Euro. Sieben Projekte, darunter vier neue Grundschulen, sind komplett abgeschlossen. Zum Schulstart 2019 wurden neu fertiggestellt: Grundschule Ravensburger Ring, Grundschule an der Hochstraße. 2020 ist der Abschluss von 14 Bauprojekten geplant, z. B. Neubau Berufliches Schulzentrum an der Ruppertstraße, zwei neue Grundschulen an der Emmy-Noether-Straße und Infanteriestraße, Sportpark Freiham. [16]

Januar 2020: Gewofag fördert Abriss-Planer des Uhrmacherhäusls. Ein Baggerfahrer hatte am 31.8. und 1.9.2017 das etwa 1840 errichtete Handwerkerhaus in der Oberen Grastraße 1 abgerissen. Dessen Eigentümer ist Andreas Stauber, der auch Eigentümer und Geschäftsführer der Rohrreinigungs-Service RRS GmbH aus Baierbrunn ist. Stauber hatte vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich gegen den von der Stadt geforderten Wiederaufbau des Uhrmacherhäusls geklagt und äußerte sich zuversichtlich, den Baugrund größer ausnutzen zu können.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag teilte in einem Schreiben vom 18.11.2019 mit, dass sie mit der Fa. RRS GmbH eine „Rahmenvereinbarung Rohrreinigung und Störungsbeseitigungen an Abwasser- und Entwässerungsleitungen“ abschließen will. Dieser Vertrag kam am 29.11.2019 zustande. OB Dieter Reiter (SPD) erfuhr davon erst am 24.1.2020 und veranlasste, dass die Gewofag diesen Vertrag mit einer außerordentlichen Kündigung beendete. Die Gewofag verwaltet geschätzte 35.000 Wohnungen und hatte die Aufträge für ihre fünf Mieterzentren auf fünf Lose verteilt. Statt vier bzw. fünf Kanalreinigungsfirmen sollte nun die RRS alleiniger Auftragnehmer werden. Andreas S. äußerte sich zur Gewofag, er verfüge zu ihr über beste Kontakte. [17] – Andreas S. könnte sich vor Gericht gegen die Kündigung wehren. Der Gewofag-Geschäftsführer Klaus-Michael Dengler warf der RRS Täuschung vor. Sie bestehe in der „fehlenden Zuverlässigkeit von RRS in baurechtlichen Fragen“; diese sei wegen des Abrisses des Uhrmacherhäusls „definitiv unstrittig“. [18]

Januar 2020: Zuzug ohne Ende: Energiehunger ohne Ende. Die Stadtwerke München (SWM) wollen bis 2040 nur noch CO2-freie Fernwärme liefern. Dies soll mit Geothermie u. a. im Süden Münchens erreicht werden: in Berg am Laim und in Baierbrunn. Das nutzbare Potenzial schätzten die SWM auf 350 bis 400 MW ein, das entspricht dem Wärmebedarf von etwa 560.000 Haushalten. Dazu kauften die SWM 2016 zwei Geothermie-Kraftwerke in Kirchstockach und Dürnhaar, die Energieversorgung Ottobrunn und ein Biomasse-Kraftwerk in Taufkirchen. [19]

Januar 2020: Zuzug ohne Ende: Verkehr ohne Ende. 850.000 Fahrzeuge waren in München 2019 zugelassen, fast 30.000 mehr als 2016 und 164.000 mehr als 2009. Im bundesweiten Staulevel belegt München den 4. Platz, international Platz 124. 2019 standen die Münchner Autofahrer im Durchschnitt 131 Stunden im Stau. [20]

Januar 2020: Aubing will BA-Klimabeauftragte. Der BA Aubing-Lochhausen-Langwied fordert die Etablierung von Klimabeauftragten in allen 25 BAs. München erwärmt sich zusehends: 2018 lag die durchschnittliche Temperatur 2,2 Grad über dem Mittel der Sechziger- und Neunzigerjahre. Bis 2100 werden 4,5 Grad plus modelliert. Von 1961 bis 1990 gab es an 36 Tagen Temperaturen über 25 Grad, an fünf Tagen über 30 Grad. 2018 gab es an 87 Tagen Temperaturen über 25 Grad, an 16 über 30 Grad. Deshalb sind Kaltluftschneisen für die Temperaturabsenkung so wichtig, deren wichtigste im Westen und Südwesten der Stadt liegen – oder besser: lagen. Der CSU-Fraktionssprecher im BA, Jürgen Schrader, stellt fest: „… und da mittendrin entsteht jetzt die Hitzeinsel Freiham“. [21] Wichtige Kaltluftschneisen sind auch die Grünzüge aus den südlichen Alpen in den Norden.
Zur Ergänzung: Das Hachinger Tal stellt so einen wichtigen Grünzug dar: Es soll bebaut werden. Der Eggarten, ein grünes Biotop erster Klasse mit 21 Hektar, soll mit 2000 Wohnungen komplett überbaut werden. 900 Hektar offenes Bauernland in Feldmoching sollen im Rahmen der SEM Nord zugebaut und versiegelt werden, dito 600 Hektar im Rahmen der SEM Nordost. Dazu sind in München weitere Tausende Wohnungen und Gewerbebauten in Bau oder geplant. Dazu verschwinden täglich alte Gärten mit kleinen Häusern und weichen maximal ausgenutzten Betonbauten mit wertlosem Tiefgaragen-Begleitgrün. Willkommen in der Münchner Heißzeit.

Januar 2020: „Wem gehört die Stadt?“ (1) Der Bayerische Rundfunk berichtete über die Ergebnisse der Recherchen von Correctiv „Wem gehört die Stadt?“ in sechs deutschen Städten. [22]
Sendung 13.1.2020: „Wem gehört die Stadt?“ (Hansestadt Hamburg verkaufte Grundstücke an Steueroasen-Firmen; Berliner Milliardärsfamilie verschleiert mit Briefkastenfirmen ihren Besitz und zahlt kaum Steuern; etc.). – 6.2.2020: „Sind die Bodenpreise in München um 39.400 Prozent gestiegen?“ (Der frühere Münchner OB Hans-Jochen Vogel veröffentlichte diese Zahl in seinem letzten Buch „Mehr Gerechtigkeit! Wir brauchen eine neue Bodenordnung – nur dann wird auch Wohnen wieder bezahlbar“). –  10.2.2020: „Mietwohnungen: München kämpft gegen Zweckentfremdung“ (Münchner Außendienst-Mitarbeiter entdeckten 2018 fast 170 Wohnungen, die zweckentfremdet genutzt und über Internet-Portale vermittelt wurden.) – 14.2.2020: „Neubaugebiet im Münchner Norden (richtig: Nordosten): Naturschützer zufrieden“ (Der Siegerentwurf mit 10.000 Bewohnern für die SEM Nordost wird von BN und LBV präferiert.) – 17.2.2020: „Erhaltungssatzung – und trotzdem hohe Miete“ (Auch wenn die Stadt ein Objekt über das Vorkaufsrecht erwirbt, bedeutet dies nicht automatisch eine Mietreduzierung.) – 25.2.2020: „Soziale Vermieter: Ist im Erbfall alles aus?“ (Durch hohe Immobilienpreise über Bodenrichtwerte ergibt sich auch eine hohe Erbschaftssteuer, die für Nachkommen oft nicht zu tragen ist.) –  (Fortsetzung ab 15.7.2020, siehe unter Juli 2020)

Fußnoten und Quellen

  1. Krass, Sebastian, Auf der Halle in die Höhe, in SZ 15.1.2020
  2. Krass, Sebastian, Ein Komplex mit Konfliktpotential, in SZ 22.1.2020
  3. Rost, Christian, Autos, wohin man blickt, in SZ 15.1.2020
  4. Hilberth, Iris, Grüne fordern Planungsstopp in der Frischluftschneise, in SZ 16.1.2020
  5. von Steinburg, Eva, Wahnsinn Wohnungsmarkt – wem gehört die Stadt? in abendzeitung-muenchen.de 15.1.2020
  6. Czeguhn, Jutta, Zank um die Erdbeerwiese, in SZ 17.1.2020
  7. Krass, Sebastian, Apple will mehr, in SZ 18.1.2020
  8. Sobotta, Jerzy, Konzentration auf die Kirchturm-Politik, in SZ 20.1.2020
  9. Draxel, Ellen, 900-jährige Tradition, in SZ 21.1.2020
  10. Anlauf, Thomas, Dchää-dchää!, in SZ 21.1.2020
  11. Görl, Wolfgang, Die besten Ideen für Münchens Nordosten, in SZ 27.1.2020
  12. Draxel, Ellen, Gut und günstig wohnen, in SZ 23.1.2020
  13. Korsche, Johannes, Charakterfrage, in SZ 23.1.2020
  14. Flashmob im Wohnzimmer, in SZ 27.1.2020
  15. Dürr, Alfred, Mieten steigen nur „leicht bis moderat“, in SZ 24.1.2020
  16. Landeshauptstadt München, Der Schulbau läuft auf Hochtouren, in SZ 28.1.2020
  17. Grundner, Hubert, Ein Geschäft, das nicht nur den OB erzürnt, in SZ 28.1.2020
  18. Häusl kaputt, Vertrauen zerstört, in SZ 29.1.2020
  19. Lohr, Bernhard, Wärme für 500.000 Haushalte, in SZ 29.1.2020
  20. Schubert, Andreas, Genug Stau für 3782 Pfannkuchen, in SZ 29.1.2020
  21. Draxel, Ellen, Chefsache Frischluft, in SZ 30.1.2020
  22. https://www.br.de/nachrichten/wem-gehoert-die-stadt-die-buergerrecherche,RLtePvN
Moloch München Eine Stadt wird verkauft

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